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Italien hat langfristige
Schuldenprobleme
Artikel vom 18. Juli 2011
Viele scheinen sich der Illusion hingeben zu wollen, mit
dem Mitte Juli durch die beiden Parlamentskammern hindurchgepaukten
Sparbudget, das innerhalb einer halben Stunde von Staatspräsident Napolitano
in Kraft gesetzt wurde, sei die Finanzkrise Italiens überstanden. Mit einem
Dekret lassen sich die Fehler von Jahrzehnten jedoch nicht beheben.
Italien hat langfristige Schuldenprobleme. Bis 2014 soll das Staatsdefizit
zwar auf Null sinken, doch da Italien seit vielen Jahren praktisch überhaupt
nicht wächst, werden die Staatsschulden auch 2014 noch immer um 120% des BIP
betragen. Der Schuldenabbau wird viele Jahre dauern. Daher kann an den
Finanzmärkten noch jahrelang gegen Italien spekuliert werden bzw. „normale“
Investoren werden sich immer mal wieder um ihre italienischen
Schuldenpapiere sorgen machen. Der Euro bleibt daher langfristig unter
Druck, denn Italien ist zu gross, um unterzugehen, und auch zu gross, um
gerettet zu werden. Der italienische Wähler, Steuerzahler, Politiker und
Unternehmer hat es in der Hand, langfristig Italien an das
Maastricht-Kriterium der Staatsschuld von 60% des BIP heranzuführen.
Italiens Finanzprobleme
sind alles andere als neu. Eigentlich hätte das Land auf Grund
seiner Staatsverschuldung gar nicht der Eurozone beitreten dürfen, da es wie
Belgien und Griechenland die Maastricht-Kriterien nicht erfüllte. Bis 2014 soll
wie erwähnt ein ausgeglichener Staatshaushalt her. Zudem
will Berlusconi bei den nächsten Wahlen nicht mehr antreten.
Das ist immerhin ein Anfang.
Zu den Themen Finanzkrise, Reformen, Schuldenkrise und Staatsbankrott lohnt
sich die Lektüre der Bücher des emeritierten Schweizer Wirtschaftsprofessors Walter Wittmann . Spezialisten werden
darin zwar nichts Neues finden, doch für Laien bilden
Wittmanns Werke einen guten Einstieg, denn der Professor redet Klartext.
Zurück zu Italien: Wirtschafts- und Finanzminister Gulio Tremonti hat sein
€79 Milliarden-Sparbudget durchgebracht, das rund €48 Milliarden an
Einsparungen bis 2014 vorsieht. Das ist ein erster Schritt. Zum Glück gab es
in Italien keine Immobilienblase und die privaten Haushalte sind nicht
überschuldet. Doch das Land kämpft mit einem riesigen Schwarzgeldproblem.
Die Steuerflucht ist gross. Neben „normalen“ Bürgern, die ihre
Steuern nicht bezahlen bzw. die in der Schattenwirtschaft arbeiten, gibt es
noch das riesige Mafia-Problem. Die organisierte Kriminalität bildet -
insbesondere im Süden Italiens - einen regelrechten Parallelstaat.
Gleichzeitig hat das Land, im dem die Zitronen blühen, ein riesiges
Potential. Selbst unter den herrschenden widrigen politischen, sozialen und
wirtschaftlichen Zuständen gehören viele Unternehmen und Forscher - anders
als in Griechenland - zur Weltspitze. Allerdings zieht es ab des Chaos' auch
immer mehr ins Ausland. Eine neue Regierung muss her und einen
ordnungspolitischen Rahmen schaffen, der Entfaltungsmöglichkeiten und
Wachstum verspricht.
Wirtschafts- und Finanzminister Giulio Tremonti wirkte schon in früheren
Jahren an der Seite von Berlusconi. Er gilt als solide, muss sich allerdings
die Frage gefallen lassen, weshalb er all die Jahre hindurch den dubiosen
Milliardär Silvio unterstützt hat. Tremonti selbst steht unter Druck, da am
28. Juni sein enger Mitarbeiter Marco Milanese zurücktreten musste. Er hatte
von einem Herrn Viscione, der wie er ebenfalls aus Cervinara in der Provinz
Avellino stammt, rund €1 Million an Schmiergeldern erpresst.
Dazu gehörten auch drei Schweizer Luxusuhren. Eine davon soll für Tremonti
als Geschenk bestimmt gewesen sein. Der Minister bestreitet, ein solches
Geschenk erhalten zu haben, doch wohnte er drei Tage pro Woche gratis in
einer €8,500-pro-Monat-Wohnung in Rom, die ihm von seinem Mitarbeiter Marco
Milanese zur Verfügung gestellt wurde. Sobald der Skandal um Milanese
aufflog, zog Tremonti aus der Wohnung aus. Er kann es sich als
Steuerrechtsanwalt leisten. Alleine 2008 deklarierte Tremonti €4,5 Millionen
an Einkommen. Der Milanese-Viscione-Skandal wird noch immer untersucht.
Tremonti hat verlauten lassen, dass er nicht daran denke zurückzutreten.
Solange keine teure Uhr von Milanese oder sonst eine Leiche im Schrank bei
ihm auftaucht, dürfte er weiterhin Minister bleiben.
Nicht nur Italien
hat langfristige Schuldenprobleme. Die westlichen Wohlfahrtsstaaten
schaufeln sich seit Jahrzehnten das eigene Grab. Die Finanzkrise hat
gezeigt, dass mehr und nicht weniger Liberalismus gefragt ist. Da schmerzt
es besonders, dass sich die deutschen Liberalen besonders ungeschickt
anstellen. Doch selbst dort stinkt der Fisch vom Kopf her, und in der
Regierung heisst dieser Angela Merkel.
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