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Wulff ist Bundespräsident
Hinzugefügt am 30. Juni 2010 um 21:32
Christian Wulff verwies in seiner
Rede zur Annahme der Wahl darauf hin, dass er drei Anläufe und 9 Jahre
gebraucht habe, um Ministerpräsident in Niedersachsen zu werden. Die drei
Wahlgänge zur Wahl zum Bundespräsidenten nehmen sich dagegen als
bescheidener Hürdenlauf aus.
Hinzugefügt am 30. Juni 2010 um 21:24
Christian Wulff ist vom Amt des
Ministerpräsidenten in Niedersachsen zurückgetreten und hat die Wahl
angenommen.
Artikel vom 30. Juni 2010 um 21:15
Mit 625 Stimmen ist Christian
Wulff im dritten Wahlgang zum neuen
Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt worden.
Auf Joachim Gauck entfielen 494 Stimmen. Im Gegensatz zum ersten und zweiten
Wahlgang, in dem die absolute Mehrheit der Stimmen notwendig war, genügte im
dritten Wahlgang die relative Mehrheit der Delegierten in der
Bundesversammlung. Die Regierungskoalition gewährte Wulff im dritten
Wahlgang dann doch noch die Ehre der absoluten Mehrheit aller Stimmen.
Es dauerte ganze drei Wahlgänge, ehe Christian Wulff als
neuer Bundespräsident feststand, obwohl die Koalition von CDU, CSU und FDP
ganze 644 von 1244 Wahlmännern und -frauen
„kontrollierte“. Der Unmut über die eigenen Parteiführer, scheinbar vor
allem über Kanzlerin Merkel, schien zu gross. Zudem sahen und sehen einige
Bürgerliche in Gauck den besseren Mann.
Vor dem dritten und entscheidenden Wahlgang zog die Fernsehjournalistin,
Soziologin und Politikerin der Linken, Lukrezia „Luc“ Jochimsen, ihre
Kandidatur zurück. Dennoch konnte Joachim Gauck, der Kandidat von SPD und
Grünen, nicht auf die Stimmen der Linken setzten, denn die
Linke-Fraktionsspitze gab zwar die Stimmabgabe frei, doch Gregor Gysi selbst
rechnete vor dem dritten Wahlgang damit, dass sich die meisten Delegierten
der Linken der Stimme enthalten würden. Zu gross war und ist die Abneigung
gegenüber dem ehemaligen Chef der Gauck-Behörde, der sich couragiert um die
Aufarbeitung der Schattenseiten der DDR-Diktatur verdient gemacht hat. Wäre
die Linke im ersten Wahlgang über ihren Schatten gesprungen, hiesse der
Bundespräsident Joachim Gauck und nicht Christian Wulff. Die Linke verpasste
es so, der Kanzlerin und der Bundesregierung einen noch grösseren Denkzettel
zu verpassen, der gar die unumstrittene Führungsposition der Kanzlerin in
Gefahr gebracht hätte.
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In der 1244 Mitglieder umfassenden Bundesversammlung besassen CDU, CSU und
FDP mit 644 Stimmen die Mehrheit. Die SPD entsandte 333 Wahlleute, die
Grünen 129, Die Linke 124 und andere Parteien insgesamt 14 Delegierte. Zwei
SPD-Abgeordnete blieben der Wahl wegen Krankheit und aus persönlichen
Gründen fern.
Im ersten Wahlgang kam Christian Wulff auf 600 Stimmen, Joachim Gauck auf
499, Luc Jochimsen auf 126 und der Kandidat der rechtsextremen NPD, Frank
Rennicke auf 3. Zur Wahl wäre die absolute Mehrheit der Stimmen in der
Bundesversammlung, also 623, nötig gewesen. Hätten Die Linke und ihre zwei
Sympathisanten aus anderen Lagern statt Luc Jochimsens ihre 126 Stimmen
geschlossen Joachim Gauck gegeben, wäre die Sensation im ersten Wahlgang
perfekt gewesen. Ja, die 124 Stimmen der Linken alleine hätten schon zur
absoluten Mehrheit von 623 Stimmen gereicht.
Im zweiten Wahlgang erhielt Christian Wulff die Unterstützung von 615
Delegierten der Bundesversammlung, Joachim Gauck 490, Luc Jochimsen 123 und
Frank Rennicke erneut 3. Dies bedeutete, dass noch immer 29 Delegierte der
Regierungskoalition dem offiziellen Kandidaten von CDU, CSU und FDP ihre
Stimme erneut verweigerten.
Die Spitzen der Bundesregierung haben sich die Peinlichkeit von drei
Wahlgängen bei klarer eigener Mehrheit selbst eingebracht. Hätten sie nach
der Bekanntgabe der Nomination von Joachim Gauck durch SPD und Grüne die
Stimmfreigabe verkündet, hätten sie nur gewinnen können. Allen Beteiligten
war und ist klar, dass Joachim Gauck für Konservative und Liberale wählbar
ist und viel eher ihr Kandidat ist als derjenige von Rot-Grün. So aber wurde
die Bundespräsidentenwahl zu einem Test für die Parteidisziplin innerhalb
der Regierungskoalition. Nach der jetzigen Deutung werden die drei
Wahlresultate als Denkzettel für Kanzlerin Merkel gedeutet, die geschwächt
aus der Wahl herauskommt, obwohl dem Amt des Bundespräsidenten fast nur
symbolische Bedeutung zukommt.
Ebenfalls erstaunt, dass sich Christian Wulff, der einzige verbleibende
Rivale von Angela Merkel mit einer Chance auf die Kanzlerschaft, sich für
das repräsentative Amt des Bundespräsidenten bereit erklärte. Dies erstaunt
umso mehr, als einige Tage lang die beliebte Ursula von der Leyen in der
Öffentlichkeit als Kandidatin der Regierungskoalition und insbesondere der
Kanzlerin gehandelt wurde. Merkel liess von der Leyen scheinbar im Glauben,
sie sei die Kandidatin, selbst als sie sich bereits für Wulff entschieden
hat. Von der Leyen soll davon erst aus der Presse erfahren haben. Von der
Leyen hatte schon Jahre zuvor angedeutet, sie interessiere sich für das
höchste deutsche Staatsamt. Pikant ist der Gang der Dinge, weil Frau von der
Leyen zuvor von Christian Wulff in Niedersachsen gefördert worden war.
Frau Merkel scheint bewusst viel Porzellan zerschlagen zu haben. Wofür? Um
den möglichen Rivalen Wulff auszuschalten? Je nach der Konstellation
innerhalb der CDU/CSU könnte neben dem jungen und dynamischen Minister
Guttenberg Frau von der Leyen ebenfalls zur Rivalin aufsteigen. Frau Merkel
sollte aus ihrer eigenen Geschichte als Drachentöterin von Kohl und Schäuble
wissen, wie schnell es gehen kann. Die Aussenseiterin im Kampf ums
Kanzleramt, Ursula von der Leyen, könnte ihn Zukunft sehr wohl gegen die
Kanzlerin ins Rennen steigen bzw. sich zumindest als Königsmacherin
betätigen. Die glücklose und bisher ziemlich unfähige Kanzlerin Merkel hat
sich vielleicht selbst geschwächt, indem sie sich aller Rivalen entledigt
hat beziehungsweise sich diese insbesondere zuletzt selbst erledigt haben.
Nun steht sie alleine im Wind.
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