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Berlusconi gewinnt Vertrauen
Artikel vom 14. Oktober 2011 um 16:02 in Neapel; Detail zu Stimmenthaltungen
um 16:55 hinzugefügt
Wie bereits in einem
englischen Artikel
gemeldet, hat der italienische Premierminister Silvio Berlusconi heute
im italienischen Unterhaus (Camera) das Vertrauen des Parlaments mit 316 Ja
gegen 301 Nein wieder gewonnen. 13 Parlamentarier nahmen am Vertrauensvotum
nicht teil.
Die Vertrauensabstimmung war nötig geworden,
nachdem die Regierung überraschend den mit dem Budget verbundenen
Rechenschaftsbericht wegen einer Stimme nicht durchs Unterhaus brachten.
Neben 17 eher unbedeutenden Parlamentariern hatten auch Finanzminister Tremonti sowie der Führer der Lega Nord, Umberto Bossi, bei der Abstimmung
gefehlt, was Putschgerüchten gegen die Regierung Berlusconi wieder Auftrieb
gab. Vor kurzem waren 26 Parlamentarier der Mehrheit, darunter die früheren
Minister Claudo Scajola und Giuseppe Pisanu, in einem Römer Restaurant
gesichtet worden, wie sie sich über die Zukunft der Regierung Berlusconi
unterhielten. Danach äusserten rund ein Dutzend Parlamentarier um die beiden
Ex-Minister, sie verlangten eine deutliche Kursänderung der Regierung.
In seiner Rede vor dem Unterhaus, in der Berlusconi die Vertrauensabstimmung
gefordert hatte, erklärte der Premierminister für einmal relativ sachlich,
seine Regierung habe hohe Schulden geerbt, doch dank der Aktionen seiner
Koalition sei das Defizit Italiens kleiner als in anderen Ländern. Italien
habe sogar einen Primärüberschuss erarbeitet, also vor Berücksichtigung der
Zinszahlungen auf der Staatsschuld, die 120% des BIP beträgt. Das
Produktivsystem leide zwar in den letzten Jahren unter schwachem Wachstum,
doch sei auch war, dass Italien einige Regionen habe, die mit Bayern
wirtschaftlich mithalten könnten, ja es sogar überträfen.
Berlusconi sagte in der Rede, die zum Vertrauensvotum führte, Italiens
Probleme seien bekannt: Der Süden leide unter dem fehlen von Investitionen,
die zur Schaffung von Arbeitsplätzen führe. Doch Italiens Arbeitslosenrate
sei tiefer als in den meisten Nachbarstaaten. Die Schattenwirtschaft sei ein
Problem, weshalb eine Fiskalreform nötig sei, auch um die Kapitalflucht zu
bekämpfen. Ein weiteres Leiden Italiens sei die ineffiziente Bürokratie,
welche bis zur Repression von Bürgern und Unternehmen führe. Das
Justizsystem arbeite zu langsam. Er verwies auf eine Studie, nach der die
seit 30 Jahren vernachlässigte Infrastruktur zusätzliche Ausgaben von 34%
des Haushaltes erfordere, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Der
Premierminister erwähnte auch die Probleme mit den Gewerkschaften, die
Italiens Wirtschaft lähmten.
Der Premierminister versprach, bis 2013 ein ausgeglichenes Budget
vorzulegen. Zudem will er eine Justizreform durchsetzen, damit die Gerichte
nicht mehr für politische Zwecke verwendet werden. Berlusconi erwähnte
erneut, er sei ein Opfer linker Richter. Damit hat er teilweise recht. Aber
nur teilweise. Wäre Italien eine funktionierende Demokratie, hätte er längst
zurücktreten müssen bzw. sässe sogar im Gefängnis.
Nach Berlusconi sprach unter anderem Carolina Lussana von der Lega Nord, die
wieder einem federalistische Reformen anmahnte, denn nur so wieder die
Budgets unter Kontrolle gebracht und die Staatsschulden abgebaut werden
können. Doch seit zwei Jahrzehnten unter Berlusconi hat sich nichts
geändert. Das betrifft alle vom Premierminister in seiner Rede
angesprochenen Probleme. Wann endet diese Farce endlich?
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