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Bundesratswahl 2009 - Didier
Burkhalter gewählt
Artikel vom 16. September 2009
Alles ist möglich?
Bis vor wenigen Jahren waren Bundesratswahlen eine relativ öde
Sache. Hin und wieder wurde nicht der offizielle Kandidat einer Partei
gewählt, doch die jeweiligen Ansprüche der Bundesratsparteien auf ihre
„angestammten“ Sitze wurden respektiert. Doch seit die SVP stark
gewachsen ist - und insbesondere seit der Abwahl von Bundesrat Blocher - ist
die Zauberformel keine Heilige Kuh mehr. Davon gab und gibt es ohnehin zuviele:
Neutralität und Bankgeheimnis sind zwei weitere.
Die
Bundesratswahlen 2007 und
2008 boten bereits einigen Unterhaltungswert. Kommt heute alles
ganz anders als vorausgedacht? Entwickelt sich gar eine Eigendynamik und
wird dadurch die Zauberformel in Frage gestellt? Wer dies tut, muss sich
allerdings darüber im klaren sein, dass im Voraus eine
Debatte über die zukünftige Zusammensetzung der Regierung nötig gewesen
wäre. Bis heute setzen sich ja alle Bundesratsparteien zumindest offiziell
hinter die Zauberformel. In der Realität hat die SVP ihren zweiten Sitz
verloren bzw. sich nach der Wahl der Sprengkandidatin Eveline
Widmer-Schlumpf gespalten, sodass sie
heute de facto untervertreten ist. Bezüglich der heutigen Wahl gilt, dass die FDP nach wie vor grösser als die
CVP ist, weshalb ihr Sitz rein rechnerisch nicht in Frage gestellt werden kann.
Doch Politik ist mehr als Arithmetik.
Wer die Zauberformel ohne Diskussion in Frage stellt, gefährdet die
politische Stabilität und damit weit mehr als nur ein politisches Kapital
der Schweiz. Im Moment sieht allerdings alles nach kleinen Wellen aus. Die
Wahl zwischen einem FDP- und einem CVP-Kandidaten ist eine Richtungswahl:
Mitte-Rechts oder Mitte-Links. Wird die FDP mit dem Verlust ihres zweiten
Bundesratsitzes verärgert, dürfte die Retourkutsche für CVP und SP bei den
nächsten Bundesratswahlen folgen. Dies könnte langfristig die
Unantastbarkeit der Zauberformel weiter erodieren. Doch noch sieht alles nach Stabilität aus.
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Die Fraktionen schlugen im Parlament für die Ersatzwahl von Bundesrat Pascal
Couchepin mehrere Kandidaten vor. Im Namen der FDP setzte sich die
Fraktionschefin der Partei, Gabi Huber, für die Konkordanz und den zweiten
Bundesratssitz für die drittstärkste Partei der Schweiz ein. Die Fraktion
portierte offiziell zwei Kandidaten: FDP-Ständerat Didier Burkhalter und
FDP-Nationalrat Christian Lüscher. Huber sprach sich explizit gegen
„wilde Kandidaturen“ aus, wobei sie namentlich FDP-Parteichef Pelli und
FDP-Nationalrat Marty erwähnte.
Die CVP portierte den CVP-Sprengkandidaten Urs Schwaller.
CVP-Fraktionschefin Ursual Wyss präsentierte ihn als Mann des Ausgleichs.
Doch ein Mann des Ausgleichs würde nicht versuchen, der FDP den Sitz
streitig zu machen.
SVP-Fraktionschef Caspar Baader setzte sich für die Konkordanz und damit den
Sitz für die FDP ein. Die Grüne Fraktionschefin Maja Graf hingegen meinte,
der freie Sitz stünde rein rechnerisch eigentlich den Grünen zu. Die Partei
werde ihre Stimmen jedoch Schwaller und Burkhalter geben. Brigitta Gadien
von der SVP-Abspaltung BDP setzte auf Burkhalter.
Hinzugefügt um 10:08
Erster Wahlgang
245 ausgeteilte und eingegangene Stimmen. Keine leere Stimmen 245 gültige
Stimmen. Absolutes Mehr 123. Stimmen erhielten: Didier Burkhalter 58,
Christian Lüscher 73, Urs Schwaller 79, Dick Marty 34, Diverse 1.
Zweiter Wahlgang
Obwohl Dick Marty sich in einer Stellungnahme zwischen den Wahlgängen
eindeutig nicht zur Wahl stellte, erhielt er 12 Stimmen. Im zweiten Wahlgang
gab es erneut 245 gültige Stimmen. Christian Lüscher erhielt 72 Stimmen,
Didier Burkhalter ebenfalls 72. Urs Schwaller legte auf 89 Stimmen zu.
Dritter Wahlgang
245 ausgeteilte Stimmen. Doch diesmal waren nur 243 Stimmen gültig. Deshalb
lag das absolute Mehr bei 122 Stimmen. Christian Lüscher erhielt nur noch
63 Stimmen, Didier Burkhalter hingegen 80 Stimmen, Urs Schwaller stieg auf
95 Stimmen und Dick Marty fiel auf 5 Stimmen.
Christian Lüscher zeigte Grösse und zog sich nach dem dritten Wahlgang
zurück. Damit galt Didier Burkhalter als heisser Tip für die sichere Wahl im
nächsten Wahlgang.
Vierter Wahlgang
Nur 239 gültige Stimmen. Das absolute Mehr sank auf 120 Stimmen. Mit 129
Stimmen gewählt war Didier Burkhalter. Christian Lüscher erhielt noch 4
Stimmen, Urs Schwaller 106. Der neue Bundesrat heisst Didier Burkhalter.
Hinzugefügt um 10:30
Bundesrat Didier Burkhalter
Didier Burkhalter wurde am 17.
April 1960 in Neuchâtel geboren. Von 1988 bis 1990 sass er in der
Legislative seiner Gemeinde Hauterive. Von 1991 bis 2005 war er Mitglied der
Stadtregierung von Neuchâtel und amtete dreimal als Stadtpräsident.
Daneben sass er von 1990 bis 2001 im Neuenburger Kantonsparlament, dem
Grossrat. Von Dezember 2003 bis Dezember 2007 sass er für Neuenburg im
Nationalrat, danach im Ständerat. Der verheiratete Ökonom mit drei Kindern
gilt als wirtschaftsfreundlich, weshalb ihm von der Linken der Wind bei
seiner Bundesratskandidatur entgegenblies, obwohl er gleichzeitig auch als
Brückenbauer bekannt ist.
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