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Griechenland muss umschulden
Artikel vom 24. September 2011
In der EU-Griechenlandpolitik folgt ein „Rettungsscherz“
dem
anderen. Bereits im Mai 2010 war klar, dass Griechenland um eine
Umschuldung und einen Schuldenschnitt von rund 50%
nicht herumkommen würde. Stattdessen wurde der Schuldenturm nur noch erhöht.
Heute ist ein Schnitt von 50% wohl das Minimum, um Griechenland aus der
Schuldenfalle zu helfen. Zudem müssen die griechischen Löhne und Gehälter,
Pensionen und Sozialleistungen um mindestens 30% sinken, damit Griechenland
wieder konkurrenzfähig wird. Als Alternative zur
internen Abwertung gäbe es wohl nur
den Austritt aus dem Euro-Raum, was noch brutaler wäre. Bis heute sollen die Einschnitte
bzw. die Gesundschrumpfung rund 15% umfassen. Das ist
noch viel zu wenig.
Tritt Griechenland aus dem EU-Raum und führt wieder eine eigene Währung ein,
so wird dies sofort zu einer Abwertung führen, die vielleicht noch grösser
wäre. Das Land wäre dann mit seinen Produkten und Dienstleistungen wieder
wettbewerbsfähig, doch Güter aus dem Euro-Raum wären natürlich wie bei der
internen Abwertung plötzlich genauso unerschwinglich. In beiden Fällen wären
Bankenpleiten unvermeidlich. Die Banken müssten in beiden Fällen mit griechischen oder
ausländischen Steuergeldern rekapitalisiert werden, damit das
Wirtschaftsleben weitergehen kann. Dabei würden die Regierungen bzw. die
Steuerzahler im Gegenzug griechische Bankaktien erhalten. Eventuell müssten Einlagen bis zu einer
gewissen Höhe (z.B. 50,000 Euro) für alle Bankkunden garantiert werden.
Bereits jetzt ziehen die Reichen ihr Geld im grossen Stil von griechischen
Banken ab und transferieren es ins Ausland.
Die vermögenden Griechen sind eines der Hauptprobleme. Sie müssen endlich ihre Steuern bezahlen.
Bisher werden vor allem die Staatsangestellten und kleinen Leute geschröpft.
Die Geschichten zum Beispiel von Ärzten, die Hungerlöhne versteuerten und
von Schwimmbad- und Villen-Besitzern fast ohne Einkommen und Vermögen,
gingen um die Welt.
Griechenland wird um eine jahrzehntelange Rosskur nicht herumkommen, um
Strukturprobleme zu beheben, die Korruption zurückzudrängen, den
griechischen privaten und öffentlichen (Grund-) Besitz umfassend zu
erfassen, um Staatsbetriebe zu privatisieren oder zu schliessen, um
Staatsbesitz zu verkaufen, um die Schulden zu verringern, um wieder
konkurrenzfähig zu werden.
Europas Schuldenberge werden immer grösser. Nicht der Euro steckt in der
Krise, sondern die Euro-Mitgliedsländer, deren Schulden und Haushaltsdefizite seit
Jahren ausser Kontrolle sind. Die Banken und das Finanzsystem insgesamt
müssen reformiert werden, , das weniger die Wirtschaft mit Kapital versorgt
als der Spekulation zu dient. Die Krise betrifft zudem nicht nur
Euro-Staaten. Neben Griechenland, Spanien, Portugal, Italien und Irland sind
zum Bespiel noch ökonomische Zwerge wie Island, Lettland und Ungarn zu
erwähnen sowie grosse Länder wie Grossbritannien und natürlich die Giganten
Japan und USA.
Die deutsche Griechenlanddebatte schlägt hohe Wellen.
Die Koalition wird sogar in Frage gestellt, allerdings in erster Linie von der
Opposition und hysterischen TV- und anderen Medien. Dabei hat Vizekanzler Rösler nur gesagt, was Finanzminister
Schäuble auch schon angedeutet hat, was CSU-Chef Seehofer nun ebenfalls
öffentlich befürwortet, was die Mehrheit der Deutschen als richtig ansieht
und, vor allem, was die Märkte
mit ihren Griechenlandzinsen längst vorweggenommen haben:
Griechenland ist pleite und muss umschulden.
Ein Sturm im Wasserglas? Rösler und Seehofer stellen sich beide gegen die
Kanzlerin und ihre Politik des Fasses ohne Boden. Schlechtem Geld schmeisst
man kein gutes nach. Die Schuldenturm in Griechenland ist ausser
Kontrolle. Das Land sitzt in der Schuldenfalle. Die Zinsen sind exorbitant.
Neue Schulden können die Griechen am Kapitalmarkt nicht aufnehmen.
Sparpakete alleine werden das Land nicht auf die Beine bringen. Also
nochmals: Wie schon 2010 klar, ohne
Schuldenschnitt wird es nicht gehen.
Die CSU beriet am 19. September mit Hans-Werner Sinn über die
Euro-Politik und eine Schuldenlösung für Griechenland. Denkverbote lehnen CSU
und FDP zurecht ab. Dass Rösler
und Seehofer nun aufstehen, mag teilweise Populismus bzw. ein schielen auf
Wähler sein, doch im Kern ist es richtig. Vielleicht geschieht noch ein
Wunder und die Kanzlerin fällt. Zeit wäre es schon lange.
Die Kanzlerin wuchs in der DDR auf. Sie ist Physikerin. Ihr
Wirtschaftsverständnis ist begrenzt. Das rächt sich heute. Deutschland
braucht einen Friedrich Merz, damit sich was ändert. Den Leibhaftigen oder
einen, der ähnliche Ideen vertritt. Ansonsten geht die Schuldenwirtschaft
womöglich noch weiter. Dass in
Berlin Wowereit weiterwursteln darf,
ist ein weiterer schlechter Scherz. Die Stadt hat Schulden von fast
€63 Milliarden und eine Arbeitslosenquote von 13,3%. Da wären liberale Ideen
gefragt. Doch die FDP hat in den Augen der Wähler abgewirtschaftet und kam
nur auf klägliche 1,8%.
Zurück zur bundesdeutschen Griechenlanddebatte:
In der Bundestagsdebatte vom 7. September 2011 wies Aussenminister Westerwelle
zurecht darauf hin, dass es die rot-grüne Bundesregierung von Gerhard
Schröder und Joschka Fischer war, die - zusammen mit den Franzosen - als
erste gegen die Maastricht-Kriterien verstiess, diese aufweichte und damit
einen Sündenfall beging, der das Schuldenmachen leichter machte.
Frank-Walter Steinmeier, war damals Chef des Bundeskanzleramtes und ist
damit mitschuldig an der Aufweichung des Euro-Stabilitätspaktes. Dass er nun
grosse Töne spukt, ist einfach nur peinlich. Zudem war es Rot-Grün gewesen,
das Griechenland trotz Bedenken gegenüber den griechischen Zahlen in die
Währungsunion aufgenommen hat.
Ende September bei der Euro-Abstimmung will Angela Merkel nach eigener
Aussage vom 19. September eine eigene Mehrheit. Doch die
Kanzlerinnenmehrheit könnte verfehlt werden, obwohl die FDP in ihrem
heutigen Zustand kein Interesse an vorzeitigen Neuwahlen hat. Bei der
CDU/CSU gibt es ebenfalls mögliche Abtrünnige. Von der Opposition wollen
SPD und Grüne die Kanzlerin
unterstützen. Eine Mehrheit ist sicher. Doch ohne Kanzlerinnenmehrheit sähe
es zumindest nach dem Anfang vom Ende von Schwarz-Gelb aus.
Das Alternativpersonal zur Kanzlerin ist nicht sehr berauschend. Von der
Leyen und Röttgen scharren hin und wieder mit den Füssen, doch beide sind in
einer Wirtschafts- und Finanzkrise nicht überzeugendes Kanzlermaterial.
Röttgen zeigte - wie auch Wirtschaftsminister Rösler - seine
Unzulänglichkeiten bei einem TV-Auftritt bei Günter Jauch am 18. September.
Es wird immer dunkler in Deutschland. Die Gesamtverschuldung liegt bei rund
83% des BIP. Gleichzeitig besteht der Beitrag der Opposition in der
Forderung nach Eurobonds, was eine Schuldenunion an Stelle einer
Stabilitätsunion bedeuten würde. Wenn noch der je nach Land variable
Zinssatz abgeschafft wird, fällt das letzte Disziplinierungsinstrument im
Euro-Raum weg. Die Euro-Zone muss sich dringend auf zwingende Massnahmen
gegenüber Schulden- und Defizitsündern einigen. Der abtretende
EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hat gemeinsam mit drei weiteren Autoren
mögliche Lösungen aufgezeigt. In diese Richtung müssen Reformen gehen, damit
der Stabilitätspakt in Zukunft seinem Namen Ehre macht.
Deutschland, Europa und die Welt müssen sich an den Maastricht-Kriterien
orientieren, ihre Schulden- und Haushaltsdefizite langfristig abbauen und
eine Reform des Finanzsektors jetzt angehen. Die Banken sind heute weniger
an der Zahl und grösser als vor der Krise. Dabei sind sie nach wie vor
untereinander so stark verflochten, dass beim Zusammenbrach auch nur einer
bedeutenden Bank ein weltweites Chaos ausbrechen würde. Es ist fünf vor
zwölf. Die nächste Krise kommt bestimmt. Wer jetzt nicht handelt, lädt
schwere Schuld auf sich.
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