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Die Landtagswahl in der Steiermark
Die neue steirische Regierung
Hinzugefügt am 20. Oktober 2010
Die neue Regierung in der
Steiermark steht seit dem 19. Oktober. Franz Voves von der SPÖ bleibt
Landeshauptmann. Ihm zur Seite steht weiterhin Hermann Schützenhöfer von der
ÖVP als Vize-Landeshauptmann. Als gemeinsames Ziel bezeichneten die zwei
Spitzenleute das Erreichen des Nulldefizits bis im Jahr 2013.
Das alte ist das neue Personal. Einzig Manfred Wegscheider (SPÖ) zog auf
Grund des sozialdemokratischen Verlusts eines Regierungsmandats neu an die
Spitze des Landesparlaments, um so Platz für Gerhard Kurzmann von der FPÖ zu
machen. Ansonsten gab es nur leichte Ressortverschiebungen.
Die Regierung besteht aus insgesamt 9 Mitgliedern. Neben dem Landeshauptmann
und seinen zwei Stellvertretern sitzen 6 Landesräte in der Exekutive der
Steiermark. Neben vier SPÖ- und vier ÖVP-Mitgliedern sitzt neu auch ein
FPÖ-Parteimitglied in der nach Proporz besetzten
Landesregierung. Bei
4:4 kann die FPÖ das Zünglein an der Waage spielen kann.
SPÖ: Franz Voves ist der Landeshauptmann, unter anderem zuständig für die
zentrale Verwaltung, die Landes- und Gemeindeentwicklung, die
Landesimmobiliengesellschaft, die Entwicklungszusammenarbeit, den
Katastrophenschutz und den Sport. Siegfried Schrittwieser ist Zweiter
Landeshauptmann-Stellvertreter, zuständig für Soziales und Arbeit sowie
erneuerbare Energie. Landesrätin Bettina Vollath ist zuständig für Finanzen
und Integration. Landesrätin Elisabeth Grossmann kümmert sich um Bildung,
Jugend, Frauen und Familie.
ÖVP: Hermann Schützenhöfer bleibt erster
Landeshauptmann-Stellvertreter, zuständig für Personal, Tourismus,
Volkskultur sowie, zusammen mit Voves, für die Landes- und
Gemeindeentwicklung. Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder kümmert sich um
Gesundheit und Pflege sowie Wissenschaft und Forschung. Landesrat Johann
Seidlinger ist zuständig für Wohnbau, Land- und Forstwirtschaft, Wasser- und
Abfallwirtschaft sowie den ländlichen Wegebau. Landesrat Christian Buchmann
kümmert sich um Wirtschaft und Innovation, Kultur und Europa.
FPÖ: Landesrat Gerhard Kurzmann wird sich um Verkehr, Technik
und Umwelt kümmern.
Die Landtagswahl in der Steiermark
Artikel vom 27. September 2010 um 14 Uhr 05
Die Landtagswahl in der Steiermark vom 26. September
2010 brachte folgendes vorläufiges Endergebnis (ohne die Briefwahl; 63'000
Wahlkarten wurden ausgesandt und werden erst am 4. Oktober ausgezählt sein,
doch laut dem SORA-Sozialforschungsinstitutsleiter Christoph Hofinger sollte
die SPÖ an der Spitze bleiben):
Die Sozialdemokraten (SPÖ) behaupteten sich 2010 nach 2005 erneut an der
Spitze der Parteienlandschaft der Steiermark mit 38,4% der Stimmen und
voraussichtlich 24 Mandaten (-2), allerdings mit Verlusten von 3,2%
gegenüber 2005 mit den damals herausragenden 41,7%. Der
Landeshauptmann-Bonus von Franz Voves reichte, um der SPÖ zum zweiten Mal in
der Geschichte der Zweiten Republik die Mehrheit im Landtag zu verschaffen.
Zusammen mit dem ehemaligen SPÖ-Finanzminister von 1986 bis 1995, Ferdinand
Lacina, war der steirische Landeshauptmann Franz Voves übrigens vom
Bundeskanzler und SPÖ-Parteichef Werner Faymann beauftragt worden, ein neues
Wirtschaftskonzept für die Sozialdemokraten zu erarbeiten, das im April 2009
unter dem Titel Neue Europäische Wirtschaftspolitik (NEW) veröffentlicht
wurde. Darin enthalten sind Forderungen nach einer höheren Vermögenssteuer
und der Wiederverstaatlichung von privatisierten Betrieben, die ihrem
öffentlichen Auftrag nicht nachkommen, weshalb die NEW als wirtschaftlicher
Linksruck der SPÖ gedeutet wurde.
Dass die SPÖ in der Steiermark so gut Abschnitt ist umso erstaunlicher, als
sich die Kommunisten der KPÖ wie 2005 (mit 6,3%, damals einem plus von 5,3%)
auch 2010 als Partei links von der SPÖ im Landtag halten konnten, wenn auch
nur noch mit 4,4%der Stimmen und voraussichtlich nur noch mit 2 statt 4
Mandaten. Man glaubt es kaum, aber in der Steiermark ist der Kommunismus
noch nicht tot.
Die Volkspartei (ÖVP) konnte mit 37,1% und 22 Mandaten (-2) ihre Verluste
von 2005 (damals -8,4 und nur noch 38,4% der Stimmen) nicht Wettmachen. Im
Gegenteil, die ÖVP verlor 2010 weiter Stimmenanteile, obwohl die
Sonderfaktoren von 2005 nicht mehr galten. Damals machte der Volkspartei der
Wahlkampf des ehemaligen Parteikollegen Gerhard Hirschmann zu schaffen, der
mit seiner
„Liste Hirschmann“ allerdings mit 2,05% am Einzug ins Parlament scheiterte.
Hirschmann arbeitete 2003 und 2004 als Chef im
Vorstand des Landesenergieversorgers EStAG, die schlecht wirtschaftete.
Hirschmann attackierte die EStAG wegen Bilanzfälschung, Verschwendung,
Privilegien und Freunderlwirtschaft. Der Rechnungshof bestätige Missstände,
doch strafrechtlich blieb nichts Relevantes übrig. Das Verfahren wurde 2006
in Graz
eingestellt. 2005 machte der ÖVP zudem
das Scheitern eines
Motorsportprojektes am Österreichring und
der Rechnungshofbericht zum Tierpark Herberstein zu
schaffen. Die Leiterin des Tierparks, Andrea Herberstein, war eine gute
Freundin der damaligen Frau Landeshauptmann Waltraud Klasnic von der ÖVP.
Der Tierpark hatte über die Jahre Millionen vom Land Steiermark erhalten.
Der damals einige Zeit für den Tourismus zuständige Landesrat Hirschmann
sagte 2005 dem Falter, ihm sei
„diese Dame [Frau Hirschmann] damals dermassen auf die Nerven gegangen“
durch ihre regelmässigen Besuche in seinem Büro, bisweilen „bewaffnet mit
der Frau Landeshauptmann“. Trotz dem Wegfall dieser Sonderfaktoren von 2005 reichte
es der ÖVP 2010 nicht, Terrain zurückzugewinnen. Einst besass die
Volkspartei in der Steiermark gar eine absolute Mehrheit der Stimmen.
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Die Freiheitlichen (FPÖ) legten 2010 von 4,6% (2005) auf
10,8% massiv zu. Die FPÖ schaffte damit nicht nur nach dem Desaster von 2005
mit neu 6 Sitzen (+6) wieder den Einzug in den Landtag, sondern wird in der
nach Proporz besetzten Landesregierung einen Sitz erhalten. Da die SPÖ
gegenüber 2005 einen Sitz in der Regierung verliert (von 5 auf 4) und die
ÖVP mit 4 Sitzen gleichbleibt, bildet der eine Sitz der FPÖ das Zünglein an
der Waage. Die FPÖ hatte sich mit einem antimuslimischen
Online-Computerspiel
„Moschee ba ba“ (übersetzt in etwa „Tschüss Moschee“)
im Wahlkampf bemerkbar gemacht. Dabei mussten Muezzine abgeschossen werden.
Der steirische FPÖ-Chef Gerhard Kurzmann meinte dazu:
„Die Leute verstehen die Signale“. Der Wähler hat den
fremdenfeindlichen und antiislamischen Wahlkampf an der Urne goutiert.
Kurzmann hat sein Wahlziel von „10% plus x“ erreicht. Doch die Hetzkampagne
gegen Muslime hat dazu geführt, dass der Nationalrat vor wenigen Tagen
Kurzmanns Immunität aufgehoben hat und die Staatsanwaltschaft wegen
Verhetzung gegen ihn ermittelt. Die Grünen hatten Anzeige erstattet. Als
neues Thema kann sich Kurzmann übrigens ein generelles Bettelverbot in
Graz
vorstellen. Dass die falschverstandene „Toleranz“ gegenüber Bettlern dort zu
einem lukrativen „Bettel-Business“ geführt hat, konnte der Schreibende 2003
selbst feststellen. In diesem Punkt könnte die FPÖ für einmal richtig
liegen. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie sie das Thema angeht und
allenfalls als Regierungspartei durchsetzt.
Die direkte Konkurrenz der FPÖ im rechten Lager, das BZÖ, schaffte es mit 3%
nicht in den Landtag. Die 56 Landtagsabgeordneten werden in vier Wahlkreisen
ermittelt, wobei das Erreichen eines Grundmandates in einem der Wahlkreise
als Bedingung für den Einzug ins Parlament gilt. Nur dann werden die Stimmen
der anderen Wahlkreise im Reststimmenverfahren berücksichtigt. Es gibt in
der Steiermark also keine Prozenthürde. Das BZÖ schaffte es also nicht, auch
nur ein Grundmandat zu gewinnen, auch wenn das miserable Resultat von 2005
mit peinlichen 1,7% verbessert werden konnte.
Die Grünen waren 2005 auf 4,7% und 3 Mandate gekommen. 2010 reichte es der
„grünen Alternative“ zu 5,3% und voraussichtlich erneut 3 Mandaten.
Die Grünen mussten im April 2010 den unplanmässigen Abgang ihres
Spitzenkandidaten Jörg-Martin Willnauer verkraften, der aus persönlichen
Gründen überraschend zurückgetreten war. Der für ihn an der
Landesversammlung der steirischen Grünen mit 93,5% gewählte neue
Spitzenkandidat Werner Kogler konnte sein Wahlziel bei weitem nicht
erreichen. Die Grünen sind nicht stark genug geworden, um wie gewollt
mehrheitsbildend wirken zu können. Diese Position fällt wie erwähnt den
Rechtspopulisten der FPÖ zu.
Die FPÖ sieht sich denn auch generell im Aufwind und bläst zum Sturm auf
Wien bei den Landtags- und Gemeinderatswahlen vom 10. Oktober 2010. Die
Wahlbeteiligung in der Steiermark lag ohne die Wahlkarten bei mageren 64,2%.
Sie dürfte mit den Briefstimmen auf rund 69% steigen, doch liegt sie
deutlich unter den 76,2% von 2005. 2010 handelt es sich in der Steiermark um
die klar niedrigste Wahlbeteiligung der Zweiten Republik. Protestpotential
ist also vorhanden. Das Wiener Wahlergebnis wird zeigen, wie stark die
Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien in der österreichischen
Hauptstadt ist.
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