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Die ’Ndrangheta
Gianluigi Nuzzi, Claudio
Antonelli: Metastasen. Ein Kronzeuge der
’Nrdangheta enthüllt
die Geheimnisse des grössten Familienunternehmens der Welt. Ecowin
Verlag, 2011, 279 Seiten. Buch bestellen bei
Amazon.de.
Artikel vom 10. Oktober 2011
In Italien wirken verschiedene Mafia-Organisationen. Die
'Ndranghta
gilt mit einem Jahresumsatz von - je nach Schäztung -
€40 Milliarden bis €60 Milliarden als
mächtigste Vereinigung des organisierten Verbrechens in Europa. Im
Kokainhandel wird sie als führend bezeichnet.
Das Buch Metastasen beruht auf Gesprächen mit dem italienischen
Kronzeugen Giuseppe Di Bella, der als Jugendfreund und langjähriger
Vertrauter des 'Ndranghta-Bosses Franco Coco Trovato
auspackte.
Franco Coco Trovato gehört zu den historischen Bossen der Organisation. Der
kalabresische Pate hat Norditalien
„von der Lombardei bis zum Veneto mit Blut kolonialisiert“. Die Aussagen
des Kronzeugen Giuseppe Di Bella zeigen,
„wie es der 'Ndranghta gelungen ist, sich in
Politik, Verwaltung, Arbeitswelt und Gesellschaft zu verwurzeln.“
Warum ausgerechnet die hanebüchene Aussage, der Tod Versaces sei inszeniert
gewesen, als er angeblich in Miami ermordet worden sei, sei er in Zürich
gewesen, in die Zitate zu Beginn aufgenommen wurde,
bleibt unverständlich. Elvis lebt?! Immerhin wird dann im entsprechenden
Kapitel relativiert, dies lasse sich wohl nur schwer durch Fakten stützen,
der Mord scheine das plausibelste Szenario zu sein. Das ist die
Untertreibung des Jahres. Im Versace-Kapitel geht es denn auch vor allem
darum, dass Giuseppe Di Bella auch angibt, er sei beauftragt worden, die
nach Italien überführte Asche des Modemachers zu stehlen. Giuseppe Di Bella
berichtet, Franco Coco Trovatore habe einen Modespleen gehabt. Gianni
Versace stammte wie der Pate aus Kalabrien. Doch kennengelernt hätten sie
sich wohl Anfang der Achtzigerjahre in Mailand. Die Freundschaft sei
allmählich immer enger geworden. Versace habe in seinem Unternehmen Geld der
'Ndranghta
gewaschen. Riesige Summen seien regelmässig in die Schweiz gebracht worden.
Di Bella und die Autoren spekulieren daher, weshalb der Modemacher 1997 in
Miami umgebracht wurde und weshalb seine Urne gestohlen werden sollte. Die
Versace-Familie dementierte klar, sie habe nie Geld gewaschen und sei in
keiner Form am Drogenhandel beteiligt.
Giuseppe Di Bella beschuldigt sich und andere Mitglieder der
'Ndranghta in Metastasen vieler neuer Delikte. Das verleiht
seinen Aussagen laut den Autoren Glaubwürdigkeit. Der Kronzeuge hat sich
nicht um die Aufnahme ins Zeugenschutzprogramm bemüht, weshalb er ein hohes
Risiko eingeht.
Neben den vielen Aussagen von Giuseppe Di Bella, die von den Journalisten
Gianluigi Nuzzi und Claudio Antonelli niedergeschrieben wurden, enthält das
Buch Metastasen ein Kapitel des Spiegelredakteurs Andreas Ulrich. Auf
den Seiten 237 bis 278 zeigt er nicht nur, wie sich die 'Ndranghta
seit Jahren unbehelligt in Deutschland, Österreich und der Schweiz
ausgebreitet hat, sondern auch, wie die Organisation, die als grösstes
Familienunternehmen der Welt bezeichnet wird, organisiert ist und
funktioniert. Zum besseren Verständnis hätte dieses Kapitel an den Beginn
gestellt werden sollen bzw. der Leser sollte einfach zuerst das spannende
Kapitel von Andreas Ulrich lesen, das auch einige Angaben zur Geschichte der
kalabresischen Mafia enthält und ihre „sieben Gesetze“
erläutert.
Gianluigi Nuzzi, Claudio Antonelli: Metastasen. Ein Kronzeuge der
’Nrdangheta enthüllt die Geheimnisse des grössten
Familienunternehmens der Welt. Ecowin Verlag, 2011, 279 Seiten. Buch
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