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Die EU rettet Griechenland erneut
Diesmal sollen 109 Milliarden
Euro fliessen
Hinzugefügt am 22.7.2011 um 16:33 in Riga
Der Chef der Deutschen Bank, Josef
Ackermann, sagte dem ZDF, die Banken würden Abschreibungen von 21%
auf griechische Anleihen vornehmen. Laut Spiegel kann die Beteiligung
des Privatsektors bis 2019 etwa 106 Milliarden Euro erreichen. Siehe auch
den
englischen Text des Abschlussdokuments der 17
Euro-Länder vom 21.7.11.
Artikel vom 22. Juli 2011 um 12:06 Rigaer Zeit
Die griechische Tragödie - oder Schmierenkomödie? - geht
weiter. Erneut rettet die EU Griechenland. Oder werden vor allem
die Banken und anderen Geldgeber auf Kosten der europäischen Steuerzahler
gerettet, wie schon beim ersten Paket vom
Mai 2010 angemerkt?
Natürlich musste etwas geschehen, um Griechenland aus der Schulden- und
Zinsfalle zu helfen. Dass ein Schuldenschnitt, eine Schuldenstreckung, eine
Zinssenkung, eine andere radikale
Massnahme oder eine Kombination von solchen kommen musste, war bereits 2010 klar. Für Griechenland gab und
gibt es keine einfache Lösung.
Mai 2010 war ein schlechter Scherz, der die Märkte nicht überzeugen
konnte. Wie steht es mit Juli 2011?
Nach den €110 Milliarden von 2010 sollen nun laut
einer Entscheidung am Euro-Gipfel der beteiligten 17 Staats- und
Regierungschefs nochmals
€109 Milliarden nach Athen fliessen.
Griechenland soll so bis 2020 vom Kapitalmarkt genommen werden. Durch den
Zinssatz von 3,5% auf den neuen Hilfsgeldern wird Griechenland in letzter
Instanz von den europäischen Steuerzahlern subventioniert. Am Markt müsste
das Land weit über 15% an Zinsen bezahlen. Wird hier gutes Geld schlechtem
nachgeworfen? Zinsen sollten eigentlich die Kreditwürdigkeit eines Landes,
das Risiko einer Anlage wiederspiegeln. Da Griechenland moralisch und
finanziell Pleite ist, mussten kreative Wege gefunden werden. Ein
Schuldenschnitt war schon 2010 nötig. Deutschland, die Niederlande und die
anderen Beteiligten, die auf eine Beteiligung des Privatsektors pochten,
haben recht. Doch was bedeutet die Lösung mit einer
scheinbar noch immer „freiwilligen“
Beteiligung der privaten Gläubiger?
Mehrere Modelle werden den Gläubigern
angeboten. Um einen de facto Abschlag um die 50% der Schulden wird man nicht
herumkommen, soll das Resultat glaubwürdig sein. Danach sieht es zumindest
nach einigen Kommentaren, die von 20% schreiben, nicht aus. Natürlich kann dieses Resultat auf unterschiedliche Weise
angepeilt werden. So sollen die Gläubiger bei der jetzigen Lösung ihre alten
Forderungen gegen neue Schuldpapiere umtauschen, die längere Laufzeiten (30
Jahre oder 15 Jahre) haben, weniger Zins bringen, aber mehr Sicherheit mit
Hilfe des Rettungsfonds EFSF bieten.
Die Banken sollen alleine bis 2014 einen Beitrag von €37 Milliarden
leisten.
Zudem sollen die privaten Gläubiger €12,6 Milliarden dadurch
beisteuern, dass sie alte Griechenlandanleihen mit Abschlag an den EFSF
verkaufen. Banken, die unter Druck kommen, weil Griechenland von den
Ratingagenturen als (teilweise) zahlungsunfähig eingestuft werden könnte,
soll unter die Arme gegriffen. Die Banken sollen notfalls (mit
Steuergeldern) rekapitalisiert werden.
Werden die Märkte, das heisst nervöse Anleger, in Panik geraten und so die
Krise noch verstärkt werden? Die Märkte werden bald die Antwort geben.
Vieles ist in den Marktpreisen für Anleihen bereits eskomptiert, das heisst
eingerechnet. Vorsorglich werden die Kompetenzen des EFSF erweitert. Der
Rettungsfonds darf Euroländern als Vorsichtsmassnahme Kreditlinien zur
Verfügung stellen. Insbesondere Portugal und Irland sollen ebenfalls bessere
Kreditbedingungen (3,5% Zins und 15 statt 7.5 Jahre Laufzeit) eingeräumt
werden. Doch viele Details sind noch ungeklärt. Nicht einmal die Grösse des
EFSF - Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, schon alleine den Namen
muss man sich auf der Zunge zergehen lassen - wurde neu definiert. Kommt die
Rückbesinnung auf die Maastricht-Kriterien? Werden nun einfach
Privatschulden vom Steuerzahler abgesichert?
Der Reformdruck auf die Krisenländern muss erhalten bleiben. Sparen alleine
bringt keine Lösung. Fundamentale Reformen sind nötig, so am Arbeitsmarkt.
Die Lohnstückkosten dieser Länder sind zu hoch. In der Zeit seit der
Einführung des Euro haben sich einige Euroländer viel gegönnt und sind
deshalb heute nicht mehr konkurrenzfähig. Die einstigen Billiglohnländer
Europas stehen unter dem Druck von China und anderen viel günstiger
produzierenden Konkurrenten. Der Euroraum wird auf Jahre hinaus unter Druck
bleiben.
Ein EU-Konkurrent im Hochpreissektor steht auch gerade unter Druck und sucht
nach einer Schuldenlösung: Die USA. Das amerikanische Staatsdefizit könnte
2011 ohne radikale Reformen bei um die 9% des BIP zu liegen kommen, während
dem es im Euroraum nur um 4,3% der Wirtschaftsleistung geht (wobei diese
Zahlen sich ständig ändern). Der Westen hat zu lange auf Kredit gelebt.
Diese Zeiten sollten eigentlich nun vorbei sein.
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