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Berlusconi will abtreten
...allerdings
erst 2013 bei den Neuwahlen, bei denen er nicht mehr antreten will. Angelino
Alfano soll Premierminister und Gianni Letta Staatspräsident werden.
Artikel vom 8. Juli 2011
Nach der vernichtenden
Niederlage bei den Wahlen in Städten und Gemeinden Ende Mai,
insbesondere in Berlusconis Hochburg Mailand, hat Italiens
Premierminister das Ende seiner Herrschaft angekündigt.
Berlusconi will abtreten. So hat er es dem Journalisten Claudio Tito der
Repubblica in Rom gesagt, und zwar auf dem Weg im „Geheimtunnel“,
der vom Palazzzo Montecitorio zum Palazzo Chigi führt. Dabei gab der
Amtsmüde Premier so einiges von sich.
Als seinen Nachfolger designierte er auch gleich Angelino Alfano (*1970),
den seit dem 1. Juni 2011 neuen Sekretär seiner Partei Popolo della Libertà.
Seit dem 8. Mai 2008 amtet Anglina Alfano als Justizminister in Berlusconis
Kabinett. Dabei machte er vor allem mit dem
„Lodo Alfano“ von sich reden. Das Gesetz sah das Aussetzen von
Gerichtsprozessen gegen die Inhaber der vier höchsten italienischen
Staatsämter für die Dauer ihres Mandates vor. Das hätte natürlich
Premierminister Berlusconi viel Ärger mit der Justiz erspart. Doch im
Oktober 2009 wurde das Gesetz vom italienischen Verfassungsgericht für
ungültig erklärt.
Auch sonst sorgte der von Silvio Berlusconi ganz alleine - ohne Absprache
mit dem Rest seiner Partei - in die Welt gesetzte Nachfolgekandidat Angelino
Alfano bereits früher für negative Schlagzeilen. 2002 meldete La
Repubblica, der aufstrebende Jungpolitiker habe 1996 an der Hochzeit des
Mafiabosses Croce Napoli aus Palma di Montechiaro in der sizilianischen
Provinz Agrigento teilgenommen. Angelino Alfano bestritt zunächst, Croce
Napoli überhaupt zu kennen. Am darauffolgenden Tag konnte er sich dann
allerdings daran erinnern, dass er ein Freund des Bräutigams gewesen und zur
Hochzeitsfeier eingeladen worden sei. Doch sei er ein
„überzeugter und bekennender Mafiagegner seit dem Gymnasium“. Silvio
Berlusconi seinerseits hatte übrigens auf seinem Anwesen in Arcore jahrelang
einen Mafioso angestellt gehabt.
Silvio Berlusconi will übrigens nicht sofort abtreten, sondern nur 2013 bei
den Neuwahlen nicht als Spitzenkandidat wieder antreten. Das soll ein
Jüngerer - eben Angelino Alfano - machen. Der Premier war kategorisch, er
wolle „absolut“ nicht mehr antreten („Assolutamente no“). Mit 77
könne er nicht mehr den Premierminister machen. Da dürften viele erleichtert
aufatmen. Seine Zeit ist ohnehin abgelaufen.
Der Premierminister machte gegenüber Claudio Tito von der
Repubblica auch gleich klar, dass er nicht daran denke, in
den Quirinale zu wechseln. Das oberste Staatsamt sei nichts für ihn. Als
Staatspräsidenten schlug Berlusconi sogleich Gianni Letta vor. Der sei die
richtige Person dafür. Er habe auch ausgezeichnete Beziehungen zu den
Mitte-Links-Parteien (Centrosinistra) und würde auch aus ihren Reihen
Stimmen erhalten. Gianni Letta (*1935) gehört ebenfalls dem Popolo della
Libertà von Silvio Berlusconi an. Mehrfach war er als ranghöchster
Staatssekretär beim Ministerpräsidenten angestellt. In dieser Funktion
arbeitet er seit Mai 2008 auch in Berlusconis viertem Kabinett. Den
ehemaligen Journalisten und Manager bei Berlusconis Fininvest schlug der
grosse Silvio übrigens bereits 2006 bei der Neuwahl des Staatspräsidenten
für das höchste Amt Italiens vor, wobei Gianni Letta jedoch dem
Ex-Kommunisten Giorgio Napolitano unterlag.
Gegenüber Claudio Tito von der
Repubblica verteilte Silvio Berlusconi auch noch Zensuren.
Gianfranco Fini und Pier Ferdinando Casini, seine Rivalen im politischen
Mitte-Rechts-Lager, wenn auch nicht (mehr) in der gleichen Partei, stellte
er als Verlierer dar. Überraschender war schon, wie hart er über seinen
Wirtschafts- und Finanzminister Giulio Tremonti (*1947) urteilte. Der
Wirtschaftsprofessor war bereits in den drei früheren Berlusconi-Regierungen
als Wirtschafts- und Finanzminister eine Stütze Berlusconis. Der Premier
urteilte gnadenlos, Giulio Tremonti halte sich für ein Genie und alle
anderen für Idioten („...lui pensa di essere un genio e crede che tutti
gli altri siano dei cretini“). Zudem sei er als einziger kein
Teamspieler.
Giulio Tremonti hält sich bedeckt, doch wird er von vielen seit
längerer Zeit als möglicher Nachfolger Berlusconis gehandelt. Viel Feind,
viel Ehr...
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