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Das Parlament billigt Montis
Reformkurs
Hinzugefügt am 19. November 2011 um 10:55
Nachdem auch die Kammer, das
italienische Unterhaus, mit 556 gegen 61 Stimmen bei total 630
Parlamentariern das Reformpaket angenommen hat, wird Mario Monti am Dienstag
sein Reformprogramm der EU vorstellen. Die schwierigste Aufgabe wird wohl
darin bestehen, die italienische Mentalität zu verändern. Unter den 61
Neinsagern im Unterhaus waren die 59 Abgeordneten der Lega Nord, die im
Moment die einzige Opposition bilden. Fraktionschef Marco Reguzzoni hat
allerdings vermittelnd angekündigt, die Lega werde eine
„pragmatische, intelligente und keine ideologische Opposition“ sein.
Das Parlament billigt Montis
Reformkurs
Artikel vom 18. November 2011 um 15:27
Nach dem Senat hat auch das Unterhaus (Camera dei
deputati) wie erwartet Montis Reformkurs gebilligt. Einzig die Lega Nord
bekräftigte sich als Oppositionskraft, die der neuen Regierung ablehnend
gegenüber steht.
Der neue Premierminister Mario Monti hat in der Abgeordnetenkammer nicht
sein am Vortag im Senat präsentiertes Regierungsprogramm nochmals
vorgestellt, sondern sich auf wenige Punkte konzentriert. Er machte zum
Beispiel kurze Ausführungen zum Federalismus sowie einige persönliche
Bemerkungen. So meinte er lächelnd, er werde als
„Presidente del Consiglio“ (Premierminister) nur kurze Zeit
dauern. Von Giovianni Spadolini entlehnte er das
Bonmot:
„I presidenti passano, i professori restano“, weshalb man ihn
durchaus weiterhin Professor nennen dürfe.
Mario Monti zitierte daneben mit sichtlichem Vergnügen den Economist,
der nach der Verhinderung der Fusion von General Electric mit Honeywell
geschrieben hatte, in den USA werde Monti der
„Saddam Hussein der Wirtschaft“ genannt: „Many American businessmen
have regarded Mario Monti as the corporate equivalent of Saddam Hussein“.
Als EU-Wettbewerbskommissar hatte Monti sich erfolgreich mit Monopolisten
und Oligopolisten wie Microsoft und General Electric angelegt, sehr zum
Wohle der Konkurrenz und der Konsumenten.
Weitere November-Artikel zu Italien:
Die Regierung Monti,
Berlusconis Volk der Freiheit steht hinter Mario
Monti,
Mario Monti bald neuer Regierungschef in Italien,
Berlusconi verliert Mehrheit,
Vertraute und Partner verlangen Abgang Berlusconis.
Nach Mario Monti sprach unter anderen noch Antonio Di Pietro von Italia dei
Valori, der die Vorgängerregierung Berlusconi zurecht angriff, doch danach
nicht plausibel machen konnte, weshalb seine Partei der neuen Regierung im
Parlament zuerst nicht das Vertrauen aussprechen wollte. Nun hat er seine
Meinung zurecht in letzter Minute geändert und wird dem Kabinett Monti das
Vertrauen aussprechen, allerdings ohne Blankoscheck: „Voteremo la fiducia,
ma non possiamo accettare al buio il vostro e il suo programma, ma non
perché abbiamo qualcosa da ridire ma perché non la conosciamo.“ Es
sei an Montis Regierung, Italiens internationale Glaubwürdigkeit
wiederherzustellen: „A voi tocca il compito di riscattare la credibilità
dell'Italia agli occhi dell'opinione pubblica internazionale.“
Silvio Berlusconi äusserte sich im Fernsehen gegenüber dem Tg5 lobend
zur neuen Regierung: Die neuen Minister seien kompetent. Er meinte zudem,
die schönen Worte von Monti für ihn und seinen Adlatus Gianni Letta seien
gerechtfertigt gewesen: „Credo francamente che ce le meritavamo“.
Der Generalsekretär der bisher grössten Oppositionspartei, Pier Luigi
Bersani von den Demokraten, sagte im Parlament, innerhalb von zehn Tagen sei
Italien in ein neues Universum gewechselt: „Oggi siamo in un altro universo“,
worauf er stolz sei, denn wo sonst wäre so etwas möglich?
Nach dem Senat mit 281 gegen 25 Stimmen bestätige heute soeben das Unterhaus
mit seinen 630 Mitgliedern den Reformkurs von Mario Monti mit 556 Stimmen.
Die Staatsschulden von €1900 Milliarden bzw. 120% des
Bruttosozialprodukts müssen durch einen harten Sparkurs, verbunden mit
strukturellen Reformen, über einen Zeitraum von wohl rund einem Jahrzehnt
allmählich abgebaut werden. Es wird besonders schwierig werden, die
Mentalität der Italiener zu ändern. Streiks, Schlendrian, Steuerflucht,
Schwarzarbeit und organisierte Kriminalität sind nur einige Schlagworte
hierzu. Nach der Bestätigung durch das Parlament geht es nun an die
Arbeit. Wie lange wird die Einheit der Parteien halten?
Italien, Europa und die Welt können sich ein Scheitern nicht leisten.
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