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Deutsche Diskussion um
Steuersenkungen
Hinzugefügt am 19. Januar 2010
Dass Finck und die Substantia das
Geld an Parteien verteilten, mit deren Programm sie sich identifizieren
können, ist unstreitig. Natürlich war es legal und wurde bei FDP und CSU
auch sauber abgerechnet. Dennoch bleibt ein unguter Eindruck zurück, wenn
ein Geldgeber so bedeutende Mittel bereitstellt. Der Milliardär Finck hat
bzw. hatte mehr Geld bei SGS, von Roll, Hochtief und anderswo investiert.
Monetär sind Mövenpick und vor allem die Millionenspende für Finck nicht
wirklich bedeutend, für die FDP bzw. die CSU gemessen an ihrem gesamten
Spendenaufkommen hingegen schon. Obwohl FDP und CSU zurecht auf ähnliche
Fälle bei der Opposition verweisen, SPD und Grüne im Glashaus sitzen, macht
dies die Angelegenheit nicht besser. Eine Steuerreform, bei der alle
Unternehmen und Konsumenten nachher gleichviel (oder besser: gleichwenig)
Mehrwertsteuer bezahlen, ist vonnöten. Siehe den Artikel unten vom 15.1.
bezüglich Gerechtigkeit, Vereinfachung und Transparenz im deutschen
Steuer(un)wesen.
Hinzugefügt am 18. Januar 2010
Die 1,1 Millionen Euro-Wahlspenden an die FDP in den Jahren 2008 und
2009 der Düsseldorfer Substantia AG des Milliardärs August von Finck mit
seinen 14 Mövenpick-Hotels in Deutschland dürfte der FDP ihren Einsatz für
die Hoteliers erleichtert haben. Laut SZ profitierte die CSU 2008 von
Finck-Spenden in der Höhe von insgesamt 820,000 Euro. Die CSU hatte die
Steuersenkungen für Hotels angeregt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...
Artikel vom 15. Januar 2010
Steuersenkungen ja, aber bei
gleichzeitigem Abbau unsinniger Staatsausgaben
Die deutsche Diskussion um Steuersenkungen ist teilweise
surreal. Bereits beim
Abschluss der Koalitionsverhandlungen rieb
sich so mancher Zuseher und Kommentator die Augen, da insbesondere
Westerwelle und Seehofer das soeben vereinbarte völlig unterschiedlich
interpretierten.
In den Tagen danach sagte zudem zuerst FDP-Chef Guido Westerwelle, die FDP
habe 20/20 ihrer Forderungen im Koalitionsvertrag durchgesetzt. Am Tag
darauf konterte CSU-Chef Horst Seehofer, seine Partei habe 13/20 der
FDP-Forderungen abgeschmettert. Finanzminister Wolfgang Schäuble von der CDU
meinte seinerseits, alles stehe unter
Finanzierungsvorbehalt.
Die Kakophonie liess einen wesentlichen Punkt ausser Acht: Das Problem sind
nicht Steuersenkungen. Das deutsche Steuerniveau ist in der globalisierten
Weltwirtschaft zu hoch. Doch auf Pump „finanzierte“ Steuersenkungen sind
nicht nachhaltig. Im Gegenteil. Einige Experten rechneten vor, die ganze
Operation koste am Ende mehr als sie bringe.
Kurzum, der Staat soll sehr wohl die Steuern senken, aber dabei Subventionen
abbauen bzw. schlicht und ergreifend streichen, da diese in der Regel den
Strukturwandel nur hinauszögern und rausgeworfenes Geld darstellen. An
erster Stelle stehen da natürlich die hirnrissigen Agrarsubventionen, die
nach wie vor rund 50% des EU-Budgets auffressen. Doch insbesondere die CSU
protegiert da ihre Bauern als wichtige Wählergruppe.
Unsinnige Aktionen wie die Abwrackprämie für Autos, „Rettungsaktionen“ für
Opel und einen Versandkatalog zeugen von völliger Unkenntnis der Bedeutung
von „sozialer Marktwirtschaft“ à la Ludwig Erhard. Der Haushalt müsste
durchforstet und unsinnige Ausgaben eliminiert bzw. zusammengestrichen
werden. Die Weltfinanzkrise wäre der ideale Moment gewesen, „Blut, harte
Arbeit, Tränen und Schweiss“ (blood, toil, tears and sweat gemäss
Churchill) von den Wählern und Steuerzahlern zu verlangen. Die Gelegenheit
verstrich ungenutzt. Stattdessen übte man sich im erwähnten unsinnigen
Aktionismus.
Klientelpolitik statt Steuer-Gerechtigkeit, -Vereinfachung und
-Transparenz
Die Mehrwertsteuer ist mit oft 19% zu hoch. Ein Abbau darf jedoch nicht
einzelne Branchen bevorzugen. Die Hotellerie mag sich freuen, doch
vermehrter Steuergerechtigkeit kommt Deutschland so nicht näher. Dem
Steuerdschungel bei den Einkommenssteuern wird ebenfalls nicht auf den Leib
gerückt. Steuergerechtigkeit, Steuervereinfachung und Steuertransparenz
wären drei unbedingt zu verfolgende Ziele. Der Koalitionsvertrag bringt
Schwarz-Gelb diesem Ziel nicht wirklich näher.
Der CSU-Populist Horst Seehofer versucht vom Bayern LB-Desaster durch
allerlei Querschüsse abzulenken. Die Mehrwertsteuersenkung für Hoteliers ist
ursprünglich auf dem Mist der CSU-Klientelpolitik gewachsen. Die FDP
ihrerseits belohnte Apotheker und Steuerberater. Eine kohärente
Steuerpolitik sieht anders aus.
Die CSU hat im Bayern LB-Desaster ihre Wirtschaftskompetenz verloren. Auch
ohne die 3,75 Milliarden Euro Verlust wegen der Hypo Group Alpe Adria musste
die CSU-geführte Regierung bereits die Bayern LB mit 10 Milliarden Euro
stützen. Die CDU ihrerseits sieht ebenfalls nicht mehr sehr
wirtschaftskompetent aus, nicht nur wegen der Abwrackprämie und anderer
dubioser Aktionen, sondern zum Beispiel auch wegen dem erlaubten
Zusammenschluss der zweitgrössten mit der drittgrössten deutschen Bank. Es
hat nur noch kaum jemand erkannt, dass in Deutschland - wie in den USA - die
Systemrisiken nach der Krise grösser sind als vorher.
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Vermeidung eines neuen Finanzdesasters, ansonsten hilft auch keine
Steuerreform
Zukünftigen Bankenzusammenbrüchen mit Folgen für
die gesamtdeutsche Wirtschaft muss vorgebeugt werden. Die Banken dürfen
nicht mehr
„too big to fail“ sein. Das heisst, die grössten Banken müssen in
kleinere Einheiten aufgesplittet werden. Zudem dürfen die Banken nicht mehr
untereinander eng verflochten sein. Wenn Banken untergehen, müssen die
Banker mit ihrem Privatvermögen geradestehen, sollten sie gegen Treu und
Glauben verstossen haben, so beispielsweise wenn sie „Junk-Hypotheken“ als
sichere Papiere verkauft haben.
Manager sind nicht Besitzer. Privatunternehmer agieren zumeist umsichtiger,
da sie sonst ihr Lebenswerk gefährden würden. Manager sind eher wie Söldner,
die bei Schwierigkeiten mit goldenen Fallschirmen abspringen und anderswo
unterkommen können. Daher müssen in Zukunft Manager-Löhne und -Boni an die
längerfristige Performance der betroffenen Mitarbeiter gekoppelt werden.
Was hat das alles mit Steuersenkungen zu tun? Werden die erwähnten
Massnahmen nicht ergriffen, könnte beim nächsten Finanzcrash - und der kommt
so sicher wie das Amen in der Kirche - die deutsche Wirtschaft noch härter,
bis zum totalen Kollaps, getroffen werden. Der Staatsbankrott und/oder
massive Steuererhöhungen wären unausweichlich. Dann würde sich so mancher
plötzlich die „gute alte Zeit mit dem Steuerniveau von 2009“ zurückwünschen.
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