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Minarett-Initiative
Hinzugefügt am 4. Dezember 2009
An vorderster Front im Initiativ-Komitee gegen den Bau von Minaretten in der
Schweiz kämpften als Co-Präsidenten die SVP-Nationalräte Ulrich Schlüer und
Walter Wobmann und der EDU-Nationalrat Christian Waber. Weitere
Komitee-Mitglieder waren die SVP-Nationalräte Oskar Freysinger und Jasmin
Hutter. Insgesamt gehörten dem Initiativkomitee 16 Mitglieder an, davon 14
SVP-Mitglieder und 2-EDU Mitglieder.
Laut einem heutigen online Artikel der NZZ will sich die SVP
weiterhin gegen die
“schlechte
Ausländerpolitik des Bundesrates”,
“unkontrollierte Zuwanderung”,
“Masseneinbürgerungen”,
“Ausländerkriminalität”
und das
“Asylchaos”
einsetzen sowie 2011 die Personenfreizügigkeit zum
“zentralen Wahlkampfthema”
machen, so SVP Nationalrat Hans Fehr. Christoph Mörgeli und Christoph
Blocher pflichteten dieser Richtung bei.
Artikel vom 1. Dezember 2009
Niemand sah es kommen, die Volksinitiative gegen den Bau von
Minaretten in der Schweiz wurde von 57,5% gegen 42,5% der Wählenden bei
einer Stimmbeteiligung von 53,4% am 29. Dezember 2009 von den Schweizer
Stimmbürgern angenommen. Das sind weit mehr als die rund 30%, die der SVP
als Wählerpotential zugerechnet werden können. Siebzehn Kantone und fünf
Halbkantone sprachen sich für die Anti-Minarett-Initiative aus, lediglich
drei Kantone und ein Halbkanton dagegen.
Die Verfassung wird nun wie folgt geändert (Art. 72, Al. 3 neu):
„Der Bau von Minaretten ist verboten.“
Moscheen und andere Gebetsräume dürfen weiter gebaut werden. Der Islam wird
nicht verboten. Zur Zeit gibt es vier Minarette und rund 160 Moscheen in der
Schweiz.
Den Muslimen geht es also nicht an den Kragen. Dennoch macht das
Minarettverbot keinen Sinn. Es handelt sich keinesfalls um eine Massnahme,
die dem islamischen Extremismus oder gar Terrorismus entgegenwirkt. Im
Gegenteil, es führt nur zu heissen Köpfen. Die Minarett-Initiative löst kein
Problem und trägt nicht zur Integration der Muslime in die Gesellschaft bei.
Am 8. Juli 2008 hatte das sogenannte Egerkingener Komitee unter seinem
Hauptinitiator und Sprecher Ulrich Schlüer (SVP-Nationalrat aus dem Kanton
Zürich) es geschafft, 114'895 Signaturen zu sammeln und so die
Volksinitiative gegen den Bau von Minaretten in der Schweiz auf den Weg zu
bringen. Einzig die Schweizerische Volkspartei (SVP) von Ulrich Schlüer
sowie die winzige Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) unterstützten die
Initiative. Alle anderen Parteien sowie die Regierung, alle Verbände,
Kirchen und Organisationen, mit Ausnahme des Bauernverbandes, der sich für
die Stimmfreigabe entschied, stellten sich gegen das Bauverbot für
Minarette.
Da die SVP bei der
Nationalratswahl 2007 lediglich 29% der Stimmen erhalten und damit ihr
Potential wohl weitgehend ausgeschöpft hatte, verblüfften die 57,5% vom 29.
November 2009. Noch in einer vom 9. bis 14. November geführten Umfrage
sprachen sich 53% der Befragten gegen die Anti-Minarett-Initiative aus.
Lediglich 37% befürworteten sie und 10% waren noch unentschieden.
Woher kamen die Nein-Wähler? Ein Blick auf die Statistiken zeigt, dass die
Initiative in den fünf grössten Schweizer Städten abgelehnt wurde (Zürich:
63,7% dagegen; Basel: 51,6%; Genf: 63%; Bern: 56,4%; Lausanne: 62,2%). Die
Ja-Stimmen kamen folglich aus den kleineren Städten und den Dörfern. Die
Wahlanalyse wird sicher noch einige Details ans Tageslicht bringen.
Bei der Minarett-Initiative stand Christoph Blocher nicht an vorderster
Front in der SVP. Im Gegenteil, er stand dem Ansinnen scheinbar kritisch
gegenüber. Nach dem Erfolg jedoch hat er sich bereits auf dem Zürcher
Lokalradio
„Radio 1“
mit der glorreichen Idee gemeldet, der Burka, der Mädchenbeschneidung und
der Zwangsheirat solle es wie den Minaretten ergehen. Zudem müsse zumindest
geprüft werden, ob es nicht möglich sei, dass sich Muslime, die den
Schweizer Pass möchten,, sich schriftlich von den Koranpassagen zu
distanzieren hätten, welche die Menschenrechte verletzten. Da sollte man
doch prompt von SVP-Wählern verlangen, sie müssten sich vom Schaf-Plakat und
vom Burka-Minarett-Plakat ebenfalls schriftlich distanzieren, wenn sie den
Schweizer Pass behalten möchten, denn die Plakate verstossen ebenfalls gegen
die Menschenrechte.
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Die Wahlbeteiligung war gesamtschweizerisch mit 53,4% relativ hoch. Man kann
davon ausgehen, dass es die SVP geschafft hat, ihre Wähler besonders zu
mobilisieren, was auch hilfreich in anderen auf der Tagesordnung stehenden
nationalen, regionalen und lokalen Abstimmungsvorlagen von Vorteil war.
Was hat die Ja-Wähler motiviert?
Es kann zumindest zum jetzigen Zeitpunkt darüber nur spekuliert werden.
Seit 9/11 werden der Islam und Muslime fast nur im Zusammenhang mit
negativen Schlagzeilen erwähnt. Neben den Terroristen von al-Qaida gehören
dazu Aktionen und Regime der Taliban, der Hisbollah, der Hamas, die
getürkten Wahlen im Iran und in Afghanistan, woher zudem 90% des weltweiten
Opiums gehören. Zudem befindet sich die Schweiz gerade in einem Konflikt mit
dem libyschen Diktator Gaddafi. Dessen zweiter Sohn Hannibal wurde für
einige Zeit in Genf gefangen genommen, weil er scheinbar Hausangestellte
misshandelt hat. Gaddafi nahm als Retorsionsmassnahme kurzerhand zwei
Schweizer in Libyen fest. Seither führt er die Schweizer Regierung an der
Nase herum. Hinzufügen muss man fehlende Rechte für Frauen in vielen
islamischen Staaten, die Beschneidung von Mädchen, die Anwendung der Scharia,
die Burka und das Kopftuch.
Die Schweizer sind in Zeiten der Wirtschaftskrise zudem allgemein nicht gut
auf Ausländer zu sprechen. Laut 22% macht ihr Anteil an der
Gesamtbevölkerung von rund 7,7% aus. Rund 400'000 sind Muslime. Unter den
ausländischen Arbeitnehmern sind rund 7,6% arbeitslos, unter den Schweizern
beträgt die Quote nur 2,9%. Die Ausländerfeindlichkeit in der Schweiz ist
zur Zeit allgemein hoch. Die Muslime und ihre Minarette hielten wohl nur als
Sündenböcke für ein allgemeines Malaise in der Schweiz hin, zu dem man noch
das Faktum zählen darf, dass die Schweiz auf Grund ihrer Schwarzgeldbunkerer
zeitweilig auf der grauen Liste der Steueroasen landete. Insbesondere
Deutschland und Italien machen Druck auf Schweizer Banken, weil diese nicht
versteuertes Geld ihrer Bürger verwalten.
Was hat all das mit den Minaretten zu tun? Nichts. Die Initianten der
Anti-Minarett-Initiative haben lediglich die diffuse Stimmung gegen den
Islam, Muslime und Ausländer allgemein ausgenutzt. Sie argumentierten, sie
seien nicht gegen den Islam. Minarette jedoch seien Überwachungstürme,
drückten den Willen zum Aufzwingen einer politisch-religiösen Macht aus,
welche die Toleranz ausschliesse. Das Initiativkomitee berief sich auf
Artikel 72 der Bundesverfassung, welche den Religionsfrieden und die
Toleranz stipuliert. Doch mit dem Minarett-Verbot handeln die Initianten ja
gerade diese Artikel zuwider. Alle Fehler des Islam, die sie bekämpfen
wollen, werden von einem solchen Verbot nicht tangiert. Zudem können auf
Grund der bereits bestehenden Gesetze und Verfassungsartikel die Anwendung
der Scharia, die Diskriminierung der Frau und die Beschneidung von Mädchen
in der Schweiz bekämpft werden. Was das Minarett-Verbot dazu beitragen soll,
kann niemand erklären.
Den Initianten war wohl auch klar, was für rechtliche Implikationen eine
Verfassänderung mit sich bringt. Es war ihnen klar, dass sie keine Moscheen
verbieten konnte, weshalb sie sich auf das Verbot von Minaretten
beschränkten. Doch selbst damit dürften sie eigentlich nicht durchkommen. Es
verstösst wohl gegen Schweizer Recht. Artikel 15 und 72 der Bundesverfassung
schützen die Religions- und Glaubensfreiheit. Darüber hinaus hat die Schweiz
die Europäische Menschenrechtskonvention (hierzu Artikel 9 und 14) sowie
einen UN-Pakt zu den zivilen und politischen Freiheiten unterzeichnet. Die
Religionsfreiheit und die Nichtdiskriminierung von Personen wird geschützt.
Auf die Schweiz könnten einige peinliche Momente hinzukommen, da das Land
gerade den Vorsitz im Europarat übernommen hat. Die Schweiz sollte
eigentlich zusammen mit dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in
Strassburg über die Einhaltung eben dieser Menschenrechte wachen. Nun droht
der Schweiz eine Klage wegen der Annahme der Anti-Minarett-Initiative. Das
Schweizer Bundesgericht könnte sich auch zu dem Fall äussern bzw. zumindest
in Zukunft abklären, ob eine Initiative nicht gegen die Verfassung oder
internationales Recht verstösst. Die Grünen prüfen gerade die Möglichkeit
eines Rekurses, der allerdings nicht von einer politischen Partei ausgehen
kann.
Ganz sicher ist es allerdings nicht, ob ein Rekurs Erfolg hat. Der
Strassburger Gerichtshof hat ja das muslimische Halstuchverbot in Frankreich
nicht umgestossen und in Italien das Kreuz aus den Schulen verbannt. Ob
diese Entscheidungen der Weisheit letzter Schluss waren, ist zu bezweifeln.
Der gesellschaftlich Konsens zu solchen Fragen ändert sich mit der Zeit.
Toleranz, gesunder Menschenverstand und Flexibilität sollten solche
Entscheidungen leiten.
Die Schweizer Muslime stammen vor allem aus Ex-Jugoslawien und der Türkei.
Sie gelten nicht als besonders militant. Sie sind scheinbar auch besser
integriert als Muslime in anderen europäischen Ländern. Da sie nur rund 5%
der Gesamtbevölkerung stellten, kann von einer schleichenden Islamisierung
der Schweiz keine Rede sein.
Der mit 22% hohe Ausländeranteil in der Schweiz ist teilweise auf den
Umstand zurückzuführen, dass der Schweizer Pass nicht so leicht zu haben
ist. Daher sind relativ viele Ausländer der zweiten und sogar der dritten
Generation nicht eingebürgert, obwohl sie integriert sind.
Der Zürcher Nationalrat und Hauptinitiant der Anti-Minarett-Initiative hat
sich wohl nicht zuletzt gedacht, dass eine solche Initiative am 29. November
2009 viele Wähler in Zürich an die Urnen bringt. Dort wurde in einer
Ersatzwahl um die Nachfolge von Rita Fuhrer (SVP) gekämpft. Die SVP
fürchtete wohl um ihren zweiten Sitz in der Zürcher Kantonsregierung. Mit
Ernst Stocker konnte sie ihren Kandidaten durchsetzen. Der hatte allerdings
auch die Unterstützung von FDP, CVP und EVP, welche die bürgerliche Mehrheit
in der Regierung erhalten wollten. Stocker hatte sich zudem nicht für die
Minarett-Initiative ausgesprochen. Dennoch ist es eine bewährte Taktik der
SVP, regelmässig ausländerfeindliche Kampagnen, Initiativen und ähnliches zu
starten, um die eigene Basis an die Urne zu bringen.
Laut der NZZ hat der Bundesrat am 27. August 2008 in seiner Botschaft
zur Anti-Minarett-Initiative treffend bemerkt: “Minarette haben mit
religiösen Fanatikern ebenso wenig zu tun wie Beleuchtungsmasten in
Fussballstadien mit gewaltbereiten Hooligans.”
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Das Plakat des Komitees der Anit-Minarett-Initiative. Nach den Schäfchen nun die
Burka-tragende Muslimin vor einem sieben Minaretten auf einem Schweizerkreuz.
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