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Korruption in Deutschland
Korruptionsexperten ziehen Bilanz
Artikel von Prof. Dr. Hans See, Vorsitzender des Business Crime Control e.V., 6. August 2004
 
Das Buch erlebt innerhalb kürzester Zeit schon seine dritte Auflage. Es zeichnet sich durch mehrere Vorzüge aus. Der erste ist, dass es endlich ein Buch über Korruption ist, in dem deutlich erkennbar wird, dass Korruption nicht einfach ein Problem bestechlicher Beamter und Politiker ist, sondern dass diesen im Bestechungsakt ein Unternehmensvertreter gegenüber steht - oder sitzt, der das Ziel verfolgt, an möglichen Konkurrenten vorbei einen öffentlichen Auftrag zu ergattern. Bezieht man, was in den meisten Korruptionsanalysen immer noch die Ausnahme ist, die Geberseite mit ein, und macht man sich deren Interesse klar, handelt es sich in den meisten relevanten Korruptionsfällen um Folgeerscheinungen beabsichtigter Wirtschaftsverbrechen.
 
Dass diese Sicht nicht unterschlagen wurde, ist einmal Prof. Brodbek von der FH Würzburg, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, zu verdanken. Er war es, der die von Frau Akatshi Schilling verfasste Diplomarbeit, die den ersten und größten Beitrag zu diesem Buch bildet, angeregt und betreut hat. Akatshi Schilling ist, neben Uwe Dolata, auch Herausgeberin des Sammelbandes.
 
Dass die Wirtschaftskriminalität nicht außen vor blieb, dazu hat zweifellos auch der zweite Herausgeber, UweDolata, einen Beitrag geleistet. Denn Dolata ist ein erfahrener Wirtschaftskriminalist, auch engagiertes Mitglied von Business Crime Control und des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BdK). Er nahm die ausgezeichnete Diplomarbeit von Frau Akatshi zum Anlass, an der FH Würzburg ein Symposion unter dem zunächst überraschenden Titel „Korruption von Brüssel bis Würzburg“ durchzuführen.
 
Der Titel erklärt sich aus der einfachen Tatsache, dass neben den Würzburgern – Frau Akatshi, der Wirtschaftsinformatik-Professorin Dr. Angelika Kreitel und Uwe Dolata – auch der aus Brüssel angereiste Wolfgang Hetzer saß. Hetzer ist seit 2002 Leiter der "Abteilung Intelligence: Strategic Assesment & Analysis" im Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) in der Europäischen Hauptstadt. Der Jurist aus Brüssel schreibt auch gelegentlich für das Business Crime Magazin und zeigt in seinen zahlreichen Veröffentlichungen, auch in der zu diesem Buch, dass er die juristischen Probleme immer auch vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen, sozialen, politischen und sogar weltanschaulich-philosophischen Grundfragen erörtert. Das macht seine Analysen auch für Nicht-Juristen lesenswert. Sein Beitrag handelt von der Korruptionsbekämpfung in Europa. Er lässt erahnen, vor welchen schier unlösbaren Aufgaben Behörden und Polizei stehen, wenn es um die "Angriffe aus dem Osten", die "Werte aus dem Westen" und den Glauben an das Heil versprechende Strafrecht geht.
 
Zum Symposion hatte Dolata auch den Frankfurter Bestsellerautor Jürgen Roth eingeladen. Roth, dessen Beitrag sich mit dem "gewachsenen Nepotismus", der Vetternwirtschaft im System, auseinandersetzt, zweifelt an der Bereitschaft und demonstrierten Entschlossenheit der Politiker, Wirtschaftskriminalität und Korruption effektiv bekämpfen zu wollen. Kriminelles Handeln, so seine These, ist zum integralen Bestandteil unseres wirtschaftlichen und politischen Systems geworden. Der Grund: Politiker und Parteien profitieren von der Korruption und kooperieren mit jenen führenden Kräften der Wirtschaft, die nach dem Motto „eine Hand wäscht die andere“ ihre Beziehungen pflegen. Beispielsweise im einst so genannten militärisch-industriellen Komplex.
 
Auch Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner, in ganz Deutschland und über die Grenzen hinaus bekannter und geschätzter Leiter der Frankfurter Schwerpunktstaatsanwaltschaft zur Korruptionsbekämpfung, war eingeladen, konnte aber dann doch nicht teilnehmen. Er stellte seinen Beitrag für das Buch zur Verfügung und bietet darin einen auch für Nicht-Juristen und interessierte Laien ausgezeichneten Überblick über die rechtliche und politische Situation des Korruptionsproblems. Leider - wahrscheinlich nicht zufällig - gibt es keinen deutschen Oberstaatsanwalt aus dem Schwerpunktbereich Wirtschaftskriminalität, der eine ähnlich wirksame volkspädagogische Aufklärung über die Gesetzesbrüche von Unternehmen betreibt.
 
Die Herausgeber haben auch einen Beitrag von Dr. Anke Martiny in das Buch aufgenommen. Sie war viele Jahre Mitglied des Bundestags und Leiterin der Friedrich Ebert Stiftung in Tel Aviv. Heute ist sie Geschäftsführerin von Transparency International (TI). Sie schildert die Arbeitsweise und die Grundprinzipien von TI und verteidigt bei dieser Gelegenheit, was Transparency immer lautstärker verübelt wird, dass die Organisation auch Unternehmen als Mitglieder und Sponsoren hat, die der Korruption verdächtig oder sogar überführt worden sind. Zweifellos hat TI einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass inzwischen weltweit über das Problem der Korruption erst einmal ein Bewusstsein entsteht. Und der strategische Ansatz, der den Namen "Integritätspakt" trägt, ist durchaus eine von vielen Möglichkeiten, Korruption einzudämmen. Aber die systematische Ausblendung der Wirtschaft aus der öffentlichen Kritik an der Korruption, die betonte Fokussierung auf Politiker, Parteien, Beamte, gelegentlich auch auf spezielle Gruppen wie Ärzte oder Journalisten, lenkt nun einmal ab vom Kernbereich des Missbrauchs wirtschaftlicher Macht.
 
Alle Autoren sind ausgewiesene Kenner der Materie. Uwe Dolatas Beitrag, der den Band beschließt, ist aus der Sicht des praktizierenden Wirtschaftskriminalisten geschrieben. Klug, wirklichkeitsnah und lehrreich. Ein Buch, das viele Leserinnen und Leser finden sollte, damit endlich ein breites Bewusstsein über den Zusammenhang von Wirtschaftskriminalität und Korruption entsteht und nicht länger an Symptomen kuriert wird.
 
Akatshi Schilling/Uwe Dolata (Hg.): Korruption im Wirtschaftssystem Deutschland. Jeder Mensch hat seinen Preis. Mankau Verlag 2004, 184 S. Buch bestellen bei Amazon.de.
 

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