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Panik in Lettland
Angst vor einer neuen Bankenpleite
Artikel vom 12. Dezember 2011 um 16:58
  
Das junge, demokratische Lettland kann seit der Loslösung von der Sowjetunion bereits auf eine lange Geschichte von Bankenpleiten zurückblicken (siehe unseren englischen Artikel von 2006 zum lettischen Bankensystem). Im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise von 2008 ging sogar die zweitgrösste lettische Bank, die Parex Bank, pleite bzw. musste verstaatlicht werden. Im November 2011 schliesslich musste die Latvijas Krajbanka wegen Betrugsvorwürfen gegen die litauische Bankenmutter Snoras geschlossen werden. Bankeinlagen bis €100,000 wurden vom lettischen Staat garantiert.

Seit der Bankenpleite von 2008 dominieren die Skandinavier die lettische Bankszene, und zwar die Swedbank, die SEB sowie die Danske Bank. In Dänemark wurde darüber spekuliert, ob der Staat eine Pleite der der Danske Bank kontrollieren könnte, was die Unsicherheit in Lettland vergrösserte.

Als am Sonntag, 11. Dezember, das Gerücht aufkam, die Swedbank (bis 2009 in den baltischen Staaten als Hansabank bekannt), die grösste lettische Bank, sei in Schwierigkeiten, löste dies in Lettland Panik aus. Massenweise hoben die Letten Geld ab. Bis am Montag früh wurden so von über 10,000 Bankkunden rund 130 von knapp 300 Geldautomaten der Swedbank geleert. Insgesamt sollen rund €15 Millionen abgehoben worden sein. Der Swedbank-Chef in Lettland, Maris Mancinskis, dementierte die Gerüchte über eine finanzielle Schieflage seiner Bank als grundlos und absurd und machte klar, weniger als ein Prozent der gesamten Einlagen der Bank seien abgehoben worden. Sein Auftritt im lettischen Frühstücksfernsehen war nötig geworden, um der Panik die Spitze zu brechen, denn auch solide Bankhäuser können durch Massenrückzüge ins Wanken gebracht werden. Die Swedbank gilt als eine der bestkapitalisierten europäischen Banken. Doch die wiederholten Bankenpleiten haben die Letten zu gebrannten Kindern gemacht, die weder der Politik noch der Wirtschaft trauen.

Im Zuge der allgemeinen Panik in Lettland geriet auch der schwedische Konkurrent in Lettland, SEB, unter Druck. Auch diese zweitgrösste Bank im Baltikum verzeichnete einen Run von beunruhigten Anlegern, die dem Internet- und insbesondere Twitter-Gerücht über finanzielle Schwierigkeiten und den Rückzug schwedischer Banken aus dem Baltikum glaubten.

Der schwedische Bankenaufsichtschef Martin Noren betonte heute, die Geldabhebungen in Lettland bedeuteten lediglich ein
„kurzfristiges Liquiditätsproblem“. Die Swedbank verfüge in Lettland über rund 2,33 Milliarden Euro und habe deshalb genügend Kapital und Liquidität zur Verfügung, um die Krise zu bewältigen. Die Kurse der Swedbank wie der SEB fielen heute.

Den Kontrapunkt zur Panikmache bildete ein Interview des lettischen Regierungschefs Valdis Dombrovskis in der heutigen FAZ. Er betonte darin, Lettland werde bereits 2012 ein Haushaltsdefizit von unter 2,5% des BIP präsentieren und könne Anfang 2014 wie geplant den Euro einführen. Die lettische Wirtschaft sei 2009 noch um 18% geschrumpft, doch 2011 wachse sie bereits wieder 5%, nachdem der Staatshaushalt um 17% des BIP gekürzt, die Zahl der Staatsbediensteten um 30% verringert und die öffentlichen Gehälter um 40% beschnitten worden waren, wie die FAZ festhielt.

Dombrovskis führte seit März 2010 ein Minderheitenkabinett in Riga. Nach den vorgezogenen Neuwahlen vom 17. September 2011 übernahm er am 25. Oktober 2011 dank der Wahl mit 57 Stimmen im Parlament mit 100 Mitgliedern das Regierungsamt. Seine Mitte-Rechts-Koalition besteht aus Zatlers Reformpartei des ehemaligen Staatspräsidenten Valdis Zatlers (ZRP; 20,8% der Wählerstimmen und 22 Sitze im Parlament), der liberal-konservativen Einigkeit (Vienotiba; 18,8% und 20 Sitze) und der ultranationalistischen, rechtspopulistischen und rechtsradikalen Nationalen Vereinigung alles für Lettland - Für Vaterland und Freiheit / Lettische Unabhängigkeitsbewegung (VL-TB/LNNK; 13,9% und 14 Sitze). Die VL-TB/LNNK hetzt schon mal gegen Ausländer und Schwule und will
nicht assimilierte Russen des Landes verweisen.

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