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Berlusconi verliert Mehrheit
Umberto Bossi von der Lega
Nord forderte um Mittag seinen Koalitionspartner Premier Berlusconi zum
Rücktritt auf; an seine Stelle solle der Generalsekretär von Berlusconis
Partei Volk der Freiheit Angelino Alfano treten
Berlusconi wird zurücktreten
Hinzugefügt am 8.11.2011 um 20:56
Laut Staatspräsident Napolitano
wird Berlusconi nach der Verabschiedung des Haushaltgesetzes mit den
Sparplänen zurücktreten. Beide Parlamentskammer werden voraussichtlich noch
diesen Monat die von Eurozonen-Leadern angemahnten Reformen verabschieden.
Italien ist zu gross, um von der EU gerettet zu werden. Es muss sich selbst
helfen.
Berlusconi verliert die
Mehrheit
Artikel vom 8. November 2011 um 16:22
Der Haushalts-Rechenschaftsbericht für das längst
abgelaufene Jahr 2010 ist eigentlich eine Routine-Abstimmung. In der
gegenwärtigen politischen Krise Italiens vor dem Hintergrund der noch viel
bedeutenderen europäischen und internationalen Schuldenkrise wurde sie
plötzlich zum Endspiel für Ministerpräsident Silvion Berlusconi. Der
Haushalt wurde zwar angenommen, aber im Unterhaus erhielt
Berlusconi von den 630 möglichen Stimmen nur 308, bei 321 Enthaltungen.
Berlusconi fehlt die Mehrheit.
Der mögliche endgültige Machtverlust von
Silvio Berlusconi hatte sich bereits
in den letzten Tagen abgezeichnet.
Zuletzt forderte um Mittag Umberto Bossi von der Lega Nord den Rücktritt des
Premier. An seine Stelle solle der Pdl-Generalsekretär Angelino Alfano
treten, den Berlusconi selbst schon früher als seinen Nachfolger ins Spiel
brachte, wenn auch erst für 2013.
Bereits heute morgen kündigten fünf Pdl-Parlamentarier an, sich bei der
Verabschiedung des Haushalts-Rechenschaftsberichts der Stimme zu enthalten.
Zuvor trat das ehemalige Showgirl Gabriella Carlucci aus Berlusconis Pdl aus
und der oppositionellen Udc bei. Der Unterstaatssekretär Enzo Scotti trat
aus der Regierung aus bzw. hat damit gedroht; bei dem ob seiner raschen
politischen Volten als
„Tarzan“ bekannten Politiker ist das nicht so klar. Der
Pdl-Regionalpräsident der Lombardei, Roberto Formigoni, äusserte, er habe
Berlusconi schon vor Monaten vorgeschlagen, öffentlich zu erklären, dass er
auf sein Amt zum Wohle des Landes verzichtet. Selbst in den
„Hauspostillen“ von Berlusconi folgten bereits Abgesänge auf den
Premier. Der Vizedirektor von Libero, Franco Bechis, twitterte,
Berlusconi werde am Montag oder Dienstag zurücktreten. Giuliano Ferrara
meinte in Il Foglio gar, der Rücktritt von Berlusconi sei eine Frage
von Stunden, wenn nicht gar Minuten. So schnell ist das Ende dann doch nicht
gekommen.
Die Sache mit dem Abgang des Cavaliere ist mit dem
Haushalt-Rechenschaftsbericht noch nicht ganz gegessen.
Es könnte in den nächsten zwei Tagen zu einer formellen Vertrauens- bzw.
Misstrauensabstimmung im Unterhaus kommen. Mit Bossi hat sich nun endlich
ein Brutus gefunden. Der reichste Mann Italiens wollte einfach nicht
abtreten, sondern den Verrätern im Parlament in die Augen schauen, wie er im
Vorfeld der heutigen Abstimmung drohend kundgegeben hatte.
Berlusconi musste bereits einwilligen, dass sein Reform- und Sparprogramm
vom IWF überwacht wird, um so Glaubwürdigkeit an den Märkten
zurückzugewinnen. Die Zinsen drohen, ausser Kontrolle zu
geraten (heute morgen beim 10-Jahre-Bond maximal bei 6,74%!). Die
Märkte wünschen sich nichts sehnlicher als den Abgang des Cavaliere.
Im Corriere della Sera titelte heute morgen Sergio Romano: „Lange Agonie, zusätzliche Kosten“.
Da Italiens Staatsschulden von €1900 Milliarden bzw. 120% des
BIP grösser als jene von Griechenland, Irland, Portugal und Spanien zusammen
genommen sind, ist Vertrauen in den italienischen Reformwillen dringend
nötig, um die Märkte zu beruhigen.
Doch mit der nun möglichen Abwahl der Regierung Berlusconi und baldigen
Neuwahlen ist es nicht getan. Der Opposition fehlt es nach wie vor an der
Einheit und an einem glaubwürdigen Programm. Alle Parteien müssen bis zu den
Wahlen den Italienern klarmachen, wie genau sie das Land aus der Krise zu
führen gedenken. Nach der Wahl wird klar sein, wer es mit wem versuchen
darf.
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