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George Mitchell und der Nahe Osten
Hinzugefügt am 8. Oktober 2011
Obamas Sondergesandter für den
Nahen Osten, George Mitchell, trat an 13. Mai 2011 von seinem Amt zurück. Er
und Obama scheiterten, weil die Regierung Netanyahu sich weigerte, den
Siedlungsbau im Westjordanland einzustellen.
Artikel vom 11. Januar 2010
Obwohl ausser der Hamas eigentlich alle Akteure die
Zweistaatlichkeit von Israel und Palästina als Lösung des Nahostkonfliktes
ansehen, hat sich seit einiger Zeit nichts mehr im Friedensprozess bewegt.
Am 6. Januar 2010 hat sich Präsident Obamas Gesandter für den Nahen Osten
George Mitchell im US-Fernsehsender PBS in einem Interview mit
Charlie Rose zur Zukunft der Friedensverhandlungen geäussert.
George Mitchell sagte, dass nach Ansicht der USA die Friedensverhandlungen
zwischen Israeli und Palästinensern nicht länger als zwei Jahre dauern
sollten. Persönlich denke er, dass die Verhandlungen sogar in noch kürzerer
Zeit abgeschlossen werden könnten.
George Mitchell nannte drei Säulen der amerikanischen Friedensstrategie: 1)
Die Parteien zu politischen Verhandlungen bringen, die zu einem
Friedensvertrag führen. 2) Dabei sicher stellen, dass der Friedensvertrag
den Israeli, den Palästinensern und den regionalen Nachbarn Sicherheit
bringt. 3) Wirtschaftswachstum kreieren und institutionelle Anstrengungen
unternehmen, damit der palästinensische Premierminister Fayyad die
Institutionen erhält, um den palästinensischen Staat regieren zu können.
George Mitchell meinte auf PBS zudem, dass der israelische Siedlungsstopp
einen Fortschritt darstelle. Zudem lobte er die Palästinensische
Autonomiebehörde für ihren Einsatz für die Sicherheit (Bekämpfung des
Terrorismus), was auch die Israeli anerkannten.
Den Unterschied zwischen Hamas und Fatah beschrieb George Mitchell wie
folgt:
„Fatah glaubt an friedliche Mittel (non-violence) und
Verhandlungen, Hamas an gewaltsamen Widerstand und die Vernichtung Israels.“
Obamas Gesandter für den Mittelosten sah allerdings die Notwendigkeit, Hamas
und Fatah zusammen zu bringen. Das wird in Verhandlungen unter der Führung
Ägyptens seit einiger Zeit versucht, bisher aber ohne Erfolg.
Bezüglich dem Status von Jerusalem verwies George Mitchell auf das Faktum,
das kein Staat der Welt Israels Anspruch auf Gesamtjerusalem anerkennt. Laut
der UNO Sicherheitsratsresolution 478 gilt Jerusalems Landgesetz von 1980
als Null und Nichtig und als Verletzung internationalen Rechts. Zur Zeit
unterhält kein Staat eine Botschaft in Jerusalem. Da sowohl Israel wie auch
die Palästinenserbehörde Jerusalem als ihre Hauptstadt betrachten, haben die
Friedensverhandlungsführer noch einige Arbeit vor sich.
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Spätestens seit
Israels Gazakrieg (Operation Cast Lead), der das Hamas-Regime
nicht beendete, aber viel Porzellan zerschlug und Leben zerstörte, ist der
Friedensprozess mehr oder weniger zum Erliegen gekommen. Die
Regierung Netanjahu hat immerhin erkannt, dass eine positive Entwicklung
im von der Fatah regierten Westjordanland im Interesse Israels ist. Doch in
Gaza hat sich nichts verändert.
Gleichzeitig treibt Israel entgegen den Erklärungen seiner Regierung und
entgegen der obigen Aussage von George Mitchell den Siedlungsbau in Israel
nicht gehörenden Territorien fort. Hillary Clinton machte die Sache mit
ihrem Lob gegen Ende 2009 für die Anstrengungen der Regierung Netanjahu in
der Siedlerfrage nicht besser. Sowohl Präsident Obama wie auch
Aussenministerin Clinton hatten sich zuvor mit Forderungen nach einem
kategorischen Siedlungsstopp der Israeli hervorgetan. Davon blieb Ende Jahr
nichts mehr übrig. Der palästinensische Präsident Abbas musste sich
verschaukelt vorkommen.
Der am 9. Januar 2005 für vier Jahre gewählte Mahmud Abbas zog Konsequenzen
auf seine Art. Er kündigte an, er stehe für die Wiederwahl zum Präsidenten
der Palästinensischen Autonomie behörte nicht zur Verfügung. Das sorgte
weltweit für Schlagzeilen. Ob absolut ernst gemeint oder rein taktisch
bedingt, die Entscheidung von Abbas war ein Weckruf für alle am
Friedensprozess Beteiligten.
Am 16. Dezember 2009 schliesslich entschied die PLO, die
Präsidentschaftswahl in Palästina zu verschieben und das Mandat von
Präsident Abbas bis zu Neuwahlen zu verlängern. Seit Mandat würde am 25.
Januar 2010 ablaufen. Natürlich stiess die von der Fatah dominierte PLO mit
ihrer Entscheidung bei den Vertretern von Hamas auf strikte Ablehnung.
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Das von Abbas verursachte Rauschen im Blätterwald und auf internationaler
Ebene führte immerhin dazu, dass sich nun einige Politiker bewusst werden,
dass Abbas bereits 74 ist und nicht ewig als Verhandlungspartner zur
Verfügung steht.
Mahmud Abbas und sein Premierminister Salam Fayyad (*1952) sind die ersten
Palästinenserführer, denen man vertrauen konnte. Doch die Gunst der Stunde
wurde bisher nicht für ein Friedensabkommen genutzt.
Salam Fayyad ist zwar wesentlich jünger als Abbas, doch ist er weder
Mitglied von Fatah noch von Hamas. Ihm fehlt daher bis heute die notwendige
Machtbasis, um in die Fussstapfen von Abbas zu treten zu können, obwohl fast
alle Beobachter dem Finanzspezialisten die notwendige Kompetenz
bescheinigen.
Der am meisten genannte mögliche Nachfolger für Abbas ist Marwan Barghuthi
(*1959). Doch da er wegen Mord und Terrorismus in einem israelischen
Gefängnis eine fünffache lebenslange Freiheitsstrafe absitzt, sind seine
Chancen zur Zeit begrenzt. Könnte er der palästinensische Nelson Mandela
werden?
Die Israeli und der Westen müssen in jedem Fall erkennen, dass ohne einen.
Staat Palästina kein Frieden einkehren wird. Daran werden auch Mauern und
Zäune nichts ändern.
Die Ägypter und Israeli riegeln Gaza ab, um Terroristen-, Waffen-, Drogen-,
Menschen- und sonstigen Schmuggel zu unterbinden. Doch dies ist reine
Symptombekämpfung. Wichtiger wäre ein erfolgreicher Abschluss der
Friedensverhandlungen.
Die Palästinenser der Fatah müssen ihrerseits erkennen, dass sie in ihren
eigenen Reihen aufräumen müssen. Unter Abbas wurden Korruption und
Misswirtschaft nicht energisch genug betrieben und die Partei nicht
entschlossen erneuert. So ist ein erneuter Sieg der Hamas bei den nächsten
Wahlen nicht auszuschliessen.
Die Hamas ihrerseits will immer noch nicht wahrhaben, dass es ohne die
Anerkennung des Existenzrechts Israels keinen Frieden geben kann. Laut NZZ wurden in den letzen acht Jahren rund 10,000 Granaten und
Raketen vom Gazastreifen aus in Richtung Israel abgeschossen. Dass sich dies
der mächtige Nachbar Israel nicht gefallen lassen kann, sollte eigentlich auch der
Hamas-Führung klar sein.
Ägypten wiederum profitiert jährlich von amerikanischer Hilfe in
Milliardenhöhe. Doch wer sich als Tourist in Assuan und Gizeh nur wenige
Meter von den altägyptischen Ruinen entfernt umschaut, findet bitterste
Armut und eine fehlende Infrastruktur. Sanitäre Anlagen und sauberes Wasser
fehlen. Strassen und Kanäle sind schrecklich verschmutzt, während dem es
sich die korrupte und unfähige Elite um Präsident Mubarak gut gehen lassen.
Bei solchen Zuständen muss sich niemand wundern, wenn Terroristen,
Extremisten und Fundamentalisten viel zu grossen Zulauf finden.
Die hier beschriebene Situation ist allen Beteiligten längst bekannt. Nur
Konsequenzen ziehen will niemand. Die Lage scheint unter Kontrolle. 2009
starb in Israel kein Mensch bei Selbstmordattentaten. Doch zwischen 2000 und
2008 mussten 540 Israeli bei solchen Terrorakten sterben. Frieden,
Kooperation und Wirtschaftswachstum für alle im Nahen Osten sind die besten
Mittel, um eine Rückkehr zu solch barbarischen Zuständen zu vermeiden.
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