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Vertraute und Partner verlangen
Berlusconis Abgang
Artikel vom 3. November 2011 um 14:28
Berlusconis Ende naht - wieder einmal. Der Lega-Chef Umberto Bossi
soll Regierungschef Silvio Berlusconi ohne Erfolg den Rücktritt
nahe gelegt haben:
„Ich habe Berlusconi zum Rücktritt aufgefordert. Es ist aber sinnlos, er
tut es nicht“, meinte der seit einem Schlaganfall 2004 kranke „Senatùr“. Dabei hätte er ihm bei der letzten Vertrauensabstimmung einfach
die Unterstützung verweigern können. Keiner wagt es, den Multimilliardär mit
seinen unzähligen Interessenkonflikten vom
Thron zu stossen. Die Opportunisten, Günstlinge, Speichellecker und devoten
Jasager dominieren in der Regierungskoalition.
Ferrucio de Bortoli schrieb im Corriere della Sera, die Zeit
Berlusconis sei vorbei. Sein Widerstand gegen seinen Abgang mache keinen
Sinn mehr. Der Popolo della Libertà (PDL) müsse ihn zum Rücktritt drängen,
da er sonst die Partei in den Abgrund mitzureissen drohe.
Sechs Abgeordnete des PDL forderten in einem Brief den Rücktritt ihres
Regierungschefs. Sie schlagen die Bildung einer Koalition mit den
Oppositionsparteien vor, um so das Vertrauen in Italien und in seine
Reformen wiederherzustellen. Zu den sechs gehört auch der ehemalige
Präsident der Region Friaul und ehemalige Vertraute Berlusconis, Roberto
Antonione. Er verliess die PDL. Berlusconi müsse das Handtuch werfen. Die
Regierung sei nicht mehr regierungsfähig, da sie über keine Mehrheit mehr
verfüge.
Der italienische Unternehmer, unter anderem als ehemaliger Fiat- und
jetziger Ferrari-Präsident, Luca Cordero di Montezemolo hat ebenfalls
Premierminister Berlusconi zum Rücktritt aufgefordert. Die Regierung liege
wegen internen Konflikten lahm, schrieb er in einem Gastbeitrag in der
Repubblica. Die Opposition habe allerdings ebenfalls nur eine konfuse
Wirtschaftspolitik zu offerieren, meinte er richtigerweise. Neuwahlen seien
daher keine Lösung. Montezemolo mahnte Verfassungsreformen, ein kleineres
Parlament, eine Rentenreform und Liberalisierungen an. Seit langem werden
dem Ferrari-Präsidenten politische Ambitionen nachgesagt. Mit dem
Präsidenten der Abgeordnetenkammer Gianfranco Fini versteht er sich gut.
Dieser war dabei, als Montezemolo 2009 die Stiftung Italia Futura
gründete, die in eine Partei umgewandelt werden könnte. Laut Umfragen könnte
diese neue Kraft um die 20% der Stimmen bei Wahlen erreichen.
Die Präsidentin des wichtigsten italienischen Unternehmerverbandes,
Confindustria, Emma Marcegaglia, forderte von Berlusconi unlängst entweder
schnelle Reformen oder sonst den Rücktritt. Laut einer September-Umfrage des
Wirtschaftsmagazins Il Mondo hatten bereits damals 78% der
Unternehmer wenig bis sehr wenig Vertrauen in Berlusconi.
Die Zinsen auf den italienischen Staatschulden haben die 6%-Grenze deutlich
überschritten. Da Italien mit 120% des Bruttosozialprodukts in der Kreide
steht, bedeutet ein Anstieg der Zinsen, dass die Reformanstrengungen noch
verstärkt werden müssen, also mehr Einnahmen zum Beispiel über höhere
Steuern oder weitere Ausgabenkürzungen nötig werden.
Am späten 2. November 2011 gelang es der Regierungskoalition nicht, sich auf
Reformen zu einigen, welche das Wachstum stimulieren und die Staatsschuld
verringern sollten. Berlusconi reiste heute folglich mit ziemlich leeren
Händen an den G20-Gipfel. Solange er in der Regierungsverantwortung steht,
wird es Italien nicht gelingen, das Vertrauen der internationalen
Gemeinschaft und der Märkte in die Glaubwürdigkeit der italienischen
Reformen zu gewinnen.
Die oppositionelle Demokratische Partei Italiens forderte am 1. November
2011 den Staatspräsidenten Giorgio Napolitano, der aus ihren Reihen stammt,
dazu auf, Ministerpräsident Silvio Berlusconi sofort abzusetzen und noch vor
dem G20-Gipfel vom 3. November eine neue Regierung zu bilden, was auch nicht
gerade von Realitätssinn zeugt.
Noch beteuert Regierungschef Silvio Berlusconi, er werde bis zum regulären
Ende der Legislaturperiode 2013 im Amt bleiben.
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