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Merkel zur
Finanzkrise
Die Regierungserklärung der
Bundeskanzlerin zur Finanzkrise
Artikel vom 7. Oktober 2008
Als die UBS vor einiger Zeit CHF 40 Milliarden an Verlusten
wegen dubioser Subprime Papieren wegstecken und innerhalb von 48 Stunden CHF 12
Milliarden an Neugeld organisieren musste, war klar, dass ein allgemeines
Donnerwetter drohte. Wenn die in der fernen Schweiz, eigentlich grundsolide Bank
auf wertlose Hypotheken hereinfiel, dann sicher auch europäische Konkurrenten
und vor allem natürlich Amerikaner.
Beim Konkurs von Lehmann Brothers sah es zuerst noch einen Moment lang so aus,
als könnte das amerikanische Bankensystemberuhenden
den Schock wegstecken. Der Staat liess die Bank pleite gehen. Doch als noch
grössere Brocken des Finanzsystems am Abgrund standen, mussten Regierung,
Parlament und Zentralbank mehrfach eingreifen.
Die
Hypotheken- und Bankenkrise führte zum Verschwinden der Investmentbanken
der Wallstreet und zum von Finanzminister Paulson ungeschickt initiierten $700
Milliarden
„Bailout“, der zuerst vom
Senat,
und danach vom
Repräsentantenhaus verabschiedet wurde, ohne jedoch bisher zur
Beruhigung geführt zu haben, unter anderem weil er von den Märkten bereits
eskomptiert war.
Zuerst taten die Europäer - auch die Bundeskanzlerin - noch so, als ginge sie
die Krise nichts an. Doch bereits der Fall der IKB Deutsche Industriebank sowie
der britischen Bank Northern Rock, die von Premierminister Brown verstaatlicht
werden musste, deutete an, dass in Europa zumindest einige faule Eier lagen. In
den letzten Tagen wurden mit Fortis, dem drohenden Staatsbankrott von Island,
der deutschen Hypo Real Estate (HRE), die in der Grössenordnung von Lehman Brothers
liegt, und der Schieflage von anderen Instituten eine ganze neue Dimension der
inzwischen weltweiten Finanzkrise klar.
Am 7. Oktober 2008 sagte
Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung zur
weltweiten Finanzkrise, dass es darum gehe, das Vertrauen an die Finanzmärkte
wieder herzustellen. Der irische Weg sei ungeeignet. Die Iren hatten
unabgestimmt ihre Bankinstitute unter Staatsschutz gestellt. Sie beklagte, dass
nicht-irische Institute wie die Hypo Real Estate-Tochter Depfa, die in Irland
Steuern bezahlt hätten, nicht unter den Schutzschirm fielen. Damit komme es zu
Wettbewerbsverzerrungen.
Merkel wandte sich gleichzeitig erneut gegen einen Fonds der
27 EU-Staaten, da 27 Staaten kein effizientes Krisenmanagement machen, nicht
schnell genug auf Krisen reagieren könnten.
Die Lage sei Ernst, doch Deutschland stark.
Merkel warb um Vertrauen in die Finanzinstitute, indem sie die
staatlichen Garantiezusagen bekräftigte. Kein Sparer müsse um seine Einlagen
fürchten, und diese Erklärung gelte. Sie verteidigte die Rettung der HRE durch
eine Bürgschaft der Bundesrepublik in Milliardenhöhe, da der Kollaps der HRE
unabsehbare Folgen in ganz Europa gehabt hätte. Die Vergütung der Manager müsse
sich an langfristigen Unternehmenszielen orientieren, monierte sie.
Kanzlerin Merkel bezweifelte, dass die Bankenaufsicht ihrer Aufgabe
gerecht geworden sei. Daher betonte sie, es sei zu prüfen, ob das Zusammenspiel
zwischen Bafin und Bundesbank verbessert werden könne.
Beim Wähler mag die Botschaft der beliebtesten deutschen Politikerin ankommen.
Ob die Finanzmärkte das ebenso sehen, muss vorerst bezweifelt werden. Die
kommenden Monate dürften durch weitere Hiobsbotschaften und Turbulenzen an den
Märkten geprägt sein.
Der Schreibende kann nur wieder betonen, dass in einem
ordoliberalen System der Staat so stark wäre, dass er das Einhalten der
Marktregeln durchsetzen, gegen Kartelle, Absprachen und marktverzerrende
Schwindler und Schwindeleien - Stichwort „junk mortgages“,
die de facto vom Staat gestützt wurden - effizient vorgehen könnte und müsste.
Nochmals der Hinweis auf die Schweizer Privatbanken, bei denen die Bankiers mit
ihrem Geschäfts- und Privatvermögen haften. Unter dieser Prämisse käme die
Vernunft sofort wieder an die Finanzmärkte zurück. Natürlich gehört es zum
Liberalismus, dass Firmen nicht nur Erfolg haben, sondern auch Pleite gehen
können, ja müssen. Doch dabei darf kein Betrug begangen, dürfen keine
Sorgfaltspflichten verletzt werden. Daher sollte es ohne Gesetzesänderung
möglich sein, gegen Schwarze Schafe vorzugehen und Bonusse,
Abgangsentschädigungen und überhöhte Pensionsansprüche zurückzufordern.
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