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Monti macht Ernst mit Reformen
Italien auf dem Reformpfad. Es
bleibt noch viel zu tun
Artikel vom 1. Februar 2012
Seit im November 2011 der Reformkurs von Italiens
Premierminister Mario Monti vom
Parlament gebilligt worden ist, hat der sachlich, trockene
Ökonom bereits einiges auf den Weg gebracht. Zurecht verwies er im Dezember
darauf, dass die Italiener für die aktuelle Misere selbst verantwortlich
seien.
Am 22. Dezember 2012 paukte der italienische Senat mit 257 gegen 41 Stimmen
ein €33 Milliarden schweres Austeritätsprogramm mit
Steuererhöhungen, Sparbeschlüssen, Kostensenkungen und einer Rentenreform
durchs Oberhaus. Es handelte sich vor allem um erste Notmassnahmen, um die
Märkte rasch zu beruhigen. Allen war klar, dass einschneidende
Strukturreformen folgen müssen. Monti hatte diese damals bereits
angekündigt. Für 2013 strebt der Premier bereits einen ausgeglichen Haushalt
an.
Die Gewerkschaften haben bereits im Dezember gegen Reformen im öffentlichen
Dienst gestreikt. Der Weg wird steinig. Es bleibt noch vieles zu tun.
Doch der Reformschub wird dem Land helfen.
Doch Monti macht Ernst mit Reformen. Bereits im Dezember wurden die Renten
angepasst. Unter 60-Jährige die in Frührente gehen, gehören der
Vergangenheit an. Für Männer sind seither mindestens 42, für Frauen 41
Beitragsjahre nötig, um in Rente gehen zu können. Das offizielle Rentenalter
wurde für Männer auf 66, für Frauen auf 62 Jahre angehoben, wobei auch für
Frauen ab 2018 die Rente mit 66 kommen wird. Die Rentenbeiträge werden
fortan auf der Basis der im gesamten Arbeitsleben geleisteten Rentenbeiträge
berechnet. Die Rentenreform war eine erste, überfällige Strukturreform.
Der Ökonom Mario Monti weiss natürlich, dass Wachstum statt Sparen der
Schlüssel zur Lösung der italienischen Schulden- und Haushaltsmisere ist.
Italiens Wettbewerbsfähigkeit muss gesteigert werden. Liberalisierungen sind
dringend notwendig. Eine der wichtigsten, jene des Arbeitsmarktes, muss erst
noch ausgearbeitet werden. Mit einer Arbeitslosenquote von 8,6% und
insbesondere einer Jugendarbeitslosigkeit (Menschen unter 25 Jahren) von
rund 30% steht Italien miserabel da.
Ende Januar hat Mario Monti der überbordenden Bürokratie den Kampf angesagt.
Seine Regierung verabschiedete ein Gesetzesdekret („Vereinfache Italien“),
das unter anderem die Aufhebung Tausender unnötiger Gesetze, Erlasse,
Richtlinien, Normen und Bestimmungen bringt. Das Dekret muss zwar noch
innert 60 Tagen vom Parlament bestätigt werden, doch die Legislative kann
sich kaum der Vereinfachung von Bewilligungen und Kontrollen zu
Unternehmungsgründungen, Zollverfahren, Steuerformalitäten, etc.
widersetzen. Italien liegt bei den Kosten für die Bürokratie in Europa
hinter Griechenland auf dem unrühmlichen zweiten Platz, was ausländische
Investoren abschreckt und den inländischen das Leben unnötig schwierig
macht. Bei der Attraktivität für Investitionen liegt Italien laut der
Weltbank auf dem 75. Platz, noch hinter Ländern der Dritten Welt wie Ruanda
und Sambia.
Mario Monti macht im Bereich Kapitalflucht und Steuerhinterziehung
ordentlich Dampf. Der Chef des italienischen
Steueramtes, Attilio Befera, ordnete in den Weihnachtsferien eine
grossangelegte Razzia im Nobelskiort Cortina d'Ampezzo an. Luxusboutiquen
sowie Besitzer von Luxusautos wurden unter die Lupe genommen. Im Januar
wurde die Jagd auf Steuersünder in Mailänder Nachtlokalen sowie in der Römer
Luxusmodestrasse Via Condotti, in welcher der Schreibende gerne in den
Portrait Suites der Ferragamo-Familie absteigt,
fortgesetzt. Überall, wo die Steuerbehörde auftauchte, verdoppelten und
verdreifachten sich plötzlich die legal deklarierten Umsätze. Viele Halter
von Luxusautos entpuppten sich als Bürger, die Einkommen von unter
€20,000 pro Jahr versteuerten.
Die Schattenwirtschaft wird in Italien auf €250
Milliarden bis €280 Milliarden
geschätzt. Der Steuerausfall summiert sich so auf weit über €100 Milliarden.
Hinzu kommt noch das Problem der Mafia und ihrer lokalen Ableger. Die
’Ndrangheta in Kalabrien soll alleine schon €40 Milliarden bis €60
Milliarden Umsatz pro Jahr machen.
Da bleibt noch viel zu tun für Mario Monti. Erste Erfolge sind an der
Schuldenfront bereits zu verzeichnen. Die Schuldenzinsen sinken. Mitte
Januar konnte Italien einjährige Staatsanleihen mit einer Rendite von nur
2,74% am Markt platzieren. Im Dezember lag der Zinssatz für solche
Staatspapiere noch bei 5,95%. Der Staat nahm zwölf Milliarden Euro auf,
wobei dass angebotene Volumen je nach Laufzeit das Angebot um das 1,5 bis
1,9-fache überstieg, wobei allerdings günstiges Geld der EZB für die Banken
ein Schlüsselfaktor war. Doch wenn die Regierung Monti weiter so macht, die
Probleme mit der Schwarzarbeit und dem Schwarzgeld in den Griff bekommt
sowie weitere Reformen wie solche des Arbeitsmarktes und der Justiz in
Angriff nimmt, ist Italien auf einem guten Weg. Wie lange werden ihn die
Parteien noch regieren lassen? Zudem wehren sich viele Lobbys in der Privat-
wie der Staatswirtschaft mit Hilfe ihrer Verbündeten im Parlament noch
erfolgreich, doch weitere Liberalisierungen sind dringend notwendig, um das
verkrustete Italien wettbewerbsfähiger und finanziell wieder solide zu
machen.
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