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Hans-Olaf Henkel
Der Kampf um die Mitte. Mein Bekenntnis zum Bürgertum
Buchkritik vom 5. Januar 2008
Bekenntnisse und Abrechnungen
Der
ehemalige
Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Hans-Olaf Henkel hat
nicht
zum
ersten
Mal ein
engagiertes
Buch
vorgelegt.
Viele
Freunde wird
er
sich damit
nicht
machen. Sein
Bekenntnis
zum
Bürgertum
und zum Ordoliberalismus
enthält vernichtende
Abrechnungen mit deutschen Institutionen und Einzelpersonen
jeder Couleur.
Parteien und Politiker drehten sich nach dem Wind, bemerkt der Autor. Als
Konstante der Linken hebt er die verfehlte Begeisterung für den Antisemiten
Karl Marx und die zum Opfer stilisierte Täterin und "Primadonna assoluta" Rosa
Luxemburg hervor. Neonazis würden zu Recht bekämpft, doch die Taten von
Lenin, Stalin, Mao und anderen Kommunisten würden nach wie vor ganz anders
bewertet, trotz der vernichtenden Analyse im 1997 von Stéphane Courtois
herausgegebenen "Schwarzbuch des Kommunismus". "Wider das Vergessen" gelte nur
für 1933 bis 1945. Nebenbei bemerkt: An anderer Stelle attackiert er die Kolonialpolitik der
Briten und vergleicht sie mit Hitlers Plänen für eine "Kolonisierung" Polens und
Sowjetrusslands.
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Nicht mit Samthandschuhen fasst der ehemalige BDI-Präsident
Heinrich Böll, Günter Grass, Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Jürgen
Habermas, Oskar Lafontaine und die ehemaligen "Maoisten" Reinhard Bütikofer,
Christa Sager und Ulla Schmidt an, um nur einige zu nennen. Den Hasardeur,
Demagogen und Selbstdarsteller Gerhard Schröder demontiert Henkel. Besonders
dessen China- und Russlandpolitik sowie die populistische "Verleumdungskampagne" im
Wahlkampf gegen Professor Kirchhof kritisiert er scharf. Doch auch CDU-Grössen
wie Helmut Kohl, Norbert Blüm und Jürgen Rüttgers sowie die FDP mit ihrer
antiliberalen Klientelpolitik schont er nicht.
Den BRICs, Brasilien, Russland, Indien und China sowie anderen Schwellenländern
sagt Hans-Olaf Henkel wegen ihrer bürgerlichen Tugenden und der positiven
Einstellung zur Globalisierung eine grosse Zukunft voraus, wobei er öfters
seine Erkenntnisse aus seinen Jahren als IBM-Manager einfliessen lässt.
Angesichts von Chinas Entwicklung bezeichnet er Deutschlands Umwelt- und
Klimapolitik als vergebliche Liebesmühe, die in Europa nur Arbeitsplätze
koste. Hugo Chávez und andere Linkspopulisten Südamerikas sieht er im
Nachwort hingegen auf dem Holzweg.
Die angelsächsischen Länder sind Henkels Meinung nach gegenüber Deutschland und
Frankreich auf Grund ihres unverkrampften Umgangs mit der Globalisierung im
Vorteil. Als Vertreter von Amnesty International vergisst er nicht, die
US-Regierung wegen ihrer Menschenrechtsverletzungen seit 9/11 zu kritisieren.
Die Irrwege Kommunismus und Nationalsozialismus seien zwar ad acta gelegt,
doch sei deswegen die verlorene Mitte noch nicht wieder gefunden. Henkel
legt in diesem Zusammenhang ein Bekenntnis zum Ordoliberalismus ab, den er
sich wie zu Zeiten Ludwig Erhards erneut als Leitlinie von Politik und
Wirtschaft wünscht. Ohne die Früchte der Globalisierung liesse sich heute keine
soziale Marktwirtschaft in Deutschland mehr finanzieren. Der Mittelstand, der
80% der Arbeitsplätze stelle, werde vernachlässigt. Henkel stellt Ehe, Familie
und Nation als Zentrum der bürgerlichen Gesellschaft dar. Deutschland wirft er
besonders eine verfehlte Bildungs- und Einwanderungspolitik vor. Mit CDU/CSU
und SPD regierten heute zwei sozialdemokratische Parteien. Peinlich berührt ihn
die Wandlung Merkels, die sich noch im letzten Wahlkampf als Kämpferin für
Freiheit und Marktwirtschaft im Sinne Ludwig Erhards profiliert habe, um danach
die grösste Steuererhöhung in der Geschichte der Bundesrepublik durchzusetzen
und den versprochenen Bürokratie-Abbau nicht anzugehen.
Henkels Werk ist keine stilistische Offenbarung und hin und wieder fehlt ihm der Fokus. Einige seiner autobiografischen
Einschübe - so zum Segeln - passen nicht zum Thema, doch spricht er bei
aller Selbstverliebtheit viele unangenehme Wahrheiten aus, mit denen sich
Deutschland früher oder später auseinander setzen muss.
Hans-Olaf Henkel:
Der
Kampf
um die Mitte.
Mein
Bekenntnis
zum
Bürgertum.
Droemer
Verlag,
September 2007, 400
S. Buch bestellen bei
Amazon.de.
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Hans-Olaf Henkel:
Der
Kampf
um die Mitte.
Mein
Bekenntnis
zum
Bürgertum.
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