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Eine grosse Koalition im Saarland?
Nach dem Fluch der Karibik ein
Wintermärchen mit Schwarz-Rot?
Hinzugefügt am 20. Januar 2012 um
09:02
Gestern betonte SPD-Chef
Heiko Maas, um tiefgreifende strukturelle Massnahmen durchzusetzen, sei eine
möglichst grosse Legitimation durch Neuwahlen unumgänglich. Er erteilte
Rot-Rot eine Absage, da wegen der Nichtanerkennung der Schuldenbremse keine
Grundlage der Zusammenarbeit mit der Linkspartei bestehe.
Hinzugefügt am 19. Januar 2012 um 19:18
Ministerpräsidentin
Kramp-Karrenbauer und Oppositionsführer Maas haben sich nicht auf eine
grosse Koalition geeinigt. Jetzt stehen im Saarland schnellstmögliche
Neuwahlen an, wie beide Seiten betonten. Die nächste reguläre Wahl wäre erst
2014 vorgesehen gewesen.
Artikel vom 19. Januar 2012 um 10:58
Kommt die schwarz-rote Regierung im Saarland?
Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und SPD-Landeschef Heiko Maas
könnten sich heute Nachmittag in einem Vier-Augen-Gespräch
auf die Aufnahme von Verhandlungen für
eine grosse Koalition einigen. Die SPD will eine
vorgezogene Landtagswahl bereits im Herbst 2013 parallel zur Bundestagswahl.
Das Kabinett soll von sechs auf acht Ministerien plus Ministerpräsidentin
und Staatskanzlei verkleinert werden. Die SPD soll auf Augenhöhe mitregieren
und daher drei Ministerposten erhalten, wobei natürlich das
Ministerpräsidentenamt der CDU einen strategischen Vorteil gäbe. Bei
sofortigen Neuwahlen könnte die SPD bei neu gemischten Karten selbst auf
diesen Posten hoffen.
Zum Glück hatte sich Oskar Lafontaine sofort auf Neuwahlen und eine Absage
an Rot-Rot festgelegt, sodass sich eine Grosse Koalition aufdrängt, welche
der SPD von der Ministerpräsidentin ohnehin bereits angeboten worden war.
Die erste
Jamaika-Koalition in Deutschland endete im Saarland als
„Fluch der Karibik“, wie der damals oppositionelle Heiko Mass bereits
nach einem Jahr jener Regierung bilanzierte. Doch ob Schwarz-Rot nun
allenfalls zum Wintermärchen wird, bleibt abzuwarten. Das Saarland leidet an
hohen Schulden. Die Haushaltskonsolidierung bleibt weiterhin ein Desiderat.
Mit CDU und SPD fänden zwei
„sozialdemokratische“ Parteien zusammen, was die notwendigen Reformen
nicht leichter machen würde. Spätestens das nächste Budget würde zeigen,
wohin der Weg geht.
Im Saarland mit rund einer Million Menschen legte die Staatsschuld vom
Dezember 2007 mit €9,1 Milliarden bis im Dezember 2009
auf €11,2 Milliarden zu. Daher schien 2009 ein Neuanfang in
einer neuen Parteinkonstellation durchaus sinnvoll. Doch Schwarz-Gelb-Grün
fand nie richtig zusammen. Vor allem die Liberalen machten immer wieder mit
Skandalen und internen Reibereien von sich reden.
Unruhe brachte wohl auch der Abgang von Ministerpräsident Peter Müller, der
das Saarland von 1999 bis 2011 regierte. Als im August 2009 seine CDU zum
ersten Mal seit seiner Wahl die absolute Mehrheit verlor, wurde
Schwarz-Gelb-Grün zu seinem unerwarteten Rettungsanker. Die CDU war von
47,5% auf schwache 34,5% zusammengestaucht worden. Eigentlich wäre der
Abgang von Peter Müller nur logisch gewesen. Doch mit 27 von 50 Stimmen
konnte sich der CDU-Mann durch die Jamaika-Koalition am 10. November 2009
erneut zum Ministerpräsidenten wählen lassen. Dies gelang ihm vor
allem, weil Oskar Lafontaine von den Linken im Vorfeld der Wahlen scharf auf
die Grünen geschossen hatte, sodass nichts aus Rot-Rot-Grün wurde, wobei
auch alleine schon Rot-Rot wegen dem Roten Oskar eine Problemheirat geworden
wäre.
Bereits im Dezember 2010 wurde erstmal bekannt und nicht dementiert, dass
Peter Müller - der damals im Saarland Ministerpräsident und Justizminister
war - den vorzeitigen Abgang durch seine Wahl ans Bundesverfassungsgericht
suchte. Am 25. November 2011 wurde er vom Bundesrat einstimmig zum
Bundesverfassungsrichter gewählt. An seine Stelle an der Spitze des
Saarlandes trat die bisherige Ministerin für Arbeit- Familie, Soziales,
Prävention und Sport, Annegret Kramp-Karrenbauer. Die erste
Ministerpräsidentin des Landes erhielt am 10. August 2011 erst im zweiten
Wahlgang 26 von 51 Stimmen der Jamaika-Koalition; Jamaika verfügte über 27
Stimmen im Landesparlament.
Ihre Regierung stand also von Anfang an unter einem ungünstigen Stern. Auf
wirtschaftlicher Ebene konnte das Saarland Ende 2011 allerdings ein
überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum verbuchen: 4.8% waren hinter
Baden-Württemberg mit 5,5% der zweitbeste Wert in der Bundesrepublik, wo die
Wirtschaft durchschnittlich lediglich um 3,9% zulegte. Bemerkenswert am
Erfolg im Saarland war und ist der hohe Anteil der Exportwirtschaft am
Wachstum.
Doch die Unruhe in der FDP wurde der Ministerpräsidentin zu bunt. Sie
begründete das Ende der Jamaika-Koalition mit den andauernden
Personalquerelen in der FDP. Ihre Gespräche mit den Liberalen Oliver Luksic
und Christoph Hartmann hätten sie nicht überzeugt. Sie konstatierte einen „Zustand
der Zerrüttung“. Höchst unelegant verkündete Annegret
Kramp-Karrenbauer das Ende der Koalition von CDU, FDP und Grünen just am 6.
Januar 2012 im Moment, als der FDP-Bundesvorsitzende Philipp Rösler seine
wichtige Rede beim FDP-Dreikönigstreffen in Stuttgart hielt.
FDP-Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel bezeichnete das Vorgehen zurecht
als „sehr unfreundlichen politischen Akt“. Vom Ende der
Jamaika-Koalition erfuhren im Saarland übrigens sowohl Christoph Hartmann
von der FDP wie auch der Parteichef der Grünen, Hubert Ulrich, aus den
Medien. Oliver Luksic von der FDP kontaktierte Ministerpräsidentin Annegret
Kramp-Karrenbauer telefonisch, als dieser gerade im Kreissaal bei seiner
Frau war, wo das Paar die Geburt ihres ersten Kindes erwartete.
Die FDP mag sich im Saarland (und nicht nur dort) gerade selbst zerlegen,
doch der Stil der CDU-Ministerpräsidentin lässt ebenfalls zu wünschen übrig.
Zudem muss man sich fragen, ob die Jamaika-Koalition im Saarland wirklich am
Ende war. Belasteten die internen FDP-Querelen das Funktionieren der
Koalition wirklich so stark, dass ihr Ende so überhastet verkündet werden
musste? Annegret Kramp-Karrenbauer hatte vor ihrer Entscheidung die
Kanzlerin benachrichtigt. Stehen die Ampeln bald bundesweit auf Schwarz-Rot?
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