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Griechenland im Chaos
Artikel vom 3. November 2011 um 12:33
Das Griechenland Pleite ist, haben wir bereits im Mai
2010
festgehalten (frz. Artikel). Doch unsere Genies -
mit Merkel und Sarkozy an der Spitze - wollten es nicht wahrhaben bzw.
wollten ihre Banken
„retten“. Sie haben munter am Schuldenturm weitergebaut und
Griechenland wiederholt „gerettet“.
Die Neuigkeiten aus Griechenland überschlagen täglich, ja stündlich. Der
griechische Premierminister kam am 31. Oktober 2011 ohne Absprache mit
seiner Regierung und/oder der Euro-Partnerländer zum Schluss, Griechenland
brauche ein Referendum zum neuesten Griechenlandpaket der Eurozonenländer.
Kurz darauf wurde die einstimmige Zustimmung des griechischen Kabinetts zu
diesem Selbstmordkommando mitgeteilt. Doch die Einheit dauerte nicht lange.
Zuerst kam der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos mit der
Nachricht hervor, die Mitgliedschaft in der Eurozone könne nicht von einem
Referendum abhängen. Dann meldete sich noch der griechische
Entwicklungsminister Michalis Chryssohoidis, er könne das Referendum
ebenfalls nicht mittragen. Griechenland im Chaos, dieser Befund ist nicht
neu, aber immer offensichtlicher.
Inzwischen diskutieren die Eurozonen-Mitglieder offen, ob es nicht besser
sei, wenn Griechenland die Eurozone verlasse. Der griechische Stadt wäre
Pleite, die griechischen Banken ebenso. Die Kapitalflucht würde noch
grösser. Die neue griechische Währung verlöre gegenüber dem Euro wohl
mindestens 50% ihres Wertes. So oder so, ob die
Griechen in der Eurozone bleiben oder nicht, werden die Griechen um ein
Jahrzehnt harter Anpassungen nicht herumkommen. Sie haben sich den Platz in
der Eurozone erschwindelt und danach die billigen Kredite zum Konsum
genutzt. Ihre Löhne und Renten stiegen in unrealistische Dimensionen. Die
Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen ging endgültig verloren.
Auf Pump leben, Steuern hinterziehen, streiken und korrupt durchs Leben
gehen, all das gehört zu den griechischen Nationalsportarten. Doch damit ist
es nun vorbei. Das Land hat wirtschaftlich, finanziell, politisch und
moralisch abgewirtschaftet. Das Vertrauen in den griechischen Stadt und in
die Griechen ist dahin.
Doch auch die anderen Eurozonen-Mitglieder haben versagt. Der Geniestreich
des EU-Gipfels der letzten Woche bestand in einem freiwilligen 50%igen
Haarschnitt der privaten Gläubiger. Zudem sollen die europäischen
Steuerzahler den Griechen nochmals Hilfskredite in der Höhe von
€130 Milliarden gewähren. Der
Schuldenturm soll noch weiter wachsen. Bis 2020 soll so die griechische
Staatsschuld von 165% des Bruttoinlandsproduktes auf 120% des BIP sinken.
Das war eine neue Märchenstunde mit Merkel und Sarkozy. Im Mai 2010 hätte
ein 50%-Haarschnitt auf allen Schulden noch genügt. Heute ist ein
Schnitt von 60%, besser noch 70%, nötig. Die griechische Schuldenlast muss
auf rund 60% des BIP gedrückt werden. Gleichzeitig müssen die
wettbewerbsfähigen Europäer in Griechenland investieren. Die Griechen müssen
für weniger Geld länger und härter arbeiten. Nicht nur die Lohnstückkosten
müssen sinken, sondern die Qualität der Produkte und Dienstleistungen muss
verbessert werden. Der aufgeblähte Staatsapparat muss radikal verkleinert
werden. Der Arbeitsmarkt muss radikal flexibilisiert werden. Mit den
Privilegien ist es vorbei. Privatisierungen, der Verkauf von Staatsbesitz
zum Schuldenabbau, die Umsetzung längst versprochener Reformen muss rasch
erfolgen.
Von den europäischen
„Hilfsgeldern“ haben die Griechen natürlich überhaupt
nicht profitiert. Sie dienten wieder einmal der Rettung von Banken und
anderen Privatinvestoren. Der Finanzsektor - nicht nur in Europa - muss
reformiert werden. Niedrigere Steuern braucht es, nicht höhere. Dafür müssen
alle Steuerschlupflöcher gestopft werden. Dazu gehören auch Trusts. Die
Banken müssen verkleinert werden. Sie müssen in einem harten Wettbewerb
miteinander stehen. Sie dürfen mit einander nicht mehr so eng verknüpft
sein, damit Dominoeffekte ausgeschlossen werden. Banken müssen sich
spezialisieren, dürfen nicht mehr zu viele Aktivitäten gleichzeitig ausüben.
Das Schlüsselwort Glass-Steagall aus den USA zeigt nur einen nötigen
Reformansatz auf. Das Schuldenkarussell darf auf keinen Fall weiter geführt
werden. Eurobonds sind keine Lösung. Die ECB, der IWF und die
Nationalstaaten dürfen private Schulden nicht weiter übernehmen. Private
Risiken zu Lasten der Steuerzahler zu verstaatlichen ist kriminell.
Griechenland ist ein „failed state“, doch die
EU insgesamt, die USA und Japan, um nur die grössten Fische zu nennen,
bewegen sich in eine ähnliche Richtung. Damit muss es jetzt vorbei sein.
Nicht nur Papandreou wackelt, sondern die Schuldenwirtschaft bedroht die
Weltwirtschaft.
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