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Philipp Hildebrand tritt als
SNB-Präsident ab
Hinzugefügt am 10.1.2012 um 08:54
Ein Blick auf die neuen Emails
und Notizen des Sarasin-Kundenberaters zeigen, dass Hildebrand auch am
15.8.2011 Kontakt mit seinem Sarasin-Kundenberater hatte. Das lässt den
Verdacht aufkommen, dass da jemand Wasser predigte, aber selbst Wein trank.
Im Klartext: Zurecht drängte Hildebrand auf härtere Regeln bei den
Privatbanken, unter anderem bezüglich Eigenhandel. Dabei war das Reglement
bei der SNB bezüglich Eigenhandel lascher. Vielleicht hat Hildebrand mit
seiner Frau davon profitieren wollen. Am Tag danach realisierte er, wie
schief dies aussieht (ob er es nun alleine seiner Frau überliess oder nicht) und holte sich Absolution von der Kontrollstelle. Laut
Tagesanzeiger hatte Hildebrand bereits am Samstag 7.1.2012 den Rückhalt im
Bankrat verloren. Er trat also nicht so freiwillig zurück. Der Bankrat selbst wie auch der Bundesrat sehen ebenfalls
schlecht aus. Die Presse stocherte im Nebel, solange nicht alle Fakten auf
dem Tisch lagen. Wie schon unten erwähnt: Die Aufarbeitung der Konten aller
SNB-Mitglieder drängt sich auf. Bei Hildebrand ab 2003. Hildebrand brachte
bei seinem Rücktritt nochmals die beste Lösung ins Spiel: Ein Blind-Trust
für SNB-Mitglieder. Ein Unbekannter verwaltet die Vermögen der
SNB-Mitglieder. So gibt es keine Interessenkonflikte mehr.
Hinzugefügt am 9.1.2012 um 23:49
Hildebrands Frau Kashya kaufte am 15. August 2011, also
relativ kurze Zeit vor der Festlegung eines Mindestkurses des Frankens
gegenüber dem Euro vom 6. September 2011, die Summe von $504,000. Am Tag
danach ordnete Hildebrand an, dass keine Devisengeschäfte seiner Frau mehr
ohne sein OK möglich seien von wegen Compliance (interne Kontrolle).
Er benachrichtige ebenfalls am 16. August den Leiter Recht und Dienste der
SNB, der keinen Handlungsbedarf sah. Heute (9.1.2012) wurden Emails
veröffentlicht, die Philipp Hildebrand belasten, da er zum Beispiel im
Voraus sein OK zu Dollarkäufen seiner Frau gab. Das bedeutet nicht
notwendigerweise ein OK zum Kauf der $504,000, könnte aber so interpretiert
werden. Das erklärt den Rücktritt Hildebrands, da er trotz Rückendeckung von
Bankrat und Bundesrat realisierte, dass er seine Unschuld nicht beweisen
kann.
Hinzugefügt am 9.1.2012 um 22:05
NZZ-Chefredaktor Markus
Spillmann lobt in einem Kommentar den Rücktritt von Philipp Hildebrand als
Beweis von Charakter. Der SNB-Präsident habe nicht an seinem Sessel geklebt,
sondern mit Souveränität und Sachlichkeit einen Schlussstrich unter die
Affäre gezogen. Hildebrand gehe aufrechten Ganges aus dem Amt.
Hinzugefügt am 9.1.2012 um 20:04
SNB-Vize Thomas Jordan hat sich
bereit erklärt, die definitive Nachfolge von Philipp Hildebrand anzutreten.
Thomas Jordan ist seit 2004 Mitglied des SNB-Direktoriums. Er lehrt an den
Universitäten Bern (Geldtheorie und Geldpolitik) und Zürich. Seit November
2008 ist er Verwaltungsratsvorsitzender des SNB-Stabilisierungsfonds zur
Verwertung illiquider Aktiven der UBS. Seit November 2009 ist er zudem
Vizepräsident der vom Bundesrat eingesetzten Too-big-to-fail
- Expertenkommission.
Hinzugefügt am 9.1.2012 um 18:14
An einer Pressekonferenz
erklärte Nationalrat Christoph Blocher, Philipp Hildebrand sei abgetreten, weil er eine unabhängige
Untersuchung nicht überstanden hätte.
Philipp Hildebrand tritt als
SNB-Präsident ab
Artikel vom 9. Januar 2012 um 17:28
Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB)
tritt per sofort von seinem Amt zurück.
Der bisherige Vizepräsident der
SNB, Thomas Jordan, hat interimistisch die Leitung der Schweizerischen
Nationalbank übernommen.
Hildebrands
Rücktrittsbegründung an einer heute eilig
einberufenen Pressekonferenz: Er könne nicht zu 100% beweisen, dass er
einwandfrei gehandelt habe. Er könne nicht den absoluten Beweis liefern,
dass seine Frau Kashya die umstrittenen Dollarkäufe getätigt habe. Er gehe
jedoch mit einem reinen Gewissen. Er stehe zu seinem Ehrenwort.
Den Abgang begründete Philipp Hildebrand mit der Notwendigkeit absoluter
Glaubwürdigkeit der SNB. Wenn ein Teil der Journalisten ihm nicht vollstes
Vertrauen schenke, könne er sei Amt nicht weiter ausführen, sagte er
sinngemäss. Das habe er realisiert, als am Freitag nach seiner
Pressekonferenz die Diskussion weiter ging. Ob der Abgang des
SNB-Präsidenten in der jetzigen Situation die beste Lösung für die Schweiz
ist, wird die Zukunft zeigen. Hildebrand selbst äusserte sich ebenso.
Nebenbei bemerkt: Die Festsetzung einer Wechselkursuntergrenze birgt
potentiell grosse Risiken. Der Schweizerfranken ist gegenüber dem Euro
eindeutig zu teuer. Doch sich langfristig gegen die Märkte zu stellen ist
unmöglich. Vieles hängt von der Entwicklung im Euro- und im Dollarraum ab. Sollte sich die
Lage dort entspannen, weil die Regierungen glaubwürdige Massnahmen zum Abbau
der Staatsschulden unternehmen, löst sich das Problem von selbst. Allerdings
hatte der Kurs des Schweizerfrankens gegenüber dem Dollar und dem Euro ein
Niveau erreicht, das völlig unrealistisch war und die Schweizer Wirtschaft
akut bedrohte. Die Intervention der SNB zugunsten der heimischen Währung
fiel denn auch weitgehend auf ein positives Echo.
Philipp Hildebrand bot an der heutigen Pressekonferenz an, seine Konten ab 2003 offen
zu legen. Um den Namen des soeben abgetretenen SNB-Präsidenten definitiv zu
reinigen und der Sache auf den Grund zu gehen, müsste die Offenlegung aller
Konten für alle SNB-Mitglieder erfolgen (wenn nicht fürs grosse Publikum,
dann zumindest für eine Untersuchung durch eine unabhängige Revisionsstelle). Es kann
nicht sein, dass Notenbankmitglieder für Hunderttausende von Franken mit
Devisen handeln. Das SNB-Reglement soll ja nun zurecht auf Grund der Affäre
entsprechend angepasst werden.
Christoph Blocher, die SVP und die Weltwoche werden sich nun wohl als
grosse Sieger feiern lassen bzw. verkaufen. Die Ironie der Geschichte ist,
dass die grossen Bankgeheimnisbewahrer eben dieses Geheimnis brachen, um
einen angeblichen Skandal publik zu machen. Sollten jedoch nicht noch neue
Fakten ans Licht kommen, kann von Philipp Hildebrand gesagt werden, dass er
als Notenbanker korrekt gehandelt hat.
Wer nur einen Kontoauszug der Familie Hildebrand zu Gesicht bekam, konnte sehr wohl den Verdacht
des Insider Tradings gewinnen. Insofern darf man dem Whistleblower bei der
Bank Sarasin keinen Strick drehen. Doch die Informationen wurden später
politisch instrumentalisiert. Medien arbeiteten zudem mit unwahren Angaben.
Niemand sieht in dieser Affäre grossartig aus.
Bundesrat und Bankrat standen bis zuletzt hinter dem SNB-Präsidenten. Der
Bankrat liess mitteilen, die Schweiz verliere einen hervorragenden
Zentralbanker mit ausgezeichneten internationalen Beziehungen, die der
Schweiz von grossem Nutzen gewesen seien.
Philipp Hildebrand hatte höhere Eigenkapitallimiten für systemrelevante Banken sowie eine
Too-big-to-fail-Gesetzgebung gefordert. In beiden Punkten hat er
völlig recht. In den USA, in Deutschland oder eben auch in der Schweiz ist
keine andere Person von Hildebrands Bedeutung in entsprechender Funktion zu
sehen, die zurecht kleinere Banken fordert. Beim nächsten Bankencrash in den
USA (z.B. Citigroup oder Bank of America), in Deutschland (z.B. Deutsche Bank) oder in der
Schweiz (UBS oder Credit Suisse) könnte das Bankensystem des jeweiligen
Landes bzw. das weltweite Bankensystem noch stärker ins Wanken geraten als
nach der Lehmann-Pleite. Kein
Unternehmen kann too-big-to-fail sein. Das Bankensystem braucht knallharte
Konkurrenz. Die Banken dürfen nicht so eng wie bisher miteinander
verflochten bleiben. Grossbanken müssen allenfalls zerschlagen werden.
Keine Bank darf ungestraft junk bonds
als secure securities verkaufen.
Wer Gesetze
bricht, muss von der Justiz zur Rechenschaft gezogen werden.
Unten um 17:58 hinzugefügt die Erklärung von Philipp Hildebrand:
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