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Das Misstrauensvotum in Italien
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Hinzugefügt am 14.12.2010 um 14:35:
Berlusconi verliert Misstrauensvotum im
Abgeordentenhaus wegen drei Stimmen nicht.
Artikel vom 14. Dezember 2010, hinzugefügt um 11:40, aufdatiert um 12:46
Der Senat hat soeben wie erwartet der italienischen Regierung das Vertrauen
mit 162 zu 135 Stimmen ausgesprochen Die Abstimmung im Senat hatte
Berlusconi denn auch selbst beantragt.
In der Abgeordnetenkammer (Camera) im Palazzo Montecitorio, in dem Berlusconi nicht mehr über eine
Mehrheit verfügt, soll die Misstrauensabstimmung um 14:00 beginnen. Im Senat
(Senato) im Palazzo Madama, in dem Berlusconi nach wie vor über eine
Mehrheit verfügt, wird sich die von Gianfranco Fini geführte Partei FLI der
Stimme enthalten. Im Senat ist die Regierung nicht in Gefahr. Ein
Misstrauensvotum hat hier keine Chance.
Drei schwangere Abgeordnete, alle drei von der Opposition (zwei von Finis
FLI, eine des sozialdemokratischen PD), werden anwesend sein und der
Regierung Berlusconi das Misstrauen aussprechen. Viele Beobachter sehen
diese drei Stimmen als ausschlaggebend an. Die Krankenstube des
Abgeordnetenhauses bereitet sich deshalb auf alle Eventualitäten vor. Eine
Geburt in der Camera beim Sturz Berlusconis, das wäre eine Liveübertragung!
Gestern, am 13. Dezember, brachten die verschiedenen Parteien im Senat
nochmals alle ihre Argumente vor. Regierungschef Silvio Berlusconi meinte,
Kritik sei möglich, doch der Regierung das Misstrauen aussprechen nicht. Man
könne den Wählerwillen nicht verraten und sich mit der Linken alliieren.
Berlusconi sagte, die Justizreform - mit der er sich wieder einmal vor der
Justiz schützen möchte - sei bereit und werde dem Parlament nach den
Vertrauensabstimmungen präsentiert werden.
Berlusconis letzter wichtiger Alliierter, Umberto Bossi von der
populistischen Lega Nord bezeichnete die Rede des Regierungschefs als
ausgezeichnet und ausgewogen. Er meinte allerdings auch, mit einer Mehrheit
von lediglich einer Stimme lasse sich nicht regieren bzw. mit einer weiteren
gewonnen Abstimmung lasse sich nicht regieren.
Senator Giampiero D'Alia von der zentristischen UDC meinte zu Berlusconis
Vortrag, viele Versprechungen, die nirgendwohin führten. Francesco Rutelli
von der zentristischen API sagte, die Reformisten und Moderaten könnten sich
im Appell von Berlusconi nicht wiederfinden, da der Bipolarismus das Land
zertrümmert und zerstört habe.
Gianpiero Catone von Finis FLI hingegen meinte, er werde für die Regierung
stimmen, jedoch nicht in Berlusconis PDL zurückkehren. Pier Ferdinando
Casini der zentristischen UDC sagte, um glaubwürdig zu sein, müsste Silvio
Berlusconi vor der Misstrauensabstimmung im Abgeordnetenhaus von seinem Amt
zurücktreten.
Antonio di Pietro, der Führer der oppositionellen IDV, sagte, er habe der
Römer Staatsanwaltschaft Informationen (Fakten, Umstände, Namen) zum
Stimmenkauf im Parlament übergeben. Seit Tagen zirkulieren Gerüchte über
Stimmenkauf.
Der italienische Aussenminister Franco Frattini von
Berlusconis PDL meinte, die Sozialdemokraten der PD, die IDV, FLI und UDC
seien gegen ihre politische Natur vereint. Sie stellten keine Mehrheit dar.
Was sie teile sei grösser als das, was sie eine.
Anna Finocchiaro von der oppositionellen Partei PD sagte im Palazzo Madama,
die Eitelkeit, Arroganz, Überheblichkeit und Propaganda von Berlusconi seien
immer noch die gleichen. Die Krise seiner Führung und seiner Mehrheit sei
immer tiefer und offensichtlicher.
Am 13. Dezember um 16:51 meldete die Repubblica, alle 35
Parlamentarier von Gianfranco Finis FLI hätten sich darauf geeinigt, sich im
Senat der Stimme zu enthalten, um Berlusconi danach, vor der Abstimmung im
Abgeordnetenhaus, zum Rücktritt aufzufordern. Die FLI-Mitglieder würden in
der Camera geschlossen gegen die Regierung stimmen.
Berlusconi meinte am 13. Dezember allen Ernstes, er sei Europas beliebtester
Regierungschef. Der Premierminister äusserte auch, er werde nicht
zurücktreten, sich keinem Diktat fügen.
Am 14. Dezember, kurz vor 10 Uhr, kündigten die drei Senatoren der kleinen
MPA an, sie würden nicht für
Berlusconi stimmen, der die Wähler im Süden verraten habe. Die MPA war 2008
ein Koalitionspartner von Berlusconis Popolo della Libertà und Bossis Lega
Nord. Am 15. November 2010 reichte des MPA-Regierungsmitglied Giuseppe Reina
seinen Rücktritt ein. Damals verliessen auch Finis Männer das sinkende
Regierungsschiff.
Das Trauerspiel um Silvio Berlusconi ist in erster Linie eine Schande für
die politische Rechte, die es in sechzehn Jahren nicht fertig gebracht hat,
eine alternative Führungspersönlichkeit zum grössenwahnsinnigen Cavaliere
hervorzubringen. Stattdessen stellt sich die Rechte immer wieder hinter den
gleichen dubiosen Geschäftmann mit seinen unzähligen Interessenkonflikten.
Die Linke ihrerseits zeigt sich ausserstande, eine tragfähige Alternative zu
bilden. Als sie mit dem Wirtschaftsprofessor Romano Prodi einen
glaubwürdigen Führer hatte, der zweimal an der Spitze der Regierung stand,
wurde er zweimal von
„Heckenschützen“ aus den eigenen Reihen, der politischen Linken, zu Fall
gebracht.
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