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Alfonso Papa und die P4
Italiens Geheimorganisation
zur Erpressung von Politik und Wirtschaft
Artikel vom 20. Juli 2011 von 19:42 Rigaer Zeit/18:42 Römer Zeit; 319 zu neu
293 korrigiert um 19:56
Die grosse Römer Parlamentskammer
hat entschieden: Alfonso Papa muss in Haft
Es vergeht kein Tag, an dem man nicht über üble Vorgänge
in Italien berichten könnte. Da war das Mailänder Gerichtsurteil von Anfang
Juli, bei dem Ministerpräsident Berlusconis Firma Fininvest in zweiter
Instanz für schuldig befunden wurde, 1991 Richter bestochen zu haben, um
gegen Erzfeind Carlo De Benedetti im Kampf um das Verlagshaus Mondadori die
Oberhand zu behalten. Berlusconi bzw. seine Fininvest müssen nun bluten und
€560 Millionen an De Benedetti
zahlen.
Nebenbei erwähnt: 1991 gelang es Carlo De Benedetti wenigstens die Kontrolle über
die Wochenzeitschrift L'Espresso, einige Lokalzeitungen sowie die
Römer Tageszeitung La Repubblica zu gewinnen. La Repubblica
hat sich seither als seriöse
Oppositionszeitung gegen Silvio Berlusconi und dessen Regierung positioniert.
Die Regierungschef steht immer wieder unter Beschuss. Da waren
Italiens Schuldenprobleme, der Fall
„Ruby Rubacuore“, der immer mal wieder aufflammt und noch der Klärung vor
Gericht harrt. Neben den verschiedenen Gerichtsprozessen, die Berlusconi
direkt betreffen, gibt es allerlei Korruptionsfälle zu klären, die das
Umfeld der Regierung und der Regierungsparteien betreffen. Dazu gehört der
Fall von Marco Milanese, in den Minister Giulio Tremonti am Rande verwickelt ist (siehe
das Ende des
Schuldenprobleme-Artikels).
Heute, am 20. Juli 2011, stand in der italienischen Abgeordnetenkammer (Camera) gerade die
Abstimmung im Fall Alfonso Papa an. Der 1970 in Neapel geborene ehemalige
Staatsanwalt und derzeitige Abgeordnete für Berlusconis Partei Volk der
Freiheit wird von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, einer der Gründer der
Geheimorganisation P4 zu sein. Diese soll führende Personen vor allem aus
Politik und Wirtschaft mit der Hilfe von Insiderinformationen erpresst und den P4-Mitgliedern Aufträge und Posten in Staatsunternehmen zugeschanzt
haben.
Silvio Berlusconi warnte seine Koalitionspartner von der Lega Nord
eindringlich vor den Gefahren der Aufhebung der parlamentarischen Immunität
und der Inhaftierung von Alfonso Papa durch die Justizbehörden Neapels.
Berlusconis Parteifreund und Anwalt Niccolò
Ghedini fasste es mit den Worten zusammen: Es würde ein „vernichtender Präzedenzfall“
geschaffen, auf Grund dessen „wir künftig nackt vor neuen
Haftbefehlen“ stünden (Niccolò
Ghedini: „Sarebbe un precedente devastante, saremmo
nudi di fronte a nuove richieste d'arresto“).
Wer will schon nackt vor den Richter treten? Doch vor der Abstimmung
entschied die mit Berlusconi zusammen regierende rechtspopulistische Lega
Nord, sie sei für die Festnahme von Alfonso Papa. Gleichzeitig gab sie ihren
Abgeordneten allerdings Stimmfreigabe im Parlament. Am Abend des 20. Juli
2011 beschloss Italiens Abgeordnetenhaus mit 319 dafür- und 293 dagegen-Stimmen, dass Alfonso Papa
in Haft gehen muss.
Berlusconi wackelt erneut, aber er fällt (noch) nicht.
Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist, als Italiens reichster Mann,
täglich mit Interessenkonflikten konfrontiert. Wie so jemand an die Macht
kommen und sich dort so lange halten konnte, ohne dass jemand an führender
Stelle in der Europäischen Union erkannte, dass diese Situation inkompatibel
mit den demokratischen Regeln in der EU ist, bleibt ein Rätsel. Alle jammern zur Zeit über die Nähe von Blair,
Brown und Cameron zu Rupert Murdoch und dessen Vertreter. In Italien ist
der Medientycoon des Landes gleich selbst der Regierungschef!
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