|
Gauck wird Bundespräsident
Artikel vom 19. Februar 2012 um 22:22
Alles wird gut. Alle haben sich lieb. Gauck wird
Bundespräsident. Kaum ist
Wulff weg, der
erst
2000 gewählt worden war, haben sich die
wichtigen Parteien im Bundestag - unter Ausschluss der Linken - auf einen Nachfolger
geeignet.
Noch am Nachmittag meldeten die Medien, Merkel und die Union stemmten sich
gegen Gauck, während dem die SPD und die Grünen mit Gusto ihren
hervorragenden Vorschlag von
2000 wieder aus dem Hut zauberten, und die
Liberalen einstimmig, mit Rösler und Brüderle an der Spitze, ebenfalls Gauck
als besten Kandidaten kürten. Nebenbei bemerkt, die Entscheidung von
Rot-Grün war eine Steilvorlage für die Liberalen.
Die Kanzlerin sah einen möglichen Bundespräsidenten Gauck als Gefahr für
sich selbst. Die Medien würden Gaucks Wahl als Eingeständnis einer
Fehlentscheidung ihrerseits beim Durchdrücken der Kandidatur
Wulff interpretieren.
Am heutigen Abend sind CDU/CSU in den Gesprächen mit der FDP eingeknickt
bzw. haben erkannt, dass es (zur Zeit jedenfalls) keine Argumente gegen
Gauck gibt, der zudem beim Volk als Kandidat an erster Stelle steht. Die
Kanzlerin wollte sich nicht nur eine mühsame Suche nach einem anderen
Konsenskandidaten ersparen, sondern sich retten.
Für einmal hat sich die FDP - völlig zurecht - in der Regierungskoalition
durchgesetzt. Einen bürgerlichen Kandidaten wie Gauck kann Schwarz-Gelb
nicht glaubwürdig ablehnen. Gauck verhindern, um dann zum Beispiel den
„schwarzgrünen“
früheren Umweltminister Klaus Töpfer akzeptieren zu müssen,
hätte für die Konservativen in der Union keinen Sinn gemacht und war für die
Liberalen völlig indiskutabel. Hätte sich die Kanzlerin mit der SPD auf
einen der FDP nicht genehmen Kandidaten geeinigt, nur um
die
„Kröte“ Gauck - in Wahrheit ein demokratischer „Prinz“
und Glücksfall für Deutschland - nicht schlucken zu
müssen, hätte sie wohl sogar die Regierungskoalition in Gefahr gebracht.
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Kanzlerin mit den Parteichefs von
CSU, FDP, SPD und Grünen, im Beisein von Joachim Gauck, verkündeten die
Erwähnten ihre einstimmige Zustimmung zur Kandidatur Gauck.
Die Kanzlerin stellte bei allen
Unterschieden mit Joachim Gauck in den Vordergrund, was sie mit dem früheren
DDR-Bürgerrechtler verbinde, nämlich der Einsatz für „Freiheit
in Verantwortung“.
Vizekanzler Rösler zeigte endlich Rückgrat und setzte sich durch. Der
Liberale machte eine gute Figur, gestärkt insbesondere durch Brüderle.
Bisher hat der Vizekanzler weder als Parteichef noch als
Wirtschaftsminister überzeugt. Hoffentlich ist dies die Wende.
Deutschland und die EU brauchen einen starken Liberalismus.
Die Wahl von Joachim Gauck (*1940) durch eine klare Mehrheit der
Bundesversammlung am 24. Februar 2012 ist sicher. Der parteilose Gauck ist
als ehemaliger DDR-Bürgerrechtler und früherer Chef der
Stasi-Unterlagen-Behörde eine hervorragende Wahl. Der geradlinige und
eloquente Mann hat Format und Substanz.
Angela Merkel hat sich mit ihrer kleinkarierten Parteitaktik gegen Gauck
viel mehr geschadet als durch die Durchsetzung der Wahl Wulffs. Sie ist
beschädigt. Übrigens auch, weil sie nicht die Souveränität besass, die Linke
zu den Gesprächen einzuladen.
Merkel wurde zuerst als Parteichefin unterschätzt. Inzwischen
wird sie als
Kanzlerin völlig überschätzt. Hoffentlich hat das kleinliche
Geschacher Merkels die Augen vieler Wähler für die Schwächen der Kanzlerin
geöffnet, die zum Beispiel in der Griechenlandkrise ein erbärmliches
Krisenmanagement mitzuverantworten hat.
Kindle eReader Geräte
- Kindle eBooks
-
Alle Aktionen bei Amazon.de
|
|