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Der Neuanfang der FDP
Artikel vom 23. Mai 2011
Als Liberaler blickt man mit Schaudern nach Deutschland.
Guido Westerwelle hat auf seinem Egotrip die FDP zuerst zu einem
historischen Wahlsieg geführt, um danach in der Regierung als Aussenminister
und Parteiführer zu versagen.
Natürlich war Guido nicht alleine. Auch die anderen Minister können keine
berauschenden Bilanzen vorweisen. Doch der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf
her. Die FDP dürfte noch auf unbestimmte Zeit hinaus als Klientelpartei
verschrien bleiben. Ein Neuanfang der FDP ist daher notwendig, sowohl
personell wie auch inhaltlich.
Personell hat die FDP die Karten neu gemischt, doch nicht konsequent genug.
Alles neu bringt der Mai, doch nicht ganz:
Guido Westerwelle darf weiterhin den
Aussenminister mimen. Zusammen mit der Kanzlerin hat er die unsägliche
Stimmenthaltung im Sicherheitsrat bezüglich Libyen zu verantworten, eine
Peinlichkeit erster Güte. Vor allem aber ist der Aussenminister auf dem
internationalen Parkett und damit in den Medien omnipräsent. Der Wähler wird
so regelmässig an Guido den Dilettanten erinnert. So bleibt der Neuanfang
der FDP halbherzig, ja unglaubwürdig. Wird sich der Aussenminister noch
fangen und endlich wie alle (!) seine Vorgänger in diesem Amt zum
Sympathieträger für die Liberalen werden?
Dass Birgit Homburger den Fraktionsvorsitz abgeben musste, kam nicht
unerwartet. Sie wird von der Substanz her wohl unterschätzt, doch als
Fraktionsvorsitzende war sie öfters am Fernsehen präsent und machte von der
Form her eine erbärmliche Figur. Sie sass schlicht und einfach auf dem
falschen Posten. Zudem konnte sie bei den Landtagswahlen mit ihrem
Landesverband nicht überzeugen. In
Baden-Württemberg wurde die FDP halbiert, schaffte es aber noch knapp in
den Landtag. Doch wegen dem gleichzeitigen Desaster der CDU, flog die FDP
aus der Regierung.
Rainer Brüderle wechselte vom Wirtschaftsministerium an die Spitze der
Fraktion. Immerhin hat er als Minister auf ordnungspolitische Prinzipien
pochend Finanzhilfen an Opel zurecht verhindert. Und siehe da, plötzlich
ging es auch ohne Gelder vom Staat. Doch bei Rainer Brüderle besteht immer
wieder die Gefahr, dass er zu tief ins Glas schaut und danach
unverständliche Interviews gibt. In der letzten Zeit ist er zumindest dem
Schreibenden nicht mehr als weinseliger Liberaler aufgefallen und hat auch
in Talkshows keine zu schlechte Figur gemacht. Doch die FDP schaffte bei der
Landtagswahl in Rheinland-Pfalz nicht einmal mehr den Einzug in den
Landtag, trotz oder wegen Lokalmatador Rainer Brüderle. Vielleicht hätte
Rösler Brüderle durch Solms ersetzen sollen.
Silvana Koch-Mehrin dürften nur
wenige Tränen nachweinen. Plagiat hin oder her, die liberale Vorzeigefrau
ist noch nie durch Substanz und Kompetenz aufgefallen, weder auf
europäischer Parlamentsebene noch in deutschen Talkshows.
Im Bundesjustizministerium sitzt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die
leider seit der Bildung der schwarz-gelben Koalition noch zu wenig von sich
hat hören lassen. Erst beim Machtkampf innerhalb der FDP und dem erzwungenen
Abgang von Guido Westerwelle trat sich stärker an die Öffentlichkeit.
Die neue Truppe - Rösler, Bahr
und Lindner - ist blutjung. Ihr Aufstieg scheint für alle drei einige Jahre
zu früh zu kommen. Hoffentlich bleibt ihnen bis zur nächsten Bundestagswahl
genügend Zeit, sich voll einzuarbeiten und mit Kompetenz und
Durchsetzungsfähigkeit beim Wähler zu punkten. Sie gelten als die grössten
Talente innerhalb der FDP, die sich allerdings noch beweisen müssen. Sollten
sie versagen, sähe es düster für die Liberalen in Deutschland aus. Noch hat
das neue Team nicht Fuss gefasst bzw. in der Wählergunst noch nichts bewegen
können. Nach einer Woche setzte es in
Bremen eine empfindliche Niederlage ab. Der
Einzug in den Landtag wurde klar verpasst.
Immerhin konnte sich Philipp Rösler (*1973) parteiintern durchsetzen und ins
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie wechseln. Nach dem durch
Schäuble leider definitiv besetzten Finanzministerium ist es das für einen
liberalen bestmögliche Ministerium. Hoffentlich kamen nun liberale und
ordnungspolitische Ansätze zum Tragen, die der FDP wieder Auftrieb geben.
Die Staatsfinanzen und die Staatsschulden sind nach wie vor nicht wirklich
unter Kontrolle. Der Steuerdschungel gehört ausgemistet. Gegen Kartelle und
Oligopole muss in Deutschland und in der EU gekämpft werden. Und da gäbe es
noch die Agrarsubventionen, an die sich leider niemand ranwagt. Philipp
Rösler sind ernste Gespräche mit Merkel, Seehofer, Bahr und Aigner ans Herz
zu legen.
Doch die FDP ist nicht alleine. Seit Ende 2008 dilettiert in Bayern
der doppelte Seehofer. Der Populist hat die
Steuersenkungen für die Hoteliers mit zu verantworten. Doch alle reiben sich
nur an der FDP. Vor allem aber steht über allem die Kanzlerin mit ihrer
Richtlinienkompetenz. Sie sieht nur halbwegs akzeptabel aus, weil sie in
Deutschland Leuten wie Seehofer, Westerwelle und Gabriel sowie international
den Herren Berlusconi, Putin, Obama und Sarkozy gegenübersteht, die zumeist
eine noch erbärmlichere Figur abgeben. Merkel ist Mittelmass. Das ist nicht
genug. Wie viele Wahlen darf sie noch vergeigen?
Entgegen den unsäglichen Schnorrern am deutschen Fernsehen brauchen
Deutschland, die EU (Agrarsubventionen!) und die Welt (Doha-Runde) mehr
Liberalismus denn je.
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