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Das Ende von Umberto Bossi
Artikel vom 7. April 2012 um 15:18 portugiesischer Zeit
  
Der „Senatùr“ hegte zumindest offiziell viele Jahre lang den Traum eines historisch nicht belegbaren „Padanien“. Am 3. und 5. April 2012 ging dieser zu Ende; er war für viele selbst in der eigenen Partei eher ein Albtraum gewesen. Der populistische Führer der Lega Nord, der jahrzehntelang und nicht ganz zu Unrecht gegen die Korruption und Vetternwirtschaft im römischen Saustall (Roma ladrona) gewettert hat, stolperte zuletzt über vergleichbare Vorwürfe gegenüber seiner eigenen Partei und Familie.

Die Staatsanwaltschaft von Mailand ermittelte seit Anfang 2012 gegen den Schatzmeister der Lega Nord, Francesco Belsito, wegen illegaler Parteinfinanzierung, Geldwäsche, Betrug auf Kosten der Staatskasse und Veruntreuung. Belsito trat am 3. April von seinem Amt zurück. Parteichef Bossi folgte notgedrungen zwei Tage später und hat nun nur noch den Ehrenvorsitz der Lega Nord inne.

Francesco Belsito hatte einst als Rausschmeisser in einer Diskothek, danach als Chauffeur eines Lega-Ministers gearbeitet. Das war wohl Qualifikation genug, um ihn 2004 zum Schatzmeister zu machen. Er brachte es zudem bis zum Vizepräsidenten der Reederei Fincantieri. Zudem soll er Kontakte zur kalabresischen ’Ndrangheta gepflegt haben; von diesen Mafiageschäften her rührt der Vorwurf der Geldwäsche

Laut der Mailänder Staatsanwaltschaft sollen um die €250,000 aus den Lega-Parteikassen an zwei Söhne von Umberto Bossi, Riccardo und Renzo, geflossen sein, unter anderem für ein Luxusauto. Der erst 23jährige Sohn Renzo war von Vater Umberto ein Abgeordnetenamt im lombardischen Regionalparlament verschafft worden, was nach Nepotismus richt.



Francesco Belsito investierte €7 Millionen an Parteigeldern in Tansania und Zypern. Die Aktivitäten des Schatzmeisters bezeichnete die Staatsanwaltschaft als
„völlig undurchsichtig“. Die Bilanzen der Lega Nord seien seit 8 Jahren „massiv gefälscht“ geworden.

Gemäss den Staatsanwälten sollen unter anderem Gelder für Ferien an die Familie Bossi und zur Restaurierung einer Bossi Villa an die Frau des Lega-Parteichefs geflossen sein. Bossis Vertraute Rosi Mauro soll zudem €300,000 erhalten haben. Weitere €200,000 bis €300,000 sollen an die Lega-Gewerkschaft SinPa gegangen sein.

In einem von den Ermittlern mitgehörten Telefongespräch drohte Francesco Belsito der Sekretärin von Umberto Bossi mit den Worten:
„Wenn ich auspacke, legen sie euch allen die Handschellen an.“

Das Ende des ehemaligen Senators, EU-Abgeordneten und Minister in der Regierung Berlusconi, Umberto Bossi, der 1941 in Cassano Magnago in der lombardischen Provinz Varese geboren worden war, war längst überfällig. Seit einem Schlaganfall 2004 war er nicht mehr in der Lage, ein Regierungsamt auszuüben, blieb aber weiterhin Parteichef und übte dieses Amt ziemlich selbstherrlich aus. Nach Jahren der Rekonvaleszenz hat er selbst heute noch Mühe beim Sprechen. In wie weit der angeschlagene Bossi in die illegalen Machenschaften verwickelt ist, wird sich erst zeigen.

Als Verdienst von Umberto Bossi kann man das Ende von Silvio Berlusconi bezeichnen, denn im November 2011 verlangte der Senatùr den Rücktritt des Regierungschefs, da in dessen eigener Partei der Freiheit keiner den Mumm aufbrachte, den „Cavaliere“ endlich politisch abzuservieren. Bossi forderte zurecht regelmässig mehr Kompetenzen für die Regionen, wobei diese mehr Selbstverantwortung übernehmen und für die eigenen Steuereinnahmen verantwortlich sein sollten, wobei natürlich im Zentrum stand, dass kein Geld mehr vom reichen Norden an den armen Süden Italiens fliessen sollte.

Bis zu einem für den Herbst 2012 angekündigten Parteitag der Lega Nord führen die Bossi-Anhänger Roberto Calderoni, ein ehemaliger Minister unter Berlusconi, und Manuela Dal Lago, eine Abgeordnete für die Region Venetien, zusammen mit dem langjährigen Bossi-Kritiker und Berlusconi-Innenminister Roberto Maroni die angeschlagene Partei.

Die Populisten um Umberto Bossi kamen nach den Mani pulite - Säuberungen von 1992 gross heraus und mehrfach an die Macht. Nun stellt sich heraus, dass ihre Hände auch nicht sauber waren. Mit der Lega Nord ist die einzige Fundamentalopposition gegen die Regierung Monti, die mit Reformen Ernst macht, schwer angeschlagen.

Umberto Bossi, Roberto Calderoni und Roberto Castelli von der Lega Nord treffen sich heute im Mailänder Hauptquartier der Partei. Wohin geht die Reise?

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