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Wahlen in NRW
CDU und Jürgen Rüttgers
verlieren die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen
Hinzugefügt am 10. Mai 2010 um 10 Uhr 10
Das vorläufige amtliche
Endergebnis für NRW sieht wie folgt aus:
CDU 34,6% (-10,2%) und 67 Sitze
SPD 34,5% (-2,6%) und 67 Sitze
Grüne 12,1% (+5,9%) und 23 Sitze
FDP 6,7% (+0,5%) und 13 Sitze
Linke 5,6% (+2,5%) und 11 Sitze
Andere 6,5% (+3,9%) und keine Sitze.
Damit sind Rot-Rot-Grün bzw. eine Grosse Koalition von CDU und SPD die
wahrscheinlichsten Lösungen. Noch hat der abgestrafte Jürgen Rüttgers seinen
Rücktritt nicht erklärt. Der NRW-Landesvorstand hat laut Presseberichten das
Rücktrittsangebot von Rüttgers zurückgewiesen. Doch er ist nicht zu halten.
Einer Grossen Koalition unter seiner Führung kann die SPD nicht zustimmen,
ohne unglaubwürdig zu werden.
Artikel vom 9. Mai 2010, hinzugefügt um 20 Uhr 20
Zur Zeit liegen erst
Hochrechnungen zur NRW-Landtagswahl vom 9. Mai 2010 vor. Laut Infratest
dimap von 19 Uhr 55 gewinnt die SPD 34,4% und 67 Sitze, die CDU 34,6% und 67
Sitze, die Grünen 12,2% und 24 Sitze, die FDP 6,8% und 13 Sitze, Die Linke
5,4% und 10 Sitze. Auf weitere Parteien entfallen 6,6%. Die Wahlbeteiligung
lag bei 59%, also ganze 4% tiefer als 2005.
Die grosse Verliererin ist die CDU mit einem Minus von 10,2%. Die SPD
verliert erneut, diesmal 2,7%. Die Grünen sind die grossen Sieger mit
einem Plus von 6%. Die FDP gewinnt mit 0,6% leicht hinzu. Die Linke schafft
mit einem Plus von 2,3% erstmals den Sprung ins Landesparlament in
Nordrhein-Westfalen. Die anderen Parteien gewinnen zusammen 4% hinzu.
Da es 91 Mandate zur Mehrheit im Düsseldorfer Landtag mit 181 Sitzen
braucht, reicht es definitiv nicht mehr für Schwarz-Gelb. Schwarz-Grün hätte
gerade genügend Mandate. Knapp reichte es ebenfalls für SPD und Grüne mit 91
Sitzen. Doch dies wären Wackelkoalition. In jedem Fall käme jedoch
Rot-Rot-Grün auf eine stabile Mehrheit. Die einzige realistische Alternative
wäre eine Grosse Koalition. Jürgen Rüttgers ist eigentlich nicht mehr zu
halten. Tritt er zurück, könnte der Weg zu Rot-Schwarz oder Schwarz-Rot doch
noch frei werden.
Noch vor nicht allzu langer Zeit galt Jürgen Rüttgers als
(fast) sicherer zukünftiger Wahlsieger in Nordrhein-Westfalen. Doch dann stolperte
er über ein fragwürdiges, aber legales Sponsoring: Zugang zum
Ministerpräsidenten bei einer Spende an die CDU. Hinzu kam der Vorwurf der
verdeckten Parteinfinanzierung über eine überparteilich auftretenden
Kommunikationsagentur. Die Hinweise darauf kamen aus den eigenen
Reihen. Rüttgers arbeitete am Rande zur Korruption und hatte die eigenen
Leute nicht mehr unter Kontrolle. So lassen sich Wahlen nicht gewinnen.
Die Wahlen in NRW sind bedeutend, da hier rund 18 Millionen Menschen leben.
Im bevölkerungsreichsten Bundesland sind rund 13,3 Millionen wahlberechtigte
Bürger über 18
zuhause. Von hier gingen schon mehrfach Schockwellen durch die deutsche
Politik, zuletzt 2005, als Rot-Grün hier vom Wähler die Rote Karte gezeigt
bekam, woraufhin Kanzler Schröder vorgezogene Neuwahlen ansetzte und so
die
Macht verlor.
Die SPD war noch 1990 eine Macht in NRW, denn damals reichte es noch für
knapp 50% der Stimmen (49,98%, um genau zu sein). Bei der Landtagswahl 2005
holten die Sozialdemokraten nur noch 37,1%. Damit fuhren sie das
schlechteste Wahlergebnis nach 1954 ein (damals stimmten 34,5% für die SPD).
Die Latte lag für Hannelore Kraft also äusserst tief. Mit 34,4% würde sie
laut Hochrechnungen noch schlechter abschneiden als bei der letzten Wahl.
Das Geschrei vom Wahlsieg vernebelt daher die Sachlage: Die SPD verliert
weiter.
Die 2005 gebildete Regierungskoalition von Jürgen Rüttgers (CDU 44,8%) und
Andreas Pinkwart (FDP 6,2) litt einerseits unter dem bundespolitischen
Desaster der bisher unfähigen und unglücklichen Koalition.
Die griechische Finanzkrise,
bei welcher der deutsche Steuerzahler wie schon bei der Subprime- und
Bankenkrise zur Kasse gebeten wird, wenn Griechenland, wie erwartet, nicht
alle Schulden zurückzahlen kann, wirft einen weiteren dunklen
bundespolitischen Schatten auf Schwarz-Gelb.
Landespolitisch fällt Rüttgers' Sponsoring- und
Spendenaffäre direkt auf den Ministerpräsidenten zurück, der mit einem Minus
von rund 10% regelrecht abgestraft wurde. Die Landespolitik stand zudem mit
der Reform des Bildungssystems zur Debatte. Die CDU will am dreigliedrigen
Schulsystem festhalten, während dem SPD, Grüne und Linke sich für Einheits-
oder Gemeinschaftsschulen einsetzen. Bei
den Linksparteien herrscht ohnehin auf vielen Politikfeldern grosse
Übereinstimmung, abgesehen von der Kohle. Hannelore Kraft bezeichnet sich
als „Kohletante“, die am umwelt- und wirtschaftspolitisch unsinnigen
subventionierten Kohlebergbau in NRW festhalten will.
Wie dies die Grünen mit einer allfälligen Rot-Grünen-Koalition vereinbaren
wollen, steht in den Sternen. Zugleich lebt der Kampf gegen die Atomkraft
wieder auf.
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Was will Hannelore Kraft in NRW? Wird sie die
Ypsilanti Nordrhein-Westfalens? Wahrscheinlich wäre ihr nach Rot-Grün
eine Rot-Schwarze oder Schwarz-Rote Koalition noch am liebsten. Dennoch wäre
sie wohl gegenüber Rot-Rot-Grün nicht abgeneigt, wenn dies die einzige
Möglichzeit zum Sprung in die Regierung wäre.
Gregor Gysi und Oskar Lafontaine taten alles, um Die Linke in
Nordrhein-Westfalen zum ersten Mal ins Parlament zu bringen, was ihnen auch
gelang. Doch das Personal der Linken in NRW ist alles andere als
regierungsfähig. Kippt die Republik wegen ein bisschen (oder ein bisschen
viel) Krise wieder nach Links, anstatt sich zu den längst überfälligen
liberalen Reformen aufzuraffen?
Der sich als
„soziales Gewissen der CDU“ gerierende Landesvater Jürgen Rüttgers hat
in NRW nicht viel gerissen, auch wenn es in Düsseldorf kein Schwarz-Gelbes
Gezerre wie in Berlin gab. Das Abtreten des Reform-Verhinderers Rüttgers ist
auf personeller Ebene kein grosser Verlust. Auf der machtpolitischen
Bundesebene jedoch bedeuteten Rot-Grün bzw. Rot-Rot-Grün ein verheerendes
Signal: Union und FDP verlören die Mehrheit im Bundesrat. Reformen würden
noch schwieriger. Die ohnehin schon zaudernde Kanzlerin würde noch
„sozialdemokratischer“ regieren bzw. weiterhin an Ort treten.
Das Ende von Schwarz-Gelb bei den Wahlen in NRW wirft einen
düsteren Schatten auf die Bundespolitik. Werden sich Christdemokraten und
Liberale nun zusammen reissen, um gemeinsam den Koalitionswagen aus dem
bundespolitischen Dreck zu ziehen?
Kanzlerin Merkel und Aussenminister Westerwelle machen bisher eine
miserable Figur. Eigentlich sollten beide Politiker von ihren Parteien in
die Wüste geschickt werden.
Auf Bundesebene scheint sich Guido Westerwelle noch immer nicht im klaren
darüber zu sein, wie sehr er der liberalen Sache bisher geschadet hat. Als
Aussenminister hat er das Unmögliche geschafft: Anstatt sich wie üblich auf
diesem Posten zum beliebtesten, hat er sich zum unbeliebtesten deutschen
Spitzenpolitiker entwickelt. Liberalismus wird nun - nicht nur wegen der
Finanzkrise - mit Abzockertum und dem Verfolgen von Partikularinteressen
verbunden. Bravo Guido! Doch Deutschland braucht eben gerade mehr
Liberalismus bzw.
Ordoliberalismus im Sinne von Ludwig Erhard.
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