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Italienisches Sparpaket verabschiedet
Hinzugefügt am 15. September 2011 um 08:52
Berlusconi hat zwar die gestrige Vertrauensabstimmung
gewonnen, und bis 2013 soll der italienische Haushalt ausgeglichen sein,
doch die Zweifel am Regierungschef werden in den eigenen Reihen im grösser.
Zudem kritisierte die Chefin des Unternehmerverbandes Confindustria, Emma
Marcegaglia, dass das Sparprogramm Italiens Probleme nicht löse, weil es nur
aus Steuern bestehe und nichts zum Wachstum beitrage.
Hinzugefügt am 14. September 2011 um 20:44
Wie erwartet hat das italienische Unterhaus nach 20
Uhr mit 314 zu 300 Stimmen dem
€54,2
Milliarden Sparpaket definitiv zugestimmt. Es wird Gesetz, sobald es vom
Staatspräsidenten unterschrieben ist.
Artikel vom 14. September 2011 um 15:03
Nach dem Senat am 7. September 2011 mit 165 gegen 141
Stimmen hat nun heute auch das Abgeordnetenhaus mit knappen 316 gegen 302 Stimmen
das zusätzliche €54,2 Milliarden Sparpaket verabschiedet. Das
Abgeordnetenhaus hat allerdings erst der fiducia sulla manovra
zugestimmt. Die eigentliche Abstimmung folgt am späteren Nachmittag. Die
Zustimmung gilt als sicher. Zusammen mit einem früheren €48 Milliarden
Sparprogramm will die Regierung Berlusconi bis 2014 insgesamt €102,2 Milliarden einsparen.
Der Premierminister verband die Abstimmung über den neuen Sparhaushalt mit
der Vertrauensfrage. Die italienische Staatsverschuldung liegt bei rund
€1900 Milliarden oder 120% des Bruttosozialprodukts. Angesichts der
Nervosität der Finanzmärkte ist kein Raum mehr für politische Spielchen
vorhanden. Das Sparpaket wurde trotzdem von der Regierung mehrfach
abgeändert. Die Mehrwertsteuer steigt nun von 20% auf 21%. Eine
Reichensteuer von 3% auf Einkommen über
€300,000 pro Jahr wird bis zum
Erreichen eines ausgeglichenen Staatshaushaltes eingeführt. Die Erhöhung des
Renteneintrittalters für Frauen wird von 2016 auf 2014 vorgezogen. Zwischenzeitlich
hatte Berlusconi die Reichensteuer und andere Massnahmen wieder gekippt bzw.
abgeschwächt, um sie dann nach
gefährlichen Marktreaktionen wieder leicht geändert einzuführen.
Letzte Woche soll Italiens Wirtschafts- und Finanzminister Giulio Tremonti
mit dem Vorsitzenden des Staatsfonds China Investment Corporation Lou Jiwei
über den Kauf italienischer Staatsanleihen und der Beteiligung Chinas an
führenden italienischen Unternehmen diskutiert haben. China könnte durch die
weitere Diversifizierung der Anlage seiner kolossalen Devisenreserven seine
Abhängigkeit von den USA verringern und Italien die Zinslast auf seinen
Schulden senken.
Der IWF senkte seine Erwartungen für Italiens Wirtschaftswachstum im Jahr
2012 von 0,7% auf 0,5%.
Italiens Schuldenprobleme sind lanfristiger Natur. Das Problem wird
uns noch Jahre erhalten bleiben. Es ist ein weiterer Weg der Reduktion der
Staatsschuld von 120% auf 60% (Maastricht-Kriterium).
Die ausufernde, inkompetente und korrupte Bürokratie und Politik Italiens
sollte ausgemistet werden. Der Amtsschimmel behindert das Wirtschaftsleben
massiv. Die marode Infrastruktur sollte modernisiert werden.
Strukturreformen sind dringend nötig. Schwarzarbeit und organisierte
Kriminalität sind weitere Probleme. Italien stehen harte Zeiten bevor.
Am 8. September 2011 hat das italienische Kabinett bereits eine
Verfassungsänderung beschlossen, die einen ausgeglichen Haushalt
vorschreibt. Den Worten müssen allerdings noch Taten folgen. Die
Ernsthaftigkeit des italienischen Sparwillens wurde bisher von den
Marktteilnehmern angezweifelt. Das €102,2 Milliarden
Sparprogramm bis 2014 wäre ein wesentlicher erster Schritt in die richtige
Richtung.
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