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Berlusconi verliert Mailand
Die Kommunalwahlen als ein
weiteres Fanal für den Regierungschef
Hinzugefügt am 30. Mai 2011 um 19:39
Berlusconis Rechte verliert auch Städte
wie Cagliari, Triest und Novara. - Letizia Moratti hatte in Mailand viele
Versprechen abgegeben. So würden Tausende von Arbeitsplätzen entstehen,
billige Wohnungen für Studenten gebaut und die Lager der Roma am Mailänder
Stadtrand geräumt. Die Milliardärsgattin soll €15 Millionen
in ihren Wahlkampf gebuttert haben, während dem sich Giuliano Pisapia mit
einem Bruchteil davon begnügte. Selbst bürgerliche Bankiers und der
ehemaligen Fiat-Präsident Cesare Romiti setzten sich plötzlich für den
Kandidaten der Linken ein. - Berlusconi reiste vor den Wahlen wieder
einmal nach Neapel, wo er wieder einmal ein rasches Ende des Müllchaos'
versprach. Berlusconi meinte bezüglich Mailand, wer links wähle, sei
hirnlos. Es half alles nichts, weder in Mailand noch in Neapel.
Artikel vom 30 Mai 2011 um 19:13
Bei den Kommunalwahlen 2011 hat
Regierungschef Silvio Berlusconi seine Heimatstadt und Hochburg Mailand in
einer Stichwahl verloren.
Seine Kandidatin vom Volk der Freiheit (PDL), die Amtsinhaberin Letizia
Moratti, gewann nur rund 45% der Stimmen. Der Mitte-Links-Kandidat vom
Partito Democratico (PD), Giuliano Pisapia, schaffte es in der
Wirtschaftsmetropole Mailand auf rund 55%. Das kommt einem politischen
Erdbeben gleich.
Silvio Berlusconi hatte sich vor dem zweiten Wahlgang der Kommunalwahlen bei
US-Präsident Barack Obama am G-8-Gipel in Deauville über eine
„Diktatur linker Richter“ beschwert, die in Italien herrsche. Eine neu
ernannte Staatssekretärin trat aus Protest umgehend von ihrem neuen Posten
zurück.
Silvio Berlusconi hatte im Wahlkampf rechtspopulistisch argumentiert, bei
einem Wahlsieg würde der Ex-Kommunist Giuliano Pisapia Mailand
„rote Fahnen schwenkend Zigeunern und Muslimen überlassen.“
Der linke Anwalt Pisapia (*1949) stand als ehemaliges Mitglied des Partito
della Rifondazione Comunista sicher einst auf dem radikalen linken Flügel
des Parteienspektrums. In den 1980er Jahren stand er gar wegen Hilfe für
Extremisten vor Gericht, wurde allerdings freigesprochen. Letizia Moratti
bezeichnete ihn dennoch jemanden, der für den Diebstahl eines Fahrzeuges und
wegen dem Zusammenschlagen eines jungen Mannes verurteilt worden sei. Doch
die Verdrehung der Wahrheit kam bei einem Teil der bürgerlichen Wähler nicht
mehr an. Diese wollten lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne
Ende mit Moratti und Berlusconi.
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Die Sex- und anderen Skandale haben das Image des Regierungschefs nachhaltig
ramponiert. Den Wirtschaftseliten in Mailand gefällt zudem nicht, dass
Silvio Berlusconi das Land nicht reformiert, wirtschaftlich nicht
voranbringt. Italien droht ein Down-Grading von den Rating-Agenturen.
Italiens öffentliche Schuld liegt inzwischen bei rund 120% des BIP.
Im April 2011 stützten sich zwei Schwankende gegenseitig: Silvio Berlusconi
und Nicolas Sarkozy stellten wegen 20,000 Tunesiern kurzerhand Schengen in
Frage, während dem ein Nachbarland ohne Klagen eine halbe Million Flüchtlinge aufnahm. Einfach widerlich.
[Hinzugefügt am 30.5.11 um 21:25: Rund 680,000 Flüchtlinge aus Libyen fanden
in Ägypten Zuflucht].
In Italien sind laut dem nationalen statistischen Amt Istat rund 8,3% der
arbeitsuchenden Menschen ohne Arbeit. Bei den bis 24-Jährigen liegt die
Quote gar bei knapp 29%. Laut NZZ sind dabei rund 20% der Jungen
zwischen 15 und 29 Jahren weder am studieren noch am arbeiten und auch nicht
auf Stellensuche. Sie haben sich einfach aus dem System ausgeklinkt.
In einer makro-TV-Sendung vom Mai 2011 wurde dargelegt, wie
Silvio Berlusconi rund €3 Milliarden bzw. rund 40,000 Stellen
im Kampf gegen die Mafia gestrichen hat. Bei öffentlichen Aufträgen, im
Bauwesen und Betongeschäft, beim Bau der Autobahn Salerno-Reggio Calabria
oder bei der Müllabfuhr in Neapel geht nichts ohne Mafia. In verschiedenen
Regionen Italiens kontrolliert die organisierte Kriminalität grosse Teile
der Wirtschaft im Umfang von Dutzenden von Milliarden Euro, wobei die
Mafia und ihre verschiedenen lokalen und regionalen Organisation längst über
die Grenzen Italiens hinweg in Europa und der ganzen Welt Milliarden
investieren.
Bei Stichwahlen in 88 Städten und Gemeinden sowie einer Reihe von Provinzen
gab es am letzten Mai-Wochende ein Donnerwetter vom Wähler für Silvio
Berlusconi. So auch in der südlichen Grossstadt Neapel, obwohl dort die
Linke seit vielen Jahren mit ihrer Inkompetenz glänzt. Laut Hochrechnungen
gewinnt in Neapel der Kandidat der linken Anti-Korruptionspartei Italien der
Werte (IDV). Der ehemalige Staatsanwalt und seit 2009 Mitglied des
Europäischen Parlaments, Luigi Di Magistris (*1967), siegte mit rund 65% der
Stimmen klar. Er hat sich in seiner bisherigen Laufbahn als Kämpfer gegen
die endemische Korruption in Süditalien einen Namen gemacht. Der
Mitte-Rechts-Kandidat Gianni Lettieri kam auf rund 35% der Stimmen bei der
Stichwahl.
Italienweit gingen bei der zweiten Runde nur rund 60% der Wähler an die
Urnen. Bei der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen waren es noch 68,6% gewesen.
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