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Die Rede von Sarah Palin am Parteikonvent der Republikaner
Artikel vom 4. September 2008
 
Die Erwartungen waren gigantisch. Die Gouverneurin von Alaska musste sich dem eigenen Parteivolk sowie dem Rest der vor dem TV-Bildschirm klebenden Nation vorstellen. Die Rede von Sarah Palin am Parteikonvent der Republikaner ist der erste Test der republikanischen Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika.

Sie war nicht die erste und nicht die einzige Frau, die am Mittwoch am Parteikonvent der Republikaner sprach. Die ehemalige Chefin von eBay, Meg Whitman, hatte den Reigen der Redner eröffnet und die ökonomischen Grundsätze der Partei und von John McCain überzeugend vorgestellt. Sie hätte an der Seite von McCain dem Ticket sicher Ehre gemacht, doch Wirtschaftsführer kommen beim Volk nicht so gut an. Ihr folgte die ehemalige Chefin von HP,
Carly Fiorina. Sie stellte die Agenda von John McCain vor, wirkte dabei aber etwas hausbacken, vielleicht mit ein Grund, weshalb sie nicht den Job der Vizepräsidentin erhielt. Unter den folgenden Rednern war die Gouverneurin von Hawaii. Linda Lingle hat Erfahrung in einer Exekutive, doch ihr Auftritt mit einer blassen Biografie von Sarah Palin zeigte, weshalb John McCain sie nicht aufs Ticket gesetzt hat. Der gescheiterte Präsidentschaftskandidat Mike Huckabee dankte der Presse für ihre Angriffe auf Sarah Palin, welche die Republikaner hinter McCain und Palin vereinigt habe.

Der letzte Redner vor der vielleicht nächsten Vizepräsidentin der USA war der ehemalige Bürgermeister von New York und mit John McCain einst heisseste Kandidat fürs Präsidentenamt, Rudy Giuliani. Auf Grund einer falschen Strategie - der Auslassung der ersten Staaten bei den Vorwahlen - war er bei seinem Versuch der Eroberung des Weissen Hauses kläglich gescheitert. Seine brillante Rede zeigte, warum er 2007 als heisser Kandidat galt. Er verwies auf Obamas 130
 „präsent“ Voten in der Legislative in Chicago, indem er sagte, es sich nicht genug, „präsent“ zu sein, sondern als Präsident müsse man Entscheidungen treffen. Er bemerkte zudem, Sarah Palin habe bereits mehr exekutive Erfahrung als das Duo der Demokraten zusammen genommen.



Nach Giulianis Rede war das Publikum heiss. Das hätte sehr wohl zum Stolperstein für die Gouverneurin von Alaska werden können. Sie durfte nun nicht abfallen. Natürlich war ihr Text von Redenschreibern für sie verfasst worden, und sie durfte sich wie Obama der Hilfe mehrerer Teleprompter bedienen. Dennoch war ihre Rede ein erster Hinweis darauf, ob sie auf nationaler Ebene bestehen kann. Sie überzeugte, und wie.

Sie schilderte, wie sie als Gouverneurin den Luxusjet ihres Vorgängers bei eBay verkaufte und auch ansonsten den Steuerzahlern Geld sparte. Insbesondere verwies sie darauf, dass sie das Monopol (besser Oligopol oder Kartell) der in Alaska tätigen Ölgesellschaften brach und die Konkurrenz wieder einführte.

Palin machte ihrem Spitznamen aus Basketballzeiten - „Sarah Barracuda“ - alle Ehre und lieferte die angriffigste Rede des Abends und aller vier Spitzenkandidaten im Rennen ums Präsidentenamt.

Bevor sie Gouverneurin geworden sei, habe sie als Bürgermeisterin ihrer Heimatstadt gedient. Da ihre Opponenten scheinbar auf diese Erfahrung herunterblickten, wolle sie erklären, was der Job beinhalte. Mit einem Seitenhieb auf Obama meinte sie, eine Kleinstadtbürgermeister sei eine Art „community organizer“, mit dem Unterschied, dass man tatsächliche Verantwortlichkeiten habe.

In ihrer vielleicht besten Attacke auf Obama meinte sie, in der Politik gebe es Kandidaten, die den „Wandel“ zur Förderung ihrer Karriere benutzten, und jene wie John McCain, die ihre Karriere zur Förderung des Wandels brauchten.

Den ersten Test bestand Sarah Palin mit Bravour. Der wirklich Härtetest kommt aber erst noch mit Fragen zur Aussen- und Sicherheitspolitik in der Debatte mit dem Vizepräsidentschaftskandidaten der Demokraten, Joe Biden, der jahrzehntelange Erfahrung auf dem Gebiet hat, allerdings öfters schneller spricht, als er denken kann. Ob Sarah Palin wirklich die Statur zur Vizepräsidentin hat, würde ohnehin erst eine Präsidentschaft von John McCain zeigen. Ob die Republikaner, denen der Wind entgegenbläst, im November vom Wähler diese Chance erhalten werden, bleibt ungewiss.

Wie Nicolas Sarkozy in Frankreich, so präsentieren sich John McCain und Sarah Palin - allerdings nicht zu unrecht - als Kandidaten des Wandels, obwohl ihre Partei seit acht Jahren an der Macht ist. Barack Obama präsentiert trotz seines Slogans „Change“ die alte Linke der Demokraten. Die Parallele zu Ségolène Royal in Frankreich besteht durchaus. Obama ist kein Zentrist wie einst Bill Clinton. Er kann nicht wie John McCain auf eine bedeutende überparteiliche Zusammenarbeit verweisen. Seine zwei „Erfolge“ in dieser Hinsicht waren im Senat völlig unbestritten und einmütig verabschiedet worden. Daher könnten die Republikaner im November vielleicht tatsächlich das Weisse Haus weitere vier Jahre behalten. In beiden Parlamentskammern hingegen werden sie höchstwahrscheinlich empfindlich geschlagen werden.


Das Video mit der Rede von Sarah Palin vom 3. September 2008. Siehe auch den englischen Artikel mit mehr Infos und der gedruckten Rede von Palin.






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