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Rajoy reformiert Spanien
So hat er es zumindest
angekündigt
Artikel vom 3. Januar 2012
Dem neuen spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy
Brey (*1955) von der konservativen Volkspartei (Partido Popular, PP) obliegt
die undankbare Aufgabe, Spanien von Grund auf zu reformieren. Der lispelnde
spröde Galizier strömt technokratischen Charme aus. Er gilt als seriös und
geniesst deshalb bei den Spaniern viel Vertrauen, dass er für die Umsetzung
radikaler Reformen dringend braucht.
Auf der positiven Seite zu vermerken ist, dass Spaniens öffentliche
Schuldenlast noch erträglich ist. Allerdings lagen die Staatsschulden 2007
noch bei 36% des Bruttoinlandprodukts (BIP). 2010 waren sie laut Eurostat
bereits auf 60% des BIP gestiegen. Wo die Staatsschuldenquote zur Zeit
liegt, werden wir erst mit den definitiven Zahlen zum Budgetdefizit von 2011
wissen.
Zudem müssen laut der spanischen Nationalbank noch Regionalschulden von $176
Milliarden hinzugezählt werden. Spaniens Städte sehen sich laut der NYT
einem Schuldenberg von $48 Milliarden gegenüber. Und das sind die
offiziellen Zahlen. Wie viele versteckte Milliardenlöcher noch auftauchen
werden, weiss niemand.
Das
Budgetdefizit wird im Jahr 2011 laut der neuen Regierung bei 8% des
Bruttoinlandproduktes (BIP)
oder leicht darüber zu liegen kommen. 2012 will die
Regierung Rajoy das Budgetdefizit auf 4,4% des BIP senken, was noch immer
eine deutlich über dem Maastricht-Kriterium von 3% liegende Zahl wäre.
Die Arbeitslosigkeit lag in Spanien Ende 2011 bei 22%, wovon laut La
Caixa 48% Langzeitarbeitslose sind. Unter den jungen Spaniern im Alter
zwischen 16 und 24 Jahren lag die Arbeitslosenquote sogar bei fast 50%!
Arbeitsmarktreformen sind daher dringend notwendig. Dafür braucht Rajoy nicht zur
Verabschiedung des Budgets der neuen Regierung bis Ende März zu warten. Sofortige Reformen
des Arbeitsmarktes drängen sich auf. Die Regierung hat denn auch den
Tarifpartnern bis Mitte Januar gegeben, um einen Kompromiss in der Frage der
Arbeitsmarktreformen zu finden.
Wie sicher die Banken, Sparkassen und anderen
Finanzinstitute sind, ist trotz
„Stresstests“ unklar. Schätzungen gehen zum Teil davon aus, dass über
€100 Milliarden an Immobilienkrediten nicht bedient werden können. Viele
Spanier haben während des Immobilienbooms auf immer weiter steigende
Immobilienpreise gesetzt. Die spanischen (und ausländischen) Banken und
anderen Kreditinstitute haben Milliarden
in den Sand gesetzt. Sollte der spanische wie zuvor der irische Staat die dumme Idee
haben, Banken retten zu wollen, wäre der spanische wohl wie der irische Staat
nicht mehr zahlungsfähig und bräuchte ausländische Finanzhilfe wie
Griechenland, Irland und Portugal. Spaniens Volkswirtschaft ist allerdings
eine Nummer grösser. Die spanischen Staatsschulden wären daher für die EU
mit den vorhandenen Instrumenten nicht mehr zu finanzieren. Immerhin haben
zur Zeit die Finanzmärkte im Vergleich mit Italien noch höheres Vertrauen in
Spaniens Finanzsituation und in Spaniens Reformanstrengungen, denn die
Renditen der zehnjährigen spanischen Staatsanleihen liegen bei rund 5%.
Insgesamt liegen die Zinszahlungen auf der spanischen Staatsschuld im
europäischen Vergleich am unteren Ende. Nur Dänemark und die Niederlande
müssen gemessen am BIP weniger für Zinsen aufbringen.
Mariano Rajoys Aufgabe ist insofern leichter als die seines sozialistischen
Vorgängers Zapatero, als dass seine Volkspartei bei den vorzeitigen Parlamentswahlen vom
20. November 2011 mit 186 von 350 Sitzen eine absolute Mehrheit im Parlament
gewonnen hat. Der Partido Popular ist nicht mehr auf die Stimmen von
katalanischen und anderen Nationalisten angewiesen.
Mit der Bildung eines kleinen Kabinetts von lediglich 13 Ministern hat Rajoy
ein symbolisches Zeichen gesetzt. Der Politikbetrieb muss wie die
Gesamtwirtschaft sparen. Politische Geschenke können nicht mehr verteilt
werden. Insbesondere auf Premier Mariano Rajoy, Wirtschaftsminister Luis de
Guindos und Finanzminister Cristóbal Montoro warten schwierige Aufgaben.
Ausser bei den Renten soll überall im Haushalt gespart werden. Ein reines
Austeritätsprogramm allein mit Kürzungen und höheren Steuern (die Regierung
denkt an höhere Mehrwertsteuern) wird das Problem nur verschärfen.
Strukturreformen sind in Spanien überfällig.
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