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Merkel in der Haushaltsdebatte
Artikel vom 20. Januar 2010
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte heute eine
schwierige Aufgabe. Sie musste angesichts der Neuverschuldung von 85
Milliarden Euro im Bundeshaushalt 2010 und angesichts des erbärmlichen
Erscheinungsbildes ihrer
Koalition Schwarz-Gelb im Parlament vor laufenden Kameras vor dem Volk
verteidigen.
Die Kanzlerin verwies auf den Rückgang der Wirtschaftsleistung um 5%. Wer da
den Zusammenhang mit der Neuverschuldung nicht sehe, solle erst gar nicht an
der Debatte teilnehmen. Doch da Frau Merkel zuvor Steuersenkungen auf Pump
durchgesetzt hat, ist ihre Wirtschaftskompetenz ebenfalls inexistent.
Insbesondere wenn man noch weiter zurückblickt, so auf die Erhöhung der
Mehrwertsteuer zu Beginn der grossen Koalition, die
„Rettung“ von Opel, die Abwrackprämie und das CSU-Desaster mit der
Bayerischen Landesbank, dann graust einem vor weiteren vier Jahren
Merkel-Gewurstel.
Das Faktum, dass das Personal der Opposition noch erbärmlicher ist, bedeutet
kein Persilschein für Angela Merkel. Durchschnitt ist einfach nicht gut
genug. In ihrer Rede verwies sie zurecht auf die Rot-Grüne Regierung, die es
schon lange vor der Krise dreimal nicht schaffte, die Maastricht Kriterien
nicht zu erfüllen. Doch seit Frau Merkel die CDU führt, hat ihre Partei an
Zuspruch verloren. Einige Wahlen hat sie schlichtweg vergeigt, bei der
letzten Bundestagswahl wurde sie nur dadurch gerettet, dass Steinmeier und
seine SPD noch erbärmlicher abschnitten. Merkel muss weg!
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In der Haushaltsdebatte im Bundestag meinte die Kanzlerin, bis 2013 solle
die Wirtschaft wieder auf dem Vorkrisenniveau sein. Deutschland müsse
stärker aus der Krise rauskommen, als das Land war, als es in die Krise
reinging.
Als Mittel zur Überwindung der Krise nannte sie die uralten, aber immerhin
richtigen Prinzipien von Freiheit in Selbstverantwortung, das Erneuern der
Wirtschaftskraft durch nachhaltiges Wachstum, das bis heute allerdings
weniger überzeugende Wachstumsbeschleunigungsgesetz, mit dem laut der
Kanzlerin prozyklische Effekte abgeschafft würden und die Gewerbesteuer
wieder zum fliessen gebracht werde.
Die Erbschaftsteuerreform nannte Frau Merkel als einen weiteren Meilenstein,
da Familienunternehmen das Rückgrat der Wirtschaft bildeten. Die Entlastung
für Familien sei ebenfalls der richtige Weg.
Richtigerweise verwies die Kanzlerin auf das Ziel der Regierungskoalition,
die Ausgaben für Bildung und Forschung auf 10% der Staatsausgaben zu
erhöhen. Dafür sehe sie zusätzliche 12 Milliarden Euro im Jahr 2010 vor.
Neues Denken sei gefragt. Gleichzeitig müsse Deutschland aber eine starke
Exportnation bleiben. Die Regierung setze weiter auf Kredit- und
Bürgschaftsprogramme, um Investitionen zu ermöglichen. Als leistungsfähige
deutsche Exportbranchen nannte die Kanzlerin die Chemie, die Autoindustrie,
die Medizin- und Verkehrstechnik.
Um den Industriestandort Deutschland zu erhalten, erwähnte die Kanzlerin in
ihrer Rede im Bundestag die Notwendigkeit, weiter Energie aus Kohle zu
produzieren. Deshalb setzt sie auf moderne Kohlekraftwerke. Gleichzeitig
erneuerte sie ihre Absicht, die international vereinbarte Reduktion der
CO2-Emissionen in Deutschland durchzuziehen. Alle Weltgegenden müssten
allerdings mitziehen. Das klang allerdings wie der
Finanzierungsvorbehalt für weitere Steuerreduktionen. Dass China und Indien
da freudig mitmachen werden, wird sich als Illusion erweisen, Merkels
Gelöbnis war folglich heisse Luft. Sie hätte stattdessen eine radikale
Reduktion aller Subventionen ankündigen sollen. Mit einem Teil der
Einsparungen könnte der Staat Grundlagenforschung betreiben, um neue
Energiequellen zu erschliessen und umweltfreundlichere Produkte
herzustellen.
Bezüglich der Steuern betonte Angela Merkel, anders als die SPD halte die
Union ihre Wahlversprechen ein und setze ihre Wahlprogramme um. Die
Schuldenbremse gelte als Leitplanke. Wachstum und solide Finanzen seien das
Ziel ihrer Regierung. Doch gerate hier hat die Kanzlerin völlig versagt mit
der Rekordverschuldung, dem Steuersenken auf Pump, dem fehlenden
Gesamtkonzept.
Freiheit ohne Verantwortung habe zur Finanzkrise geführt. Die Banken seien
nach wie vor zu verflochten. Es brauche eine weltweite Exitstrategie. Doch
Angela Merkel war an der Macht, als die zweitgrösste die drittgrösste
Deutsche Bank übernahm.
Sie wolle keine Zweiklassenmedizin, betonte die Bundeskanzlerin. Bezüglich
der vom hessischen Ministerpräsident angestossenen Arbeitspflicht für
Hartz-IV-Empfänger meinte sie, die rechtlichen Rahmenbedingungen, was die
Notwendigkeit der Arbeitsaufnahme betreffe, seien eindeutig ausreichend. Wer
eine zumutbare Arbeit nicht annehme, habe bereits heute Sanktionen zu
befürchten. Doch Hartz-IV muss überarbeitet oder gar ersetzt werden.
Immerhin meinte sie im Bundestag, die Bundesregierung wolle in der ersten
Jahreshälfte die Zuverdienstmöglichkeiten neu regeln.
Die Kanzlerin trug ihre Rede sicher vor. Doch viel Substanz hatte sie nicht
zu bieten. Der Eindruck eines fehlenden, überzeugenden Gesamtkonzepts
bleibt. Frau Homburger von der FDP bot in ihrer Haushaltsrede einen
Lösungsansatz: Der Staat hat (selbst in der Krise) kein Einnahmen-, sondern
ein Ausgabenproblem.
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