|
Pandreou gewinnt Vertrauensabstimmung
Einigung auf eine
Einheitsregierung ohne Papandreou
Hinzugefügt am 6.11.2011 um 22:10
Griechenland erhält eine
Einheitsregierung, aber ohne Papandreou. Die Zusammensetzung des Kabinetts
wird am Montag bekanntgegeben. Erst nach einer Übergangsphase wird es
Neuwahlen geben. Der ehemalige EZB-Vizepräsident Lucas Papademos ist als
neuer Premierminister im Gespräch.
Hinzugefügt am 5.11.2011 um 23:38
Finanzminister Venizelos soll mit kleineren Parteien
bereits über eine Regierungsbeteiligung oder zumindest über die
Unterstützung der Regierung verhandeln.
Die sozialistische Koalition der
Linken, die liberal-konservative Demokratische Allianz und die
nationalkonservative Laos scheinen in der Krise bereit, Verantwortung zu
übernehmen und allenfalls in die Regierung einzutreten. Die
konservativ-liberale Nea Dimokratia hingegen kann von ihrer
Fundamentalopposition nicht ohne Gesichtsverlust und Einbussen beim Wähler
abweichen und plötzlich die sozialdemokratische Pasok unterstützen.
ND-Führer Samaras könnte mit seinem Beharren auf frühzeitigen Neuwahlen ihm
Abseits enden - zumindest solange keine Wahlen anstehen. Alle Griechen sind
die Verlierer, denn im Moment haben sie das Vertrauen der restlichen
Europäer verloren.
Hinzugefügt am 5.11.2011 um 18:13
Die Übergangsregierung steht noch
nicht. Der Oppositionsführer Samaras (ND) besteht weiterhin nicht nur auf
dem Rücktritt von Papandreou, sondern auch auf Neuwahlen, da Papandreou die
Forderungen der NP nicht akzeptiert habe.
Ergänzung und Korrektur vom 5.11.2011 um 09:49
Die Vertrauensabstimmung hat
Papandreou mit 153
Stimmen im Parlament mit 300 Sitzen knapp gewonnen. Es waren allerdings nur
298 Parlamentarier anwesend. 145 stimmten mit Nein. Bereits heute soll die
Übergangsregierung vorgestellt werden. Finanzminister Evangelos Venizelos
gilt als grosser Favorit für den Posten.
Hinzugefügt am 5. November 2011 um 01:58
Oppositionschef Samaras bestand
ausdrücklich auf einem Rücktritt von Premierminister Papandreou als
Voraussetzung für Gespräche zur Bildung einer Übergangsregierung. Er zieht
ein Kabinett von Fachleuten vor, da er seine Partei vor den Wahlen nicht
durch brutale Sparmassnahmen belasten will. Als Oppositionsführer hat
Samaras den Wählern das Blaue vom Himmel herunter versprochen. Dazu gehören
bessere Bedingungen für die Rettungsmassnahmen der EU. Das ist reines
Wunschdenken, auch wenn der Deal sicher noch nachgebessert werden muss
(Schuldenschnitt von 60% bis 70% aus allen Staatsschulden, damit diese auf
rund 60% des BIP gesenkt werden), doch einfacher wird es für die Griechen
nicht.
Doch Griechenland braucht vor allem Strukturreformen. Das Land ist nicht
wettbewerbsfähig. Deutsche, französische und Firmen aus anderen kompetitiven
europäischen Ländern müssen in Griechenland investieren.
Papandreou ist politisch erledigt. Sein Referendum verkündete er ohne
Absprache mit der EU oder auch nur seiner Pasok. Details zum Inhalt der
Volksbefragung blieb er ebenso schuldig wie ein Datum. Die Märkte verlangen
Fakten und Taten, da ist kein Platz mehr für wochenlange Unsicherheit.
Zuerst ein Referendum, dann doch keines. Zuerst keine Neuwahlen, dann doch.
Zuerst kein Rücktritt, nun aber ist er unvermeidbar. Papandreou hat denn
auch angekündigt, dass er nicht an seinem Sessel klebt.
Auch Samaras hat sich bewegt. Zuerst wollte er weder eine Regierung der
nationalen Einheit noch eine Zustimmung zum EU-Euro-Rettungspaket. Jetzt ist
beides möglich.
Bei Merkel, Sarkozy und dem luxemburgischen Euro-Gruppenchef Junker riss der
Geduldsfaden mit Papandreou. Es darf nun offen über das ehemalige Tabu eines
möglichen Ausschlusses
Griechenlands aus der Eurozone diskutiert werden, falls die Reformen nicht
umgesetzt werden. So oder so, ob mit Euro oder mit Drachme, der Weg für die
Griechen wird noch steiniger werden.
Pandreou gewinnt Vertrauensabstimmung
Artikel vom 5. November 2011 um 00:31; korrigiert am 5.11.2011 um 09::49
Der griechische Premierminister
George Papandreou hatte hoch gepokert. Die Vertrauensabstimmung im
Parlament um Mitternacht vom 4. auf den 5. November 2011 hat er mit 153
Stimmen im Parlament mit 300 Sitzen knapp gewonnen. Es waren allerdings nur
298 Parlamentarier anwesend. 145 stimmten mit Nein.
Papandreous Idee eines
Referendums zu den EU-Euro-Gipfelbeschlüssen fiel allerdings selbst in
Griechenland durch. Neben Gesundheitsminister Loverdos, Verkehrsminister
Ragousis und Bildungsministerin Diamantopoulou hatte sich vor allem auch der
Rivale und Finanzminister Venizelos von der Idee einer Befragung des Volkes
zum von der EU geforderten Reformprogramm gewandt. Der sozialistische
Premier musste plötzlich zurückkrebsen. Doch seine Haut retten können wird
er wohl nicht mehr.
Bei einer Niederlage in der Vertrauensabstimmung in der Nacht vom 4. auf den
5. November 2011 drohten Neuwahlen innerhalb von 30 Tagen und vor allem der
Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone, was eine ökonomische Kaastrophe
bedeutet hätte, wobei auch die gegenwärtige Situation in der Eurozone nicht
viel besser ist.
Die Opposition um den Chef der konservativen Nea Dimoratia Antonis Samaras,
fordert den Rücktritt von Papandreou als Bedingung für eine Übergangs- oder
Einheitsregierung. Pikant ist, dass Samaras einst mit Papandreou ein Zimmer
am amerikanischen Amherst College in Massachusetts teilte. Die beiden duzen
sich noch heute, doch zur Kooperation ist Samaras nicht bereit. Papandreou
muss weg.
Der neue EU-Plan für Griechenland ist allerdings ein neuer schlechter Witz.
Nur die privaten Schuldner sollen freiwillig auf 50% ihrer Ansprüche
verzichten. Damit soll bis 2020 Griechenlands Schuldenlast
auf 120% des BIP sinken. Viel zu wenig und zu spät, um die Märkte zu
beruhigen. Die griechische Krise wird uns noch eine Weile erhalten bleiben.
Kindle eReader Geräte
- Kindle eBooks
-
Alle Aktionen bei Amazon.de
|
|