|
Strache, Scheuch und Bucher
Die populistische Rechte in
Österreich im Umbruch
Hinzugefügt am 16. Januar 2010 um 16 Uhr 01
Das FPK steht definitiv - mit
Uwe Scheuch an der Spitze
Das Kärntner BZÖ hat sich nun
definitiv zur FPK gewandelt. Uwe Scheuch konnte sich nicht nur als neuer
FPK-Parteichef (ohne Gegenkandidat) klar mit 311 von insgesamt 345
Delegiertenstimmen durchsetzen. Der Kärntner Landeshauptmann Dörfler warb
für Scheuch. Die Orangen in Kärnten kehren (weitgehend) in den Schoss der
Blauen von der FPÖ zurück. BZÖ-Chef Josef Bucher, der sich nicht durchsetzen
konnte, betonte in seiner Parteitagsrede, dass es das BZÖ weiterhin geben
werde, auch in Kärnten. Allerdings dürfte die Entscheidung in Klagenfurt
bedeuten, dass das BZÖ dem Niedergang entgegen geht, FPÖ/FPK hingegen bei
der nächsten Nationalratswahl über 20% kommen werden.
Hinzugefügt am 14. Januar 2010
Gegen FPK-Chef
Uwe Scheuch wurde am 13. Januar 2010 im österreichischen News Magazin
der Vorwurf der Korruption erhoben. Ein Tonmitschnitt soll beweisen, dass
Scheuch 2009 einem russischen Investor im Gegenzug zu einer Parteispende
verbunden mit Investitionen in Kärnten versprach, ihm die österreichische
Staatsbürgerschaft zu verschaffen. Sollte sich der Vorwurf erhärten, könnte
der Zusammenschluss von FPÖ und FPK platzen und die Karriere von Scheuch
vorbei sein. Das Rest-BZÖ wehrt sich
dagegen, in die Affäre verwickelt zu sein. Die Staatsanwaltschaft untersucht
den Fall.
Hinzugefügt am 11. Januar 2010
Der FPK-Parteivorstand hat Uwe
Scheuch zum alleinigen Kandidaten für die Parteispitze nominiert. Vom BZÖ
wurde kein Gegenkandidat gemeldet. Allerdings könnte ein Gegenkandidat noch
direkt am Parteitag aufgestellt werden.
Artikel vom 8. Januar 2010
Die populistische Rechte in Österreich ist wieder einmal
im Umbruch. Auf einem Parteikongress will die FPK/Die Freiheitlichen in
Kärnten, das ehemalige Kärntner-BZÖ, darüber entscheiden, ob es sich
definitiv zurück in die arme der FPÖ begeben will, von dem es sich einst
unter Jörg Haider (1950-2008) abgespalten hatte.
Der Rechtspopulist Haider war 2005 dabei, die Kontrolle über die von ihm zur
bedeutenden Partei hochgebrachte FPÖ zu verlieren. Da schuf er halt über
Nacht das BZÖ. Nach seinem Unfalltod im Oktober 2008
(Don't drink and drive!;
Österreich ein Jahr nach Haiders Tod) stritten
sich nicht nur FPÖ und BZÖ, sondern auch die Leute innerhalb des
„orangenen“ BZÖ-Lagers über den zukünftigen Kurs.
Bei den letzten Wahlen war das BZÖ nur noch in seiner traditionellen
Hochburg Kärnten von Bedeutung. Im Rest Österreichs übernahm die FPÖ die
Führerschaft im rechtspopulistischen Lager. Der neue starke Mann der
populistischen Rechten heisst längst Heinz-Christian Strache (*1969). Der
FPÖ-Chef, einst ein Zögling von Jörg Haider, ehe er ihm den Rang ablief,
scheint ein noch fähiger Populist als sein einstiger Ziehvater zu sein. Er
fischt noch ungenierter als Jörg Haider am rechten Rand. Doch verwandelte er
die FPÖ entgegen ersten Eindrücken nicht in eine Ein-Thema-Partei. Er hat
von Haider gelernt und macht überall Opposition, wo es politisch Gewinn
verspricht.
In Kärnten, wo die FPÖ, seit der Abspaltung 2005 das BZÖ, den Regierungschef
stellt, regiert seit dem Tod von Jörg Haider ein gewisser Gerhard Dörfler
(*1950). Er war einst Haiders Mann im Kampf gegen die Einführung der
zweisprachigen Ortstafeln in Kärnten, entgegen einer Entscheidung des
Verfassungsgerichts, die allerdings auch nicht unbedingt als der Weisheit
letzter Schluss angesehen werden konnte. Neben den Ortstafeln betätigten
sich Haider und in seiner Nachfolge Dörfler auch auf anderen Gebieten in
populistischer Weise, so beim jährlichen Bargeld-Verteilen in feudaler
Manier. Wo drückt einem ein Landesvater noch eigenhändig Geldnoten in die
Hand?
Daneben schlug die Pleite der Hypo Group Alpe Adria, bei der des BZÖ keine
gute Figur machte, wie eine Bombe ein. Allerdings bis heute weniger in
Kärntner - wobei eine Untersuchung unter anderem wegen illegaler
Parteienfinanzierung noch Neues bringen könnte. Noch Jörg Haider konnte die
Pleitebank an die Bayerische Landesbank zu einem überrissenen Preis
verkaufen. Das bekam der CSU nicht gut. Denn nicht nur in Kärnten, sondern
auch in Bayern wurde über staatliche kontrollierte Banken Politik gemacht.
Stoiber, Beckstein und Huber, die erste Garde der CSU, versagten dabei
vollständig. Die Kärntner unter den Haider-Nachfolgern konnten den Supergau
für ihr Bundesland abwenden. Zuletzt wurde die Hypo Group Alpe Adria zu
einem symbolischen Euro „zurückgekauft“, wobei die Bayern noch 825 Millionen
Euro nachschieben mussten. Die Bank wurde verstaatlicht, und zwar von der
österreichischen Bundesregierung. Die Kärntner waren fein raus und sofort
geriet die rechtspopulistische Szene wieder in Bewegung.
Der Kärntner BZÖ-Chef Uwe Scheuch (*1969) kündigte zusammen mit dem
FPÖ-Bundesvorsitzenden Strache die Rückkehr der Kärntner-BZÖ in den Schoss
der FPÖ an. Die Idee ist eine Lösung à la CDU/CSU. Das Kärntner BZÖ soll zur
FPK/Die Freiheitlichen in Kärnten werden. Im Nationalrat in Wien könnte das
FPK eine eigene Fraktion bilden, was auch mehr Geld bringen würde. Seit der
Nationalratswahl 2008 sitzen zwar genügend BZÖ-Leute im Parlament in Wien,
um eine Fraktion zu bilden, doch nicht alle Kärntner Abgeordneten sind zum
Schritt ins FPK bereit. Der Traum von der Fraktion muss also vorerst
begraben werden. Dennoch wollen Scheuch und Strache die Fusion durchziehen.
Ohne die Kärntner dürfte der Niedergang des BZÖ nur noch eine Frage der Zeit
bzw. der nächsten Nationalratswahl sein. Die FPÖ hingegen dürfte locker über
die 20%-Marke springen.
Alle Aktionen bei Amazon.de.
Josef Bucher (*1965), der Chef des BZÖ auf
gesamtösterreichischer Ebene, kündigte nach dem Tod von Jörg Haider eine
Transformation seiner Partei in Richtung Liberalismus nach dem Vorbild der
deutschen FDP an. Bucher konnte man das noch halbwegs abnehmen, doch seine
Mitstreiter innerhalb des BZÖ, die nun auch nicht zum FPK wechseln wollen,
sind zum Teil xenophobe Populisten, die Strache ideologisch näher stehen als
dem versprochenen neuen Bucher-Kurs. Zu ihnen gehören die nicht besonders
frequentablen Herren Ewald Stadler und Peter Westenthaler. Das Vorhaben von
Josef Bucher, das BZÖ in eine Art FDP umwandeln zu können, scheint daher im
Voraus zum Scheitern verurteilt zu sein. Sollte das FPK kommen und die
Kärntner-BZÖ-Basis weitgehend der neuen Partei ihre Unterstützung geben,
dürften die Tage des österreichischen BZÖ als ernstzunehmende Partei, also
als möglicher Koalitionspartner auf Bundesebene, gezählt sein.
Uwe Scheuch hat die Neuorientierung des BZÖ in Richtung
Wirtschaftsliberalismus von Anfang an bekämpft. Im Oktober 2009 sagte er
schliesslich einem solchen Programm des
„echten“ Liberalismus nicht mehr als 5% bis 10% der Wählerstimmen in
Österreich voraus. Da wollte er dem Rechtspopulismus lieber treu bleiben.
Insofern macht der Neuanschluss des BZÖ an die FPÖ durchaus Sinn, auch wenn
der ÖVP-Bundesvorsitzende, Finanzminister und Vizekanzler Josef Pröll
(*1968) eine Koalition mit der FPÖ auf Bundesebene zur Zeit kategorisch
ausschliesst. Nach der nächsten Nationalratswahl könnten die Karten radikal
neu gemischt werden und SPÖ wie ÖVP um die FPÖ buhlen. Es bleibt abzuwarten,
ob sich Heinz-Christian Strache, anders als sein einstiges Vorbild Jörg
Haider, zu einem integrationsfähigen, konstruktiven Politiker wandeln kann.
Vorerst kommt es am 16. Januar 2010 zu einem Parteikongress in Klagenfurt,
bei dem die Kärntner-BZÖ-Delegierten definitiv über die Schaffung des FPK und
die Rückkehr in die Arme der FPÖ zu entscheiden haben. Einziger Kandidat für
die Spitze des FPK ist zur Zeit Uwe Scheuch. Josef Bucher hat nun zwar die
Möglichkeit einer Kampfkandidatur angekündigt, allerdings noch keine Namen
genannt. Zudem verlangt er eine Urabstimmung aller BZÖ-Mitglieder in Kärnten
zur Schaffung der FPK. Dazu erhielt er die Unterstützung von Haiders Witwe,
die es allerdings mit niemandem politisch verscherzen und sich auf keinen
Kandidaten festlegen will.
Derweil profiliert sich HC Strache politisch weiter. Seine politische Heimat
ist Wien, und da sind viele orthodoxe Wähler zu Hause. Da verwundert es
nicht, dass der begnadete Populist den orthodoxen Serben und Russen ein
frohes Weihnachtsfest wünschte, dass diese laut dem julianischen Kalender am
7. Januar 2010 feierten. HC Strache, der sich sonst eher mit
ausländerfeindlichen Parolen zu profilieren versucht, bescheinigte dabei den
orthodoxen Kirchen, ein
„wichtiger Teil der europäischen Kultur zu sein“. Der treuherzige
Heinz-Christian inszeniert sich seit einiger Zeit als wahrer Bewahrer der
christlichen Werte in Österreich.
Zuletzt sollten wir nicht vergessen, dass Kanzler Werner Faymann (*1960) von
der SPÖ ebenfalls populistischen Reflexen nicht abgeneigt ist. Seine
ausgezeichneten Beziehungen zu Hans Dichand, dem Herausgeber des
Boulevard-Blattes Kronen Zeitung sind bestens bekannt. Die mit einer
Auflage von rund einer Million Exemplaren erscheinende Krone, bei
einer österreichischen Gesamtbevölkerung von zirka acht Millionen Menschen,
stellt eine politische Macht ersten Ranges dar. Im Juni 2008 veröffentlichte
Faymann zusammen mit dem damaligen
Kanzler Gusenbauer (SPÖ) einen offenen Brief an Hans Dichand, und zwar
in dessen Kronen Zeitung. Darin verlangten die zwei Sozialdemokraten
in radikaler Abkehr vom damaligen SPÖ-Europa-Kurs plötzlich eine
Volksabstimmung über den Vertrag von Lissabon. Die Befragung der Bevölkerung
an und für sich ist nicht unbedingt schlecht, doch eine solche politische
Kehrtwendung in einem offenen Brief in einer Boulevard-Zeitung kundzutun,
ist schlechter Stil und gefährlicher Populismus.
Österreich und insbesondere die populistische Rechte dort werden also auch
in Zukunft genügend Material für Artikel liefern. Es gilt nach wie vor: Die
Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst...
|

Eine angeblich objektive Biographie von Heinz-Christian Strache, die der
Schreibende allerdings noch nicht gelesen hat: Nina Horaczek, Claudia
Reiterer: HC Strache. Sein Aufstieg. Seine Hintermänner. Seine Feinde.
Ueberreuter Verlag, 2009, 255 S. Biografie bestellen bei
Amazon.de.
|