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Agrarsubventionen
Nach dem Rahmenabkommen der WTO auf dem Weg zu freierem Welthandel?
Artikel vom 3. August 2004
Nach fünftägigen Verhandlungen
einigten sich die Mitglieder der Welthandelsorganisation WTO letzte Woche in
Genf unter anderem auf einen Abbau der Agrarsubventionen. Ist dieses
Rahmenabkommen, über dessen Details noch verhandelt werden muss, ein
bedeutender Schritt auf dem Weg zu einem freierem Welthandel? Vielleicht. Doch
noch sind viele Fragen offen. Es muss sich erst noch weisen, wie weit Staaten wie
Frankreich wirklich bereit sind, Handelshemmnisse im Agrarbereich rasch
abzubauen. Jacques Chirac ist schliesslich der Liebling der französischen
Bauern, der nicht zuletzt als Landwirtschaftsminister von 1972 bis 1974 viel
zum Aufbau des heutigen EU-Agrarschlamassels beitrug.
Die Bemühungen um die Liberalisierung des Marktes für landwirtschaftliche
Güter gleichen einem Trauerspiel. In den letzten Jahren wurden
keine Fortschritte erzielt. Die meisten reichen Länder wehrten sich mit
Händen und Füssen nicht nur gegen die Öffnung ihrer Agrarmärkte, sondern
auch gegen jene der arbeitsintensiven Güter. Damit wurden
die ärmsten Länder der Welt ihres komparativen Vorteils beraubt.
2003 konnten sich die Minister der 147 WTO-Mitgliedsländer im mexikanischen
Cancún noch nicht einmal auf einen Rahmen für weitere Liberalisierungen
einigen. Die 2001 in Katar gestartete Dauha-Runde kam ins Stocken.
Nun wurde also in Genf doch noch ein "Durchbruch" erzielt. Bestimmte
Subventionen, insbesondere Ausfuhrhilfen, sollen abgeschafft und allgemein die
Märkte geöffnet werden. Doch jedes Land darf weiterhin Ausnahmebedingungen
für ausgewählte Produkte verlangen. All das klingt noch nicht nach dem
grossen Wurf. Vielmehr wurde das Nicht-Scheitern bereits als Erfolg
verbucht.
Die Industrieländer haben mit diesem faulen Kompromiss ihre
Interessen durchgesetzt, denn gleichzeitig sollen Industriezölle abgebaut und
Märkte im Bereich der Dienstleistungen geöffnet werden.
Die Welt wurstelt weiter wie bisher. Insbesondere die USA und
die EU subventionieren ihre Landwirtschaft, schotten die Binnenmärkte ab und
zahlen Agrar-Exportsubventionen. Dadurch sind Güter, welche die Dritte
Welt kostengünstiger und umweltschonender produzieren könnte, nicht
konkurrenzfähig. In Europa entstehen Milchseen, Butter- Fleisch- und andere
Nahrungsmittelberge. Diese müssen teilweise vernichtet werden oder landen
als "Not- und Entwicklungshilfe" in der Dritten Welt. Jene wiederum ist zweischneidig und palliativ. Natürlich kann die westliche Welt bei
Hungersnöten in Afrika nicht einfach zuschauen, wie Tausende verhungern. Doch die
Hilfsgüter bewirken zumeist eine reine Symptom- und keine
Ursachenbekämpfung. Im Gegenteil: Es entstehen Abhängigkeiten und lokale
Märkte werden zerstört bzw. am Entstehen gehindert.
Die Schweiz ist ein schlechtes Vorbild, was den Umweltschutz in der
Landwirtschaft angeht. Hier wird nicht nur sinnlos Geld in den Agrarsektor eines reichen
Landes gebuttert, sondern in dieser Klimazone werden auch mehr Pestizide,
Dünger und Energie je produzierter Nahrungsmitteleinheit eingesetzt als in
Drittweltländern, die nicht nur billiger, sondern auch ökologischer
produzieren könnten.
Die konsequente Liberalisierung der Agrarmärkte und die Abschaffung aller
Agrarsubventionen könnte hier Abhilfe schaffen. Dadurch würden sich alle
Länder besser auf ihren komparativen Vorteil konzentrieren. Milliarden an
Dollars würden frei für sinnvollere Investitionen. Die Budgets der
Mitgliedsländer und die Geldbeutel ihrer Steuerzahler würden entlastet, die
Umwelt geschont. Der gesunde Menschenverstand sollte endlich wieder einmal
siegen - warum nicht im Rahmen der WTO?
Die Dritte Welt sollte sich allerdings nicht hinter den oben angeführten
Argumenten verstecken. Das wirtschaftliche Desaster, nicht zuletzt in Afrika,
ist weitgehend hausgemacht: Die Staaten auf dem "Schwarzen
Kontinent" sind unfähig, Rechtssicherheit, eine funktionierende
Infrastruktur, (Wirtschafts-) Kompetenz und Attraktivität für Fremdkapital
zu garantieren. Korrupte, unfähige Eliten werden auch in einer
liberalisierten Weltwirtschaft ihre Staaten nicht zu Wachstum und nachhaltiger
Entwicklung verhelfen können.
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Martin Wolf: Why Globalization Works. Yale University Press, 2004, 398
S.
Martin Wolf zerpflückt erfolgreich die Vorbehalte der Globalisierungsgegner gegen
den freien Welthandel. Zu den Kritiken aus diesen Kreisen, die er zulässt, gehört jene am
fehlenden Willen der Industrienationen, ihre Märkte für landwirtschaftliche
und arbeitsintensive Güter aus der Dritten Welt zu öffnen. Bestellen Sie dieses lesenswerte Buch bei Amazon.de,
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Ian Little and Maurice Scott, Tibor Scitovsky: Industry and Trade in Some
Developing Countries: A Comparative Study. London, OUP, 1970.
Friedrich Hayek: The Road to Serfdom. London, 1944.
Friedrich Hayek: The Constitution of Liberty. Chicago, 1960.
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