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Mubarak am Ende
Hinzugefügt am 12. Februar 2011 um 08:53 italienischer Zeit
Wie gestern in der
englischen Ausgabe gemeldet, ist
Mubarak am 11. Februar um zirka 17 Uhr italienischer Zeit zurückgetreten
oder „zurückgetreten worden“. Das Ende des
„Rais“ nach 18 Tagen der Proteste wurde von seinem Vize Suleiman in nur
wenigen Sekunden verkündet. Suleiman ist der ehemalige Geheimdienstchef und
ein notorischer Folterer. Der Oppositionelle ElBaradei hat zurecht gesagt,
Mubarak und Suleiman seien
„Zwillinge“ und deshalb beide unhaltbar als Figuren des Übergangs.
Wie es weiter geht, ist noch unklar. Im Moment hält das Militär das Zepter
in der Hand. Vor dem Sturz waren sich die Militärführer sichtlich uneinig,
weshalb es zu diesem holperigen Ende von Mubarak kam. Sie müssen freie und
faire Wahlen durchsetzen, wollen sie sich beim Volk nicht auf lange Zeit
diskreditieren. Im Moment herrscht Hoffnung. Wie sich die Opposition
strukturieren wird, ist allerdings noch völlig unklar.
Artikel vom 2. Februar 2011
Die massive Korruption,
Misswirtschaft, steigende Lebensmittelpreise und die gefälschten Wahlen
führten logischerweise zu Protesten in Ägypten. Mubarak ist am Ende.
Allerdings brauchte es zuerst die
„Jasmin-Revolution“ in Tunesien, ehe sich die Bürger auch am Nil auf die
Strasse trauten.
Hosni Mubarak hat zwar am 1. Februar angekündigt, er werde bei der
Präsidentenwahl vom September nicht mehr antreten, doch den Ägyptern ist
dies zurecht zu wenig. Sie fordern das sofortige Ende des diskreditierten
Regimes sowie Neuwahlen. Faule Kompromisse mit dem seit 1981 regierenden
Mubarak werden nicht mehr akzeptiert.
Die Washington Post zitierte Mubarak mit seinen Worten vom November
1981, wenige Wochen, nachdem er an die Macht gekommen war:
„Unser Ziel ist eine Gesellschaft von Gleichgestellten, nicht eine
Gesellschaft von Privilegien und Klassenunterschieden.“ An seinem Ziel ist
der Autokrat erbärmlich gescheitert. Bis zu den Protesten hielt er sich
zuletzt wohl selbst für einen unsterblichen Pharao.
Schon wenige Meter neben weltberühmten Kunststätten in Gizeh, Luxor oder
Assuan stehen Häuser ohne Kanalisation. Menschen hausen in erbärmlichen
Hütten, umgeben von Müll; Ägypten ist das dreckigste Land im Mittelmeerraum,
das ich besucht habe.
Der amerikanische Präsident Obama hatte die Augen beim Wahlbetrug in
Afghanistan und in Ägypten geschlossen, anstatt die Resultate schlicht nicht
anzuerkennen, wie es sich in einer solchen Situation gehört. Doch die USA
schauten bei Alliierten noch selten genauer hin. Die meisten EU-Staaten
taten es ihnen gleich.
Schon 2005 bei der Wiederwahl von Mubarak 2005 gab es Proteste. Frei und
fair waren sie nicht. Das Resultat ein schlechter Witz. Die Parlamentswahlen
im November und Dezember 2010 waren ein einziger, gigantischer Betrug.
Mubaraks Nationaldemokratische Partei gewann rund 80% der Sitze. Nicht nur
die Muslimbrüderschaft, sondern auch Menschenrechtler, Regimekritiker und
allerlei andere Oppositionelle werden seit Jahren drangsaliert,
benachteiligt, zu Wahlen nicht zugelassen, zum Wahlboykott gezwungen und bei
der Auszählung einfach systematisch vergessen. Als der ehemalige Direktor
der Internationalen Atomenergieagentur in Wien, Mohammed el-Baradei, 2010
mutig seinen Anspruch auf die Präsidentschaft 2011 in Ägypten ankündigte,
wurde vom Regime so viel Druck auf ihn ausgeübt, dass er schliesslich sein
Vorhaben aufgab.
Bereits 2003
schrieben wir, es sei nötig, Staaten wir Saudi-Arabien, Jordanien und
Ägypten zu mehr Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und liberalisierten Ökonomen
zu drängen. Präsident George W. Bush selbst sagte in seiner
State of the Union Address 2005, Ägypten können nun den weg zur
Demokratie im Nahen Osten zeigen. Daraus wurde nichts. Dennoch wurde die
Hilfe und Militärhilfe an das Land nicht gekürzt oder mit anderen Mitteln
effektiver Druck auf das Regime ausgeübt. Obama verbreitete in seiner
Kairoer Rede von 2009 viel Weihrauch, doch rausgekommen ist auch bei ihm
nichts. Wie erwähnt, gab es nach den Parlamentswahlen im November und
Dezember 2010 nur milde Kritik am Regime.
Im Juni 2009
verwiesen wir erneut darauf hin, dass einige befreundete Staaten der USA
von korrupten und/oder inkompetenten Führern regiert werden, wobei wir
namentlich auf Ägypten und Saudi-Arabien verwiesen. Der Sturz von Mubarak
war bzw. ist unvermeidlich. Die Frage war und ist nur wann. Revolutionen und
Umstürze lassen sich zeitlich nicht voraussagen.
Mohamed El-Baradei (*1942) ist auch nicht mehr der Jüngste, doch ist er
nicht diskreditiert wie Hosni Mubarak und seine Adlaten. Die Opposition, von
den Muslimbrüdern bis zu Menschenrechtsaktivisten, hat sich einmütig auf ihn
geeinigt. Ob der Übergang zu einer veritablen Demokratie klappt, wird sich
zeigen. Muslimbrüder und Säkulare, Muslime und Kopten müssen sich auf der
Höhe der Aufgabe und einander gegenüber tolerant zeigen.
Weitere Details zum Thema im
englischen Artikel vom 29. Januar 2011. -
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