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Die Wahlen
in der Steiermark vom 2. Oktober2005
Artikel vom 7. Oktober 2005
Für einen verspäteten Aprilscherz
hatte Bundeskanzler Schüssel mit seiner Bemerkung vom 4. April 2005 gesorgt, Jörg Haider
sei eine "konstruktive Persönlichkeit". Die Wähler in Kärnten sahen
dies glücklicherweise anders und straften die vom Kärntner Landeshauptmann über Nacht
geschaffene Partei BZÖ bei den Wahlen in der Steiermark vom 2. Oktober 2005 mit
1,72% ab.
Da die Rest-FPÖ mit 4,58% zwar besser, aber immer noch erbärmlich abschnitt,
sind die Freiheitlichen erstmals seit 1949 im steirischen Landtag nicht mehr
vertreten. Haider hat nach
der Wahl mit einer indirekt nicht mehr ausgeschlossenen Wiedervereinigung der
zwei Parteien in einer Sammlungsbewegung einen Versuchsballon gestartet, der
aber bisher nur Verwirrung in den eigenen Reihen stiftete und beim
Ansprechpartner Ablehnung erntete. Ausserhalb Kärntens scheint Haiders
Anziehungskraft verblasst zu sein, nicht zuletzt auf Grund von Recherchen des
Nachrichtenmagazins Profil vom Juni 2005, das den "Anwalt des kleinen
Mannes" als Spesenritter entlarvte.
Der grosse Wahlverlierer war jedoch die konservative ÖVP von Bundeskanzler Schüssel,
was vor allem örtliche Gründe hatte. Der Ex-ÖVP-Funktionär Gerhard Hirschmann
und die amtierende Landeshauptfrau Waltraud Klasnic schaufelten sich gegenseitig
das politische Grab. Hirschmann betätigte sich als Skandalenthüller und
attackierte die bei verschiedenen Affären nicht gerade glücklich agierende
Landesmutter. Noch 2003 sah es für die ÖVP in der Steiermark rosig aus, als sie
es nach 18 Jahren schaffte, die SPÖ aus dem Bürgermeisteramt von Österreichs
zweitgrösster Stadt Graz zu verdrängen.
Für Bundeskanzler Schüssel war der Wahltag verheerend, denn nach
Salzburg 2004 hat er nun mit der Steiermark 2005 die zweite von der ÖVP seit
1949 gehaltene Hochburg verloren. Hinzu kommt, dass sein Bündnispartner BZÖ bei
den kommenden Nationalratswahlen untergehen könnte. Symbolcharakter hat
ebenfalls, dass der ÖVP bereits das Amt des Bundespräsidenten abhanden gekommen ist.
Die eigentliche Sensation der Wahlen in der Steiermark war das
Abschneiden der Kommunisten. Die KPÖ schaffte es unter Ernest Kaltenegger tatsächlich,
nach 35 Jahren in den steirischen Landtag zurückzukehren und erst noch als dritte Kraft
künftig in der Landesregierung vertreten zu sein. Mit 6,33% wird die KPÖ wohl
kaum viel bewegen oder verhindern können, doch zeigt ihr Resultat das Potential
an Frustrierten auf, das nach dem Absturz des Populisten Haider auf der Suche
nach einer neuen Heimat ist. Wohin werden diese Protestwähler bei der nächsten
Nationalratswahl wandern?
Die SPÖ wird mit ihrem Zugewinn von 9,34% und der erstmals in der Steiermark
errungen Führungsposition mehr als zufrieden sein. Doch wozu sie unter
Quereinsteiger Franz Voves in der
Steiermark fähig ist, muss sich erst noch weisen. Zudem kann sie auf nationaler
Ebene mit dem blassen, biederen Funktionär Alfred Gusenbauer an der Spitze dem
intellektuellen Taktiker und Strategen Bundeskanzler Schüssel nicht das Wasser
reichen. Ihr potentieller Koalitionspartner, die Grünen, sind noch weit von
einer konstruktiven Rolle entfernt.
Das Theater um Haider und die FPÖ- bzw. BZÖ-Regierungsbeteiligung auf
Bundesebene scheint nur wirtschaftlich, aber nicht politisch Früchte zu tragen.
Das Aufbrechen des schwarz-roten Machtmonopols war dringend nötig gewesen. Doch
wirklich Bewegung in die Parteiprogramme hat es noch nicht gebracht. Die
Freiheitlichen, de facto immer unter Haiders Kontrolle, sind als Partei nicht
ministrabler geworden, auch wenn einzelne Minister das Gegenteil bewiesen, wenn
ihnen Haider nicht gerade in den Rücken schoss. Die Sozialdemokraten und
Grünen sind noch nicht fit fürs 21. Jahrhundert. Bei den Konservativen herrscht
ebenfalls weiterhin Reformbedarf, auch wenn sie zusammen mit dem Einzelkämpfer
Finanzminister Grasser und einigen fähigen Freiheitlichen immerhin erste
Schritte in die richtige Richtung unternommen haben. Glücklich, wer in
Österreich nicht wählen muss.
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Die Wahlen in der Steiermark vom 2. Oktober 2005, offizielles
Wahlresultat
Abgegebene Stimmen 702'476, ungültig 10'175, gültig 692'301. LH: Liste
Hirschmann.
| Parteien |
2005 |
2005 |
2000 |
+/- |
| SPÖ |
41,66% |
288'822 |
32,32% |
+ .9,34% |
| ÖVP |
38,67% |
267'613 |
47,29% |
- 8,62% |
| KPÖ |
6,33% |
43'751 |
1,03% |
+ 5,30% |
| Grüne |
4,71% |
32'387 |
5,61% |
- 0,90% |
| FPÖ |
4,58% |
31'749 |
12,41% |
- 7,83% |
| LH |
2,05% |
14'147 |
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| BZÖ |
1,72% |
11'888 |
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