|
Westerwelle muss gehen
Hinzugefügt am 4. April 2011 um
10:08
Laut Spiegel hat Westerwelle
heute morgen an einer Präsidiumssitzung gesagt, er werde auch als
Vizekanzler zurücktreten. Sein Nachfolger an der Parteispitze solle auch
diese Funktion ausüben.
Hinzugefügt am 3. April 2011 um 18:18
Guido Westerwelle will am
FDP-Bundesparteitag im Mai nicht mehr für das Amt des Parteivorsitzenden
kandidieren. Gleichzeitig will er aber Aussenminister und Vizekanzler
bleiben.
Artikel vom 1. April 2011, hinzugefügt um 10 Uhr 52
Nein, es ist kein Aprilscherz, der FDP-Vorsitzende und
Aussenminister Guido Westerwelle muss gehen. Er hat zwar den Liberalen einen
grossartigen Wahlsieg mitbereitet, doch danach erbärmlich versagt. Er ist
nicht der Alleinschuldige, doch der Fisch stinkt vom Kopf.
Die FDP ist leider nicht nur ein Hort des Liberalismus, sondern auch der
Opportunisten. Dem Schreibenden sind da einige prächtige Exemplare
persönlich bekannt.
Selten hat eine Partei so versagt wie die FDP. CDU und CSU haben allerdings
auch tapfer mitgeholfen. Die Kanzlerin müsste eigentlich auch schon längst
abtreten, doch in der CDU steht sie (noch) ohne ernsthafte Rivalen da.
„Alternativlos“ ist niemand. Doch Merkel und die CDU sind hier nicht das
Thema.
Guido
„der Lautsprecher“ war vor der letzten Bundestagswahl ein guter
Wahlkämpfer. Eine Mehrheit der Deutschen realisierte, dass es so -
Stillstand - nicht weiter gehen kann. Die Grosse Koalition wurde durch die
„Wunschkoalition“ Schwarz-Gelb abgelöst.
In der FDP drängte es danach alle sofort an die Wassertröge der Macht. Die
Parteizentrale war über Nacht verweist. Die Partei de facto ohne Führung.
Alle wichtigen politischen Figuren drängten in die Regierung. Mit dem
Regieren allerdings taten sie sich schwer.
Guido Westerwelle wählte schon einmal das falsche Amt. Aussenminister hat er
nicht gelernt. Er kann es nicht. Der Beginn, mit dem Besuch in Polen und dem
angestrebten besseren Verhältnis zu kleineren Staaten in Europa, war zwar
ein vielversprechender Anfang, doch danach kam nicht mehr viel. Der letzte
peinliche Ausrutscher war die Stimmenthaltung Deutschlands im
UN-Sicherheitsrat, als es darum ging, den widerlichen Diktator Gaddafi in
die Schranken zu weisen.
Guido Westerwelle drängte es aufs internationale Parkett, auf dem er eine
mässige Figur macht. Bis heute ist er den Franzosen ein Rätsel geblieben. Er
hätte das Finanzministerium übernehmen sollen. So hätte er die Ausgaben
aller Minister kontrollieren und die Steuerreform der Regierung erfolgreich
überwachen können.
Der Koalitionsvertrag liess einiges offen und wurde von den Beteiligten
höchst unterschiedlich ausgelegt. Letztendlich zählt nur, dass hinten nichts
raus kam. Die Steuerreform entpuppte sich nicht einmal als Reförmchen,
sondern als plumpes Wahlgeschenk von CSU und FDP an die Hoteliers. Von
Steuervereinfachung, Steuertransparenz und Steuergerechtigkeit kann keine
Rede sein. Den zentralen Punkt ihres Programms hat die FDP nicht umgesetzt.
Ihre politische Daseinsberechtigung ist in Gefahr, wie der Wähler zuletzt in
Baden-Württemberg und
Rheinland-Pfalz unmissverständlich klar gemacht hat.
So kann es weder inhaltlich noch personell weitergehen. Die stellvertretende
Bundesvorsitzende und FDP-Landeschefin in Sachsen-Anhalt, Cornelia Pieper,
hat schon einmal angekündigt, dass sie ihre Spitzenämter aufgeben werde. Sie
werde sich auf ihre Aufgabe als Staatsministerin im Auswärtigen Amt
konzentrieren.
Die FDP-Fraktionschefin im Bundestag, Birgit Homburger, steht ebenfalls in
der Kritik. Sie wird für die Wahlniederlage im FDP-Stammland
Baden-Württemberg verantwortlich gemacht. Sie ist kaum mehr zu halten. In
diesem südlichen Bundesland stellte die FDP 1952-53 gar den
Ministerpräsidenten. Am vergangen Wochenende flog sie aus der Regierung
raus. Birgit Homburger stellt sich nun ebenfalls neu gegen Guido
Westerwelle, weil sie für ihn nicht als
„Bauernopfer“ zur Verfügung stehe. Am Ende werden wohl Homburger und
Westerwelle gehen müssen.
Die Stellvertreterin der bayerischen Landesvorsitzenden
Leutheusser-Schnarrenberger, Renate Will, sagte der Süddeutschen Zeitung,
Westerwelle solle beim Bundesparteitag nicht zur Wiederwahl antreten. Sie
empfahl die Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger als Nachfolgerin,
da diese für
„das breite Spektrum eines ganzheitlichen
Liberalismus“
stehe.
Das FDP-Vorstandsmitglied Jorgo Chatzimarkakis hat auch bereits bezüglich
Guido Westerwelle bemerkt:
„Wer als Parteivorsitzender Schicksalswahlen verliert, muss als
Parteivorsitzender die Konsequenzen ziehen.“
Die Herren Lindner, Bahr und Rösler halten sich noch bedeckt. Noch wagen sie
sich nicht aus der Deckung heraus. Je schneller die FDP den personellen und
inhaltlichen Neuanfang wagt, desto besser. Deutschland braucht nach wie vor
liberale Reformen. Rot-Grün oder Grün-Rot bei den nächsten Bundestagswahlen
sind keine glaubhafte Alternative. Ob sich mit der zaudernden,
mittelmässigen Angela Merkel an der Spitze der Bundesregierung bis zur
nächsten Wahl noch viel bewegt, bleibt allerdings zu bezweifeln.
Alle Aktionen bei Amazon.de.
|
|