|
Sarkozy verliert die Mehrheit im
Senat
Artikel vom 26. September 2011
Erstmals seit der Gründung der
Fünften Republik, also seit 1958, verlieren die Bürgerlichen die Mehrheit im
französischen Senat. Der Senat wird nicht vom Volk, sondern alle drei Jahre zur
Hälfte von jeweils der Hälfte der 150,000 Wahlfrauen und Wahlmännern (grands
électeurs) für sechs Jahre
gewählt. Die Sozialisten kontrollieren seit dem 25. September 2011 nun die
absolute Mehrheit im Senat mit 177 von 348 Sitzen. Dieser symbolische Sieg
gibt ihnen für die Präsidentschaftswahl von 2012 weiteren Aufwind. Für Präsident
Nicolas Sarkozy und sein bürgerliches Kabinett wird das Regieren
schwieriger, denn das französische Oberhaus kann nicht nur neue Gesetze
vorschlagen und Änderungen an bestehenden Gesetzen einbringen. Um ein Gesetz
zu verabschieden, müssen die Nationalversammlung und der Senat wortgleiche
Texte verabschieden. Das Oberhaus kann daher Kompromisse erzwingen und
Gesetze sogar verhindern. Der Senat muss zudem dem Staatsbudget zustimmen. Allerdings kann die Nationalversammlung bei einer
Nichteinigung der zwei Parlamentskammern den Senat überstimmen, doch je 60 Mitglieder von Senat und
Nationalversammlung können die Verfassungsmässigkeit von neuen Gesetzen vom Verfassungsgericht
überprüfen lassen. Der Senat kann so das Inkrafttreten von neuen Gesetzen
zumindest verzögern. Bei Verfassungsänderungen müssen Senat und
Nationalversammlung zusammen in der Versammlung des Parlaments Änderungen
der Verfassung
zustimmen. Die Regierung kann alternativ eine Verfassungsänderung durch eine
Volksabstimmung verabschieden lassen, doch ist das bisher erst einmal, bei der
Senkung der Amtszeit des Präsidenten von sieben auf fünf Jahre, geschehen.
Durch den Verlust der Mehrheit im Senat wird die bürgerliche Regierung zwar
in ihrer Regierungsfähigkeit nicht völlig beeinträchtigt, doch wird die
Durchsetzung bürgerlicher Anliegen schwieriger, mühsamer. Vor allem aber
handelt es sich um eine symbolische Niederlage für einen bereits
angeschlagenen Präsidenten, dem viele Kandidaten auf der politischen Rechten
das Leben bei der
Präsidentschaftswahl 2012 das Leben schwer machen werden,
so Borloo, Villepin, Bayrou und Le Pen.
Nicolas Sarkzoy kommt noch stärker
unter Druck. Erst kürzlich wurde sein parteiinterner Rivale, der
frühere Premierminister Dominique de Villepin, in der Affäre Clearstream von
der Komplizenschaft in der Verleumdung von Sarkozy freigesprochen. De
Villepin wird wohl alles tun, um eine Wiederwahl des amtierenden Präsidenten
zu verhindern. Die Einheit der Rechten 2012 wird noch
unwahrscheinlicher.
Sarkozy wird zudem in der „Karachigate“ zumindest indirekt belastet. In den
1990er Jahren flossen bei Rüstungsgeschäften mit Pakistan Schmiergelder, die
scheinbar auch der illegalen Parteienfinanzierung dienten. Damals war
Sarkozy Budgetminister, weshalb seine Kenntnis der Affäre wahrscheinlich
scheint. Gegen zwei frühere enge Mitarbeiter von Sarkozy, Nicolas Bazire und
Thierry Gaubert, wurden Strafverfahren eingeleitet; Bazire war
Sarkozys Trauzeuge bei der
Heirat mit Carla Bruni. 2002 wurden 14 Mitarbeiter der
französischen Marinewerft DCN bei einem Bombenattentat in Karachi getötet.
Die Vermutung geht dahin, dass dies die Rache für die Einstellung von
versprochenen Schmiergeldzahlungen war.
Für eine Wiederwahl Sarkozys braucht es nun ein Wunder.
Alle Aktionen bei Amazon.de
|
|