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Berlusconi verliert das
Misstrauensvotum im Abgeordnetenhaus wegen drei Stimmen nicht
Hinzugefügt am 16. Dezember 2010 um 11:27
Die FLI-Abgeordneten Silvano
Moffa (der sich beim Misstrauensvotum der Stimme enthalten hatte)
sowie Giampiero Catone,
Catia Polidori und Maria Grazia Siliquini (die alle drei Berlusconis
Regierung unterstützten hatten) haben alle definitiv Finis-Partei FLI verlassen und gehören nun zur gemischten Fraktion
(parteilos).
Während dem haben sich FLI, UDC, API, LIBDEM, Republikaner und Liberale zu
einem neuen dritten Pol des politischen Zentrums zusammengeschlossen. Das
heisst Fini, Casini und andere Moderate wollen in Zukunft definitiv
zusammenarbeiten.
Hinzugefügt am 15. Dezember 2010 um 09:04
Der von den Auslanditalienern in
der Schweiz ins italienische Abgeordnetenhaus gewählte Antonio Razzi gehört
ebenfalls zu den unerwarteten Unterstützern der Regierung Berlusconi.
Antonio Razzi wurde für die Partei Italia dei Valori (IDV) des ehemaligen
Mani-Pulite-Staatsanwaltes Antonio di Pietro ins Parlament gewählt. Di
Pietro ist seit vielen Jahren der Erzfeind von Berlusconi (eine
empfehlenswerte Lektüre, nicht nur zu dieser Feindschaft, ist
Aexander Stille: Citizen Berlusconi.
Bestellen
bei
Amazon.de.). Da wirkt es umso befremdlicher, wenn Razzi von der
Opposition zur Regierung überläuft. Im Dezember hatte Razzi die Partei IDV
verlassen und sich Noi Sud angeschlossen.
Hinzugefügt am 14. Dezember 2010 um 15:45
Catia Polidori (FLI) hatte noch
am 2. Dezember gesagt, sie werde der Regierung Berlusconi nicht das
Vertrauen aussprechen. Am 14. Dezember hat sie es dann doch getan (ihre
Webseite wird gerade gewartet und ist nicht erreichbar).
Maria Grazia Siliquini (FLI) erklärte ihren Sinneswandel damit, dass seit
dem 29. September, als sie der Regierung ebenfalls das Vertrauen aussprach,
sich nichts verändert haben. Sie kündigte ihre Rückkehr in den Schoss der
Berlusconi-Partei PDL an.
Silvano Moffa (FLI) hatte sich bereits am 12. Dezember von Fini distanziert.
Hinzugefügt am 14. Dezember 2010 um 14:31
Entscheidend für den Sieg der
Regierung Berlusconi waren die Stimmen von drei ehemals Linken sowie von
Abgeordneten von Gianfranco Finis FLI, die sich hinter die Regierung
stellten oder sich der Stimme enthielten.
Massimo Calearo (im linken PD bis 2009, dann wohl wegen dem neuen Chef Pier
Luigi Bersani weg, danach im Gruppo Misto, also parteilos), Domenico
Scilipoti aus Sizilien (einst Italia dei Valori von Antonio Di Pietro, im
Dezember 2010 dann neu im Gruppo Misto, also parteilos) und Bruno Cesario
(bis 2009 im PD, dann wohl wegen Pier Luigi Bersani weg vom PD und neu zu
API von Francesco Rutelli) haben alle drei für die Regierung Berlusconi
gestimmt. Die erwähnten Cesario, Caleari und Scilipoti haben am 9. Dezember
2010 das Movimento di Responsabilità Nazionale gegründet.
Ebenso wichtig war Silvano Moffa (von Finis FLI), der im Abgeordnetenhaus
präsent war, aber nicht abgestimmt hat. Antonio Gaglione (ehemals PD, jetzt
bei der Partei Noi Sud) war nicht im Palazzo Montecitorio, hat also
ebenfalls nicht abgestimmt. Catia Polidori und Maria Grazia Siliquini von
Finis FLI haben der Regierung das Vertrauen ausgesprochen.
Gianfranco Fini konnte seine Truppe der Abtrünnigen von der
Berlusconi-Partei PDL nicht zusammenhalten. Die hauchdünne Mehrheit ist
allerdings ebenfalls kein solider Vertrauensbeweis für die Regierung von
Silvio Berlusconi.
314 zu 311 für die Regierung
Berlusconi
Artikel vom 14. Dezember 2010 um 13:52
316 der 630 Stimmen im Abgeordnetenhaus brauchte Silvio
Berlusconi, um das Misstrauensvotum zu überstehen. Im Vorfeld hatten 5 von
Gianfranco Finis 36 FLI-Parlamentariern ihrem Chef geraten, der Regierung
doch das Vertrauen auszusprechen.
Es war viel von
„Stimmenkauf“
die Rede. Der Milliardär Berlusconi musste dazu allerdings nicht unbedingt
Geld in die Waagschale werfen, sondern einfach nur Posten in der nächsten Regierung, einen
sicheren Listenplatz bei den nächsten Wahlen oder Aufträge von
Staatsunternehmen oder von Berlusconis eigenen Unternehmen versprechen.
Gerüchte von Summen von €500,000
pro Stimme wurden allerdings auch herumgereicht.
Wie dem auch sei, am 14. Dezember 2010 haben sich 314
Parlamentarier für die Regierung Berlusconi, 311 dagegen ausgesprochen. Das
Theater kann weitergehen!
Vor der Abstimmung gaben die einzelnen politischen Gruppierungen ihre letzte
Voten ab.
Laut Giovanni Pistorio der MPA wollten die drei Abgeordneten seiner
Autonomistenpartei der Regierung Berlusconi das Misstrauen aussprechen, da
der Regierungschef die Wähler des Südens verraten habe.
Siegfried Brugger von der Südtiroler Volkspartei sagte, er werde sich der
Stimme enthalten.
Im Senat überstand Berlusconi wie bereits
gemeldet und erwartet ein Misstrauensvotum.
Um 11:08 war bereits klar, dass Berlusconi das Vertrauen mit 162 gegen 135
Stimmen gewonnen hatte, bei 11 Enthaltungen. Unter den Ja-Stimmen waren
übrigens auch vier unerwartete gewesen: Antonio Fosson, Union Valdotain;
Riccardo Villari, Gruppo Misto; Sebastiano Burgaretta, MPA; Salvatore
Cuffaro, UDC. Sebastiano Burgaretto wurde wegen seiner Unterstützung für die
Regierung Berlusconi sofort nach der Abstimmung aus der Partei MPA
ausgeschlossen.
Zum Misstrauensvotum im Abgeordnetenhaus wurden drei hochschwangere Damen
der Opposition von FLI und PD zum Teil mit Ambulanz und im Rollstuhl
gebracht.
Um 12 Uhr warf der ehemalige Sozialist (PSI) Fabrizio Cicchitto, inzwischen
ein Mitglied von Berlusconis PDL, im Abgeordnetenhaus dem Präsidenten der
Grossen Kammer, Gianfranco Fini, vor, mit dem Misstrauensvotum die
schlimmste Linke Europas wieder ins Spiel zu bringen. Doch Cicchitto vergass
die Taten von Berlusconi zu
erwähnen. Der Regierungschef amüsierte sich nicht nur regelmässig mit
Prostituierten, obwohl er zuvor beteuert hatte, er habe nie für Sex bezahlt,
sondern vor allem intervenierte er telefonisch bei der Polizei mit falschen
Angaben, damit eine seiner Freundinnen frei kam.
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