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Hollande ist der Kandidat der
Sozialisten
Ein blasser Apparatschick für
das Präsidentenamt
Artikel vom 18. Oktober 2011
Wie in der französischen Ausgabe bereits
gemeldet, hat die
grösste französische Linkspartei am 16. Oktober ihren
Präsidentschaftskandidaten gekürt.
Was durften wir nicht für lobende Worte in der FAZ aus der Feder von
Michaela Wiegel über François Hollande (*1954)
lesen? Er sei ein Mann des Masses, der die Rückkehr zur Kompromisskultur
verspräche. Er sei wie Jacques Chirac, der ihn einst (nur halb) im Spass zur
Wahl empfahl, ein Mann mit Wurzeln im Radikalsozialismus. Hollande habe die
Sozialistische Partei von 1997 bis 2008 als begnadeter Moderator geleitet,
schreibt Michaela Wiegel gar.
Die Wirklichkeit sieht anders
aus. Der blasse Apparatschick François Hollande hat in seinem Lebtag noch
kein Exekutivamt ausgeübt. Insofern erinnert er
an Obama. Allerdings geht ihm die rhetorische Gewandtheit des Amerikaners
ab. Als Parteivorsitzender hat Hollande keine grossen Stricke zerrissen. Er
hat die Eliteschulen HEC, SciencePo und ENA absolviert. Doch wie wiederum
das Beispiel von Obama zeigt, macht ein heller Kopf noch lange keinen guten
Präsidenten.
Der blasse François Hollande will die Sozialisten und die Franzosen einigen,
das ist wahr. Doch ob dieser Mann die nötigen Reformen
durchsetzen kann, bleibt mehr als fraglich. Insbesondere bei einer
Arbeitsmarktreform müsste er sich gegen die eigene Partei stellen und zudem
über den eigenen Schatten springen. Die Arbeitslosigkeit, insbesondere bei
den Jugendlichen, ist so hoch, weil die Beschäftigten zu geschützt sind. Ein
Arbeitgeber muss es sich daher zweimal gut überlegen, ehe er jemanden fest
einstellt, den er danach fast nicht mehr los wird, auch wenn er unfähig ist
oder das Unternehmen kürzer treten muss.
Da ist es nur ein schwacher Trost, dass Martine Aubry, die als Ministerin
einst die 35-Stunden-Woche eingeführt hat, sowie seine
ehemalige Lebensgefährtin, Ségolène Royal, mit der
er vier Kinder hat, noch schwächere Kandidaten gewesen wären.
Der
„beste“ Kandidat (alles ist relativ) und haushohe Favorit der Linken, Dominique Strauss-Kahn
hatte sich zuvor gleich selbst aus dem Rennen genommen.
Die Wahl Hollandes war nicht so sicher, wie es nun scheint. Doch
schliesslich stellten sich alle vier unterlegenen Kandidaten aus der ersten
Runde hinter den Mann aus der Corrèze, selbst Ségolène Royal. Sie hatte
Hollande einst mit der Journalistin Valérie Trierweiler betrogen, ehe er sie
für eben diese Frau verliess. Allerdings war Royal von der Gegenkandidatin
Aubry bei der Wahl zur Parteichefin auf dubiose Weise geschlagen worden,
wobei Eingeweihte meinten, bei jener Wahl hätten beide Seiten wie immer
beschissen. Und diese Sozialisten sollen nun die Franzosen in eine gloriose
Zukunft führen?
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Präsident Sarkozy steht zum Glück für Hollande im Gegenwind. Im September
verlor die Rechte erstmals in der fünften Republik die
Mehrheit im Senat. Seit 2010 steht der Präsident immer stärker
unter Druck. Arbeitsminister Woerth musste wegen zweifelhaften Spenden
von bzw. einem Steuerrabatt für die reichste Französin Liliane Bettencourt
(bzw. deren verstorbenen Gatten) sein Amt aufgeben. 2011 droht die
Karachi-Affäre um Fregatten an Saudi Arabien und Unterseebote an Pakistan in
den 1990er Jahren unter Premierminister Balladur einzuholen. In der
Karachi-Affäre flossen wohl Schmiergelder, die der illegalen
Parteienfinanzierung dienten. Damals war Sarkozy Budgetminister, weshalb er
wohl eingeweiht war. Gegen zwei frühere enge Mitarbeiter von Sarkozy,
Nicolas Bazire und Thierry Gaubert, wurden bereits Strafverfahren
eingeleitet; Bazire war
zudem Sarkozys Trauzeuge bei der Heirat mit Carla Bruni.
2002 wurden 14 Mitarbeiter der französischen Marinewerft DCN bei einem
Bombenattentat in Karachi getötet. Die Vermutung geht dahin, dass dies die
Rache für die Einstellung von versprochenen Schmiergeldzahlungen war.
Die Abwahl des unpopulären Präsidenten Sarkozy gilt als wahrscheinlich. Auf
der politischen Rechten hat sich inzwischen allerdings der ehemalige
Minister Borloo aus dem Präsidentenrennen genommen. Es verbleiben noch der
Zentrist François Bayrou und der ehemalige Premierminister Villepin,
Sarkozys Intimfeind, auf der bürgerlichen Rechten als Rivalen des
amtierenden Präsidenten übrig. Eine grosse Unbekannte bleibt die
rechtsextreme Führerin
Marine Le Pen, die zwischendurch stark im Aufwind schien.
Auf der Linken ist die Lage auch noch nicht geklärt. Die Grünen schicken die
ehemalige Untersuchungsrichterin Eva Joly ins Rennen. Der unterlegene
ehemalige Favorit Nicolas Hulot gibt sich dort allerdings als schlechter
Verlierer. Daneben werden sich noch eine Reihe von Kandidaten linker
Splittergruppen bei der Präsidentschaftswahl präsentieren.
Der farb- und konturlose François Hollande ohne exekutive Erfahrung soll
Frankreich reformieren. Da sind wir mal gespannt. Allerdings hat Nicolas
Sarkozy auch nicht gerade viel bewegt. Die Staatsschulden liegen bei 85% des
BIP und das Defizit könnte 2011 um die 7% des BIP zu liegen kommen. Kurzum,
die Präsidentschaftswahl 2012 dürfte für die französischen Wähler zu einer
Qual bei der Wahl unter ungenügenden Kandidaten werden.
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