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Italiens Finanzprobleme
Hinzugefügt am 15. Juli 2011 um 19:08 in Riga
Das Sparbudget wurde gestern und
heute in Rekordzeit verabschiedet. Siehe hierzu den heutigen
englischen Artikel.
Artikel vom 12. Juli 2011, hinzugefügt um 15:08 in Riga
Sie sind alles andere als neue, Italiens Finanzprobleme.
Die Wirtschaft leidet seit Jahrzehnten unter der politischen Instabilität
bzw. zuletzt unter Premierminister Berlusconi unter der vermeintlichen Stabilität, die nichts
anderes als Stillstand bedeutet, weil der
„Grosse Silvio“ zuerst an die Erhaltung seines Imperiums denkt.
Hinzu kommen noch die gigantische Schattenwirtschaft, die endemische
Kriminalität (Mafia, Cosa Nostra, Camorra, 'Ndrangheta, etc.), ein
Staatssektor, in dem gar nichts läuft,
Korruption und Misswirtschaft
sowie des Italieners liebster Zeitvertreib: Der Streik (lo sciopero).
Wirtschafts- und Finanzminister Giulio Tremonti und Premier Berlusconi
können nicht (mehr) richtig miteinander. Vor einigen Tagen meinte der
Regierungschef
in einem Interview, Tremonti sei als
einziger seiner Regierungsmannschaft kein Teamspieler und halte sich für den
Grössten, alle anderen aber für Kretins. Eigentlich könnte man ja genau das
von Berlusconi sagen, der allerdings selbst der grösste Kretin ist. Dies
beweist er gerade wieder in der Finanzkrise, in der Italiens
Schuldenwirtschaft unter dem Druck der Märkte zu leiden hat. Mit seinem
Interview hat er seinen wichtigsten
Mann in der Krise angeschossen.
Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) waren Ende 2010
ausländische Banken mit $867 Milliarden in Italien engagiert, davon alleine
die Franzosen mit $392 Milliarden und die Deutschen mit $162 Milliarden.
Doch das ist noch fast die gute Nachricht, den es bedeutet, dass die
Ausländer nur rund 45% der italienischen Staatsschuld kontrollieren. 55% der
Ende April rund €1890 Milliarden befinden sich also in italienischer Hand.
Doch das sind ganz andere Dimensionen als im Falle von
Griechenland.
Finanz- und Wirtschaftsminister Giulio Tremonti hat zwar ein rund €40
Milliarden Sparprogramm geschnürt, doch soll dieses im Wesentlichen erst
2013 und 2014 umgesetzt werden. Da 2013 gewählt wird, trauen die Märkte dem
Braten nicht. Der Euro bleibt also
unter Druck. Griechenland nochmals €120 Milliarden nachzuschiessen, wie
anscheinend geplant wird, wäre Irrsinn. Den Schuldenturm, den das Land ohnehin
nicht begleichen kann, noch weiter zu erhöhen, macht keinen Sinn. Eine
Kombination von Schuldenschnitt, Umschuldung und Schuldenstreckung wird die
„Lösung“
sein, die so oder so bittere Medizin beinhalten wird. Ständig die Banken und
Investoren auf dem Rücken der Steuerzahler rauszukaufen beschleunigt nur den
langsamen Niedergang Europas.
Zum Glück ist Italien nicht Griechenland. Die Sparquote ist relativ hoch. Es
gibt keine Immobilienblase. Die privaten Haushalte sind nicht völlig
überschuldet wie zum Beispiel in den USA. Norditalien ist wirtschaftliche
stark. Hier sind viele Firmen zu Hause, die international mithalten können.
Doch auch in Italien hat in der Zeit seit der Einführung des Euro die
Produktivität gelitten. Die Lohnstückkosten sind hier wie in Griechenland im
Verhältnis zu Deutschland viel zu stark gewachsen.
Italien lebt schon seit Jahrzehnten auf Kredit. Bereits bei der
Einführung des Euro
erfüllte Italien die Maastrichtkriterien bezüglich der Staatsschuld bei
weitem nicht. Es waren zudem für den Fall einer Krise bereits Probleme
zwischen den wirtschaftlich starken und schwachen Ländern abzusehen. Dabei
wurde der Artikel zur
Euro-Einführung
in der Annahme geschrieben, die Euro-Länder würden sich an die
Maastrichtkriterien halten, wovon keine Rede sein kann, auch nicht im Fall
von Deutschland und Frankreich.
Die italienische Staatsschuld hat 120% des BIP erreicht. Hinter Griechenland
ist dies der zweitschlechteste Wert in der Eurozone. Er entspricht dem
doppelten des in Maastricht vereinbarten Prozentsatzes. Tremontis
Sparprogramm sieht für 2012 noch ein Haushaltsdefizit von 2,7% des BIP vor,
2013 sollen es dann noch 1,5% und 2014 nur noch 0,2% sein. Ein die Märkte
überzeugendes Programm sieht anders aus. Sie verlangten denn auch bereits am
11.7.2011 von Italien Rekordzinsen von 5.5% auf zehnjährigen Staatsanleihen,
rund das Doppelte von dem, was sie von Deutschland verlangen.
Zurecht verweisen Analysten darauf, dass die italienische Staatsschuld
weitgehend langfristig finanziert ist. Selbst ein Zins von 5% bedeutete nur
€4 Milliarden oder 0,25%
des BIP an Mehrkosten. Noch sind Italiens Finanzprobleme noch nicht völlig
ausser Kontrolle geraten. Doch mit dem Feuer sollte man nicht spielen. Die
Märkte können rasch irrational reagieren und damit die Zinsen plötzlich über
die 7%-Marke treiben. Dann würde es plötzlich auch für Italien eng, und
Italien ist eindeutig
„too big to fail“.
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