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Die Schweizer Bundesratswahlen
Ein Tag ohne Überraschungen
Hinzugefügt am 14.12.2011 um 12:50
Noch ein Nachtrag: Soeben wurde Eveline
Widmer-Schlumpf mit 174 von 211 gültigen Stimmen zur Bundespräsident
gewählt.
Alain Berset im zweiten Wahlgang gewählt
Hinzugefügt am 14.12.2011 um 11:58
SP-Ständerat Alain Berset schaffte es im zweiten Wahlgang mit 126 von
245 gültigen Stimmen in den Bundesrat. Berset nahm die Wahl an. Ein Wahltag
ohne Überraschungen ist vorbei.
Der zweite SP-Sitz ebenfalls sicher
Hinzugefügt am 14.12.2011 um 11:42
SP-Ständerat Alain Berset galt
als Favorit gegen seinen Parteikollegen Pierre-Yves Maillard.
Alain Berset gewann im ersten Wahlgang 114 von 243 gültigen Stimmen. Auf
Maillard entfielen 59 Stimmen. Jean-François Rime von der SVP kam auf 59
Stimmen (wohl alle aus seiner Partei). Die Tessiner und andere, die für das
Tessin einen Sitz wünschen, brachten 10 Stimmen für Marina Carobbio auf.
Berset fehlten nur 8 Stimmen im ersten Wahlgang.
Johann Schneider-Ammann (FDP) sicher wiedergewählt
Hinzugefügt am 14.12.2011 um 11:11
Johann Schneider-Ammann wurde mit 159 von 234
gültigen Stimmen sicher wiedergewählt. Auch dieser Angriff der SVP auf ihren
einzigen Partner vor der Wahl schlug wie erwartet fehl.
Simonetta Sommaruga (SP) sicher wiedergewählt
Hinzugefügt am 14.12.2011 um 10:57
Der SVP-Angriff auf den SP-Sitz wurde
locker abgewehrt. Die SVP gegen alle (inklusive FDP), das konnte nicht
funktionieren. Simonetta Sommaruga wurde mit 179 von 242 gültigen Stimmen
sicher wiedergewählt.
Caspar Baader (SVP) will für
die SVP einen zweiten Bundesrat
Hinzugefügt am 14.12.2011 um 10:39
SVP-Fraktionschef Caspar Baader
von der SVP erklärte soeben sinngemäss, die SVP fühle sich nicht mehr an die
Absprachen vor den Wahlen gebunden, da der BDP-Sitz bestätigt worden sei.
Die SVP werde nun alle anderen noch zur Wahl stehenden Bundesräte angreifen.
Sie besteht auf einem zweiten Bundesratssitz. Nationalratspräsident Walter
steht als SVP-Kandidat nicht mehr zur Verfügung. Die SVP empfiehlt
Jean-François Rime zur Wahl. Erstaunlicherweise griff Caspar Baader die FDP
an. Diese habe teilweise für die BDP gestimmt. Das lässt sich allerdings bei
geheimer Wahl nicht nachweisen. Vor allem scheint es auf Grund der
Stimmenzahlen sogar unwahrscheinlich.
Didier Burkhalter
(FDP)
sehr sicher wiedergewählt
Hinzugefügt am 14.12.2011 um 10:28
Didier Burkhalter von der FDP wurde wie erwartet im
ersten Wahlgang mit guten 194 von 232 gültigen Stimmen sicher wiedergewählt.
Ueli Maurer
(SVP)
sicher wiedergewählt
Hinzugefügt am 14.12.2011 um 10:07
Bundesrat Ueli Maurer von der SVP wurde wie erwartet wiedergewählt. Er
erhielt im ersten Wahlgang 159 von 226 gültigen Stimmen. Von einem Rückzug
der SVP aus dem Bundesrat ist noch nichts zu hören. Findet sich die SVP mit
nur einem Bundesratssitz ab?
Eveline Widmer-Schlumpf (BDP)
sicher wiedergewählt
Hinzugefügt am 14.12.2011 um 09:44
BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf wurde ebenfalls wie erwartet wie Doris Leuthard im ersten
Wahlgang wiedergewählt. Widmer-Schlumpf erhielt 131 von 239 gültigen
Stimmen.
Doris Leuthard (CVP) glänzend
wiedergewählt
Hinzugefügt am 14.12.2011 um 09:21
Bundesrätin Doris Leuthard wurde
als erstes zur Wahl stehendes Regierungsmitglied wie erwartet wiedergewählt
(mit 216 von 227 gültigen Stimmen). SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli sagte
zuvor am Schweizer Fernsehen, die Schweiz erlebe nun wohl mit der Wiederwahl
von Eveline Widmer-Schlumpf den Bruch der Konkordanz.
Hinzugefügt am 14.12.2011 um
09:03
Bereits zuvor hatte Antonio
Hodgers von den Grünen festgehalten, die SVP habe das Vertrauen der Grünen
verloren. Hatte die SVP demnach zuvor das Vertrauen der Grünen besessen?
Natürlich nicht. Kein rhetorisches Glanzlicht.
Hinzugefügt am 14.12.2011 um
08:58
Die Grünliberalen setzen sich
gegen einen zweiten Sitz für die SVP ein.
Hinzugefügt am 14.12.2011 um
08:53
Nicht wirklich logisch wirkte der
Hinweis von Ursula Wyss, die SP hätte die SVP unterstützt, wenn diese
beschlossen hätte, die FDP anzugreifen. Urs Schwaller von der CVP erklärte,
seine Partei werde Eveline Widmer-Schlumpf wiederwählen.
Hinzugefügt am 14.12.2011 um 08:47
Die SP-Fraktionschefin Ursula
Wyss sprach sich für die Wiederwahl der BDP-Bundesrätin Evelyne
Widmer-Schlumpf aus. Casper Baader hatte zuvor den Anspruch der SVP auf eben
diesen Sitz betont. Nicht wirklich logisch wirkte ihr Hinweis, die SP hätte
die SVP unterstützt, wenn diese beschlossen hätte, die FDP anzugreifen.
Hinzugefügt am 14.12.2011 um
08:39
Der SVP-Fraktionschef Caspar
Baader betonte sinngemäss, die Bundesversammlung habe die Wahl zwischen
einer Wiederherstellung der Konkordanz und dem Übergang zu
Koalitionsregierungen mit Opposition und Regierung. Die SVP stehe für die
Konkordanz und schlage daher Doris Leuthard (CVP) zur Wiederwahl vor (sie
steht zuerst zur Wahl).
Hinzugefügt am 14.12.2011 um 08:29
In ihrer Abschiedsrede betonte
Bundesrätin Michelin Calmy-Rey unter anderem, dass die Schweiz in der
globalisierten Welt nicht abseits stehen dürfe und international Präsenz zeigen
müsse.
Hinzugefügt am 14.12.2011 um 07:45
Ein SP-Vertreter hat noch einmal
klargestellt, dass die Partei geschlossen wie vereinbart abstimmen werde
(also für den BDP-Sitz von Frau Widmer-Schlumpf) und dass sie die FDP nicht
angreifen werde. Demnach dürfte der Bundesrat in der Zusammensetzung
unverändert bleiben. Es dürfte daher nur einen neuen Nachfolger für
Micheline Calmy-Rey geben, die Abtritt (wohl einen der zwei offiziellen
SP-Kandidaten: Ständerat Alain Berset gilt als Favorit, Pierre-Yves Maillard
als Aussenseiter). Sehen wir mal...
Schweizer Bundesratswahlen
Artikel vom 14. Dezember 2011 um 00:22
Die Schweizer Bundesratswahlen sind der mediale
Höhepunkt des politischen Jahres. Nur alle vier Jahre - nach den
Parlamentswahlen - folgen die
Gesamterneuerungswahlen des Bundesrats. Die 246 Mitglieder der Vereinigten
Bundesversammlung bestehend aus 200 National- und 46 Ständeräten wählt die 7
Mitglieder der Schweizer Regierung. Die Höhepunkte bilden wohl die mögliche
Wiederwahl bzw. Abwahl von Eveline Widmer-Schlumpf (ihr Sitz steht als
zweiter zur Disposition) sowie die Ersatzwahl für Eveline Calmy-Rey (ihr
Sitz wird zuletzt vergeben). Ein FDP-Sitz könnte allenfalls noch wackeln.
Zum Prozedere: Bei geheimer
Wahl ist im ersten Wahlgang gewählt, wer die absolute Mehrheit aller
gültigen Stimmen erreicht. Ab dem zweiten Wahlgang scheidet aus, wer weniger
als 10 Stimmen erhält. Ab dem dritten Wahlgang sind keine neuen Kandidaten
mehr zugelassen und der letztplatzierte Kandidat scheidet aus.
Die Ausgangslage ist eigentlich einfach: Die SVP mit
rund 26,6% (-2,4%) der Wählerstimmen bei den Nationalratswahlen sollte im siebenköpfigen Bundesrat laut dem
schweizerischen Konkordanzsystem als noch immer klare grösste Partei mit zwei Bundesräten vertreten sein. Bei
der heutigen Neuwahl des Bundesrates sollte daher Eveline Widmer-Schlumpf
von der BDP abgewählt und durch einen SVP-Vertreter ersetzt werden.
Die Lage wird kompliziert durch den Fakt, dass Eveline Widmer-Schlumpf (BDP)
einst als SVP-Vertreterin in den Bundesrat gewählt worden war, und zwar
gegen den Willen der SVP-Parteileitung und der Mehrheit der
SVP-Parlamentarier.
2007 wurde für die neue Bundesrätin der SVP Charismatiker Christoph Blochwer
abgewählt. Was für ein Affront! Eine Nichtwahl
bzw. Abwahl eines amtierenden Bundesrates ist ein äusserst seltenes
Ereignis. In der Folge wurde Eveline Widmer-Schlumpf aus der SVP gedrängt,
indem die Bündner-SVP aus der gesamtschweizerischen SVP ausgeschlossen
wurde. Am 1. November 2008 wurde daraufhin die Bürgerlich-Demokratische
Partei BDP gegründet.
Die Sozialdemokraten (SP) machen es sich einfach. Sie wollen der SVP keinen
zweiten Bundesratssitz zubilligen, weil dies die Rechtspopulisten nicht auf
kosten der Liberalen (FDP) machen wollen. Der FDP stehen jedoch als
drittgrösster Partei hinter SVP und SP zwei Sitze zu. Ein Angriff der SVP
auf die FDP würde den Zusammenhalt im rechten Lager nachhaltig zerstören.
Doch wer weiss, wie eine angeschlagene SVP-Fraktion im Affekt im Parlament
bei geheimer Wahl stimmt? Ein Angriff auf den Sitz von Johann
Schneider-Ammann, der als sechster und zweitletzter zur Wiederwahl antritt,
kann nicht völlig ausgeschlossen werden.
Die SP und die Grünen
werden in jedem Fall Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf wieder wählen, wie
sie im Vorfeld der Wahl betonten. Auch die Grünen, die Grünliberalen, Teile
der CVP und natürlich die BDP werden ebenfalls die BDP-Vertreterin wählen.
Damit scheint ihre Wiederwahl gesichert, da einzig die FDP die SVP beim
Kampf um einen zweiten Bundesratssitz unterstützt. Dabei ist es natürlich
von Bedeutung, dass die FDP ihrerseits um ihren zweiten Sitz bangt.
Insbesondere Bundesrat Johann Niklaus Schneider-Ammann hat sich in seinem
ersten Regierungsjahr noch nicht als starkes Mitglied des Kabinetts
etablieren können. Das Trostpflaster für die Rechte bleibt, dass ihr die
Mehrheit mit vier Sitzen im Bundesrat in allen Szenarien erhalten
bleibt (2 FDP, 1 SVP und 1 BDP oder 2 SVP und 2 FDP oder 2 SVP, 1 FDP und 1
BDP).
SVP-Kandidat Hansjörg Walter wird vom Parlament eigentlich geschätzt,
deshalb wurde er ja zum Nationalratspräsidenten gewählt. Dennoch hat er
keine Chance, wenn sich alle Parteien an ihre Vorgaben halten. Walter ist
übrigens der Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes. Landwirte
stellen 30 Parlamentarier in den zwei Kammern mit 246 Mitgliedern. Das ist
weit mehr als der prozentuale Anteil der Bauern an der Gesamtbevölkerung und
am Bruttosozialprodukt. Wie in der EU, so ist auch in der Schweiz die
Landwirtschaftspolitik ein einziger illiberaler Sumpf von Subventionen,
Quoten, Protektionismus und anderen Perversionen. Die sich als
wirtschaftsliberale Kraft verkaufende SVP mit ihrem Parteipräsidenten, Bauer
Toni Brunner, stört sich an diesem Widerspruch nicht. Der Rest des
Parlaments macht ebenfalls keine Anstalten, dem Agrarsumpf ein Ende zu
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Am Ende des Wahltags steht die Neuwahl eines SP-Bundesrates für die
abtretende diesjährige Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey an. Sollte
zuvor der zweite SVP-Vertreter nicht gewählt worden sein und/oder der zweite
FDP-Sitz angegriffen worden sein, könnte die
Retourkutsche durch SVP und FDP kommen. Gesellen sich zu dieser Minderheit
noch weitere Unzufriedene aus der CVP und anderen Parteien, könnte es
vielleicht sogar zu einem Doppelschlag kommen und nach der SVP auch die SP
ihren zweiten Sitz verlieren. Das scheint zwar im Moment unwahrscheinlich, doch zuerst
muss die SP 123 Stimmen für ihren Kandidaten gewinnen, denn auf Grund des Anciennitätsprinzips erfolgt die Ersatzwahl für Micheline Calmy-Rey zuletzt.
Allerdings hat die FDP nur zwei schwache Sitze in der Regierung. Sollte sie
zu diesem Zeitpunkt noch immer zwei Sitze haben, wird sie es
kaum wagen, die SP anzugreifen, denn bei den nächsten Bundesratswahlen würde
sie dafür die Quittung von den Sozialdemokraten erhalten, den zusammen nur
mit der SVP kann sich die FDP im Parlament nicht durchsetzen.
Die Rechtspopulisten von der SVP sind ein unappetitliches Völkchen. Doch
verweigert man die Abwahl der durchaus fähigen Eveline Widmer-Schlumpf, so
bricht man endgültig mit der seit 1959 bestehenden Konkordanzformel. Dadurch
besteht das Risiko, dass die SVP in die Opposition geht und dort vielleicht
nochmals stärker wird oder noch für mehrer Jahre bei gegen 30% verharrt,
wohin sie ihr charismatischer Führer Christoph Blocher mit widerlichen
ausländerfeindlichen Wahlkampagnen gebracht hat. Wie die SVP auf die
Verweigerung eines zweiten Bundesratsitzes reagieren wird, ist noch unklar.
Wird SVP-Bundesrat Ueli Maurer sein Amt aufgegeben und die SVP den Gang in
die Opposition antreten? Die Partei hat sich noch nicht dazu geäussert.
Die
Parlamentswahlen 2011 hatten eigentlich das Ende des Wachstums der
SVP signalisiert. Nicht nur wurde die SVP im
Nationalrat zurückgestuft, sondern der Angriff auf den Ständerat fand
ebenfalls nicht statt (nur 5 SVP-Ständeräte wurden gewählt, gegenüber 11 für
die FDP und 11 für die SP). Ist die SVP in die Regierung einbinden nicht die bessere Strategie
als die Verweigerung eines zweiten Bundesratssitzes für die
Rechtspopulisten? Bereits 2009 konnte die SVP als Regierung und Opposition
in einem ihre
„luminose“
Minarett-Initiative
beim Volk durchbringen. Das gibt einem zu denken.
Die Zauberformel ist natürlich eine heilige Kuh, die durchaus irgendwann
geschlachtet gehört. Der Schreibende könnte hervorragend mit der BDP-Vertreterin
Eveline Widmer-Schlumpf anstelle eines zweiten SVP-Vertreters
und zum Beispiel mit einem Grünliberalen anstelle eines zweiten
SP-Bundesrates leben. Doch die Schweiz profitiert
stark von ihrer politischen Stabilität. Diese in einer internationalen
Krisen- und Umbruchszeit aufs Spiel zu setzen, bedeutet ein Risiko. Dieses
kann man eingehen, wenn man ein Konzept hat, das breit abgestützt ist. Doch
davon kann zur Zeit nicht die Rede sein.
Eine
neue Zauberformel könnte zum Beispiel die sieben Regierungssitze auf alle
Parteien nach einem erweiterten Links-Rechts-Schema verteilen, in dem auch
die kleineren Parteien berücksichtigt werden. Der Möglichkeiten gibt es
viele, doch die Diskussion neuer Regierungskoalitionen hat noch nicht
wirklich stattgefunden. Vielleicht entsteht eine neue Formel dadurch, dass
neue Fakten geschaffen werden. Die Schweizer Politik ist wieder einmal - zumindest für
einen Tag - spannend!
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