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Merkel und Sarkozy wollen eine
gemeinsame Wirtschaftsregierung der Euro-Zone etablieren
Artikel vom 16. August 2011 um 21:51 Rigaer Zeit
Die
Eurozonen-Wirtschaftsregierung soll kommen
Der französische Staatspräsident und die deutsche
Kanzlerin trafen sich heute zu einer zweieinhalbstündigen Krisensitzung in
Paris. Merkel und Sarkozy schlagen die Einführung einer
Finanztransaktionssteuer für 2012 in der Eurozone vor. Ab 2013 soll es zudem
nach ihrem Willen in
Deutschland und Frankreich eine einheitliche Körperschaftssteuer für
Unternehmen in den zwei Ländern geben. Dazu müssen die Finanz- und
Wirtschaftspolitiken gemäss Merkel und Sarkozy enger aufeinander abgestimmt
werden. Ab Sommer 2012 sollen die Euro-Staaten die Schuldenbremse einführen,
dafür eine Schuldenobergrenze in den 17 Euro-Staaten festschreiben, und zwar
in allen 17 Verfassungen, und dieses Ziel für einmal auch einhalten. Eine
gemeinsame europäische Wirtschaftsregierung für die Euro-Zone ist das Ziel.
Diese Wirtschaftsregierung soll zwei Mal pro Jahr tagen. Den Vorsitz in der
Eurozonen-Wirtschaftsregierung soll laut dem Vorschlag der deutschen
Kanzlerin und des französischen Staatspräsidenten der aktuelle
EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy in den ersten zweieinhalb Jahren
übernehmen.
Der € ist zu einem zentralen
Baustein der EU geworden. Sein Erfolg dient dem politischen
Zusammenhalt über die Euro-Zone hinaus. Den
€ wird es sicher auch noch in zehn
Jahren geben. Einzig wie stark er sein wird, ist die Frage. Den Euro zu
stärken, ist sicher ein löbliches Ziel.
Nicolas Sarkozy macht allerdings zu oft viel Wind und gebärdet sich als Macher und
Retter. Hätte er sich schon früher auf die Maastricht-Kriterien besonnen,
stünden Frankreich und die Euro-Zone heute nicht knietief in der Scheisse.
Je nach Rechnung wird die französische Staatschuld Ende 2011 irgendwo
zwischen 85% und 100% des BIP zu liegen kommen; die meistgenannte Zahl ist
87%. Vor allem zu denken gibt das
französische Budgetdefizit, das 2011 ohne weitere Anstrengungen bei 7% liegen dürfte, wobei
die
Maastrichtkriterien einst 3% als Obergrenze vorgaben. Deutschland und
Frankreich waren ja die ersten Staaten, welche die Maastricht-Kriterien
verletzten; in Deutschland regierte damals Rot-Grün. Sarkozy verwies heute
in Paris auf die französische Rentenreform und Kürzungen bei den
Staatsausgaben, mit denen das Vertrauen der Märkte (und der Wähler)
zurückgewonnen werden soll. Letzte Woche verlor ja eine führende
französische Bank auf Grund von Gerüchten innert kürzester Zeit 20% an Wert.
Eurobonds lehnt Kanzlerin Merkel weiterhin standhaft ab. Immerhin in diesem
Punkt hat sich ihr Kompass (noch) nicht gedreht; Sarkozy stimmte ihr
„zum jetzigen Zeitpunkt“ bei. Am Ende der europäischen Integration
könnten sie möglich werden. Doch Deutschland ist keinesfalls der grossen
Musterknabe in Europa. Die Staatschuld wird Ende 2011 voraussichtlich bei
rund 82% des BIP und das Haushaltsdefizit bei rund 2,5% des BIP zu liegen
kommen.. Deutschland und Frankreich verzeichneten zudem im letzten Quartal
praktisch ein Nullwachstum. Auch die führende europäische Wirtschaftsnation
Deutschland bewegt sich also bereits auf dünnem Eis. Jemand hat mal
ausgerechnet, dass bei einem Anstieg der Zinsen auf der deutschen
Staatschuld von jetzt rund 2,5% auf 5% für Deutschland Mehrausgaben von 2,4%
des BIP entstünden.
Das Budgetdefizit aller EU-Länder liegt 2011 zusammengerechnet bei rund 4,3%
des BIP. Noch kann der EU- und Euro-Karren aus dem Dreck gezogen werden. Die
gegenwärtige Krise ist zu begrüssen, denn sie kommt noch rechtzeitig. Ein
weiteres Jahrzehnt der Schuldenwirtschaft, und die EU wäre wohl erledigt.
Die US-Amerikaner und Japaner haben rund doppelt so grosse Budgetdefizite
abzubauen. Die führenden Wirtschaftsnationen der Welt sehen zwar bereits den
Abgrund vor sich, doch bremsen oder gar umkehren fällt ihnen noch immer
schwer.
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