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Kadima unter Mofas
Von Tzipi Livni zu Schaul
Mofas
Artikel vom 1. April 2012 um 16:02 portugiesischer Zeit
Nein, dies ist leider kein Aprilscherz, die israelische
Mitte-Rechts-Partei Kadima hat die Führung gewechselt, von Tzipi Livni
(*1958) zu
Schaul Mofas (*1948; auch Shaul Mofaz geschrieben). Die vormalige Justiz-
und Aussenministerin Tzipi Livni unterlag mit 37,2% oder schwachen 14,516
Stimmen bei einer parteiinternen Wahl
um den Parteivorsitz
im Hinblick auf die kommenden israelischen Parlamentswahlen dem in der
iranischen Hauptstadt geborenen Hardliner, ehemaligen Generalstabschef der
israelischen Armee und späteren Verteidigungs- und danach Verkehrsminister
Schaul Mofas mit 61,7% bzw. 23,987 Stimmen klar. Allerdings nahmen nur 41%
der Kadima-Mitglieder an der Wahl teil.
Die Tierschützerin und Vegetarierin Tzipi Livni, von der Mann als Frau in
einer Gruppe ehemaliger Militärs, welche die israelische Politik seit
Jahrzehnten dominieren, eine neue Politik erhoffen konnte, entpuppte sich
als relativ schwache Parteiführerin, die weder bei der Parteibasis noch beim
gesamten israelischen Volk viel Anklang fand. 2006 stellte Kadima mit 29
Parlamentariern die grösste Fraktion in der Knesset. Nach den Wahlen von
2009 waren es immer noch 28 Sitze. Nach Umfragen liegt die Partei zur Zeit
nur noch bei 12 bis 15 Sitzen, weshalb es an der Basis wie an der Spitze von
Kadima rumorte.
Bereits beim durch Korruptionsvorwürfe erzwungenen Abtritt von Ehud Olmert
2008 hatte sich Tzipi Livni mit 431 von insgesamt 74,000 Stimmen Vorsprung
denkbar knapp gegen Schaul Mofas durchgesetzt. 2012 nun hat er sie mit
Leichtigkeit entthront. Kadima rückt weiter nach rechts, wie die gesamte
israelische Politik.
Kadima kann gar keine liberale Zentrumspartei sein, wie hier und dort zu
lesen ist, da sie 2005 vom Bulldozer Ariel Scharon als Abspaltung von der
Likud-Partei gegründet wurde. Zwar ging es damals um den einseitigen Abzug
aus dem Gazastreifen, den Scharon gegen Likud-Hardliner durchsetzen wollte,
doch seine Idee war ganz einfach durch solche Zugeständnisse die Gründung
eines Palästinenserstaates auf den Sankt-Nimmerleins-Tag hinauszuschieben.
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Tzipi Livni hatte in den 2005 von ihr noch als Justizministerin formulierten
Parteigrundsatzen von Kadima ein historisches Recht der Israeli auf ganz
Eretz Israel formuliert, doch sie anerkannte für Kadima notwendige
Kompromisse, so die Umsetzung der berühmten
Road
Map. Tzipi Livni
stand für Kompromisse, während dem Shaul Mofaz einst die Tötung Arafats
befürwortete, die Autonomieregelungen für die Palästinenser konsequent
ablehnt, die Erklärung von Oslo der gegenseitigen Anerkennung von Israeli
und Palästinensern als
„schlimmsten Fehler Israels“ bezeichnete. Kurzum, der Hardliner Schaul
Mofas steht dem rechten Flügel der
Regierung Netanjahu nahe. Wie er sich und Kadima nun als glaubwürdige Alternative zum
Kabinett und dem Premier
profilieren will, bleibt unklar. Eher kommt er als Juniorpartner in Frage.
Die Arbeiterpartei hofft nun auf Aufwind, da sich deren Führerin Shelly
Yachimovich als einzige Alternative zur Regierung Netanjahu sieht. Schaul
Mofas versucht der Linken das Wasser abzugraben, indem er nach seiner Wahl
an die Parteispitze sagte, als Premierminister würde er eine sozialere
Politik machen, wobei er das Recht auf Wohnraum, Erziehung ein ehrenwertes
Leben, Familie und ein würdevolles Rentnerdasein. Manche nennen Mofas einen
Pragmatiker, dabei ist er eher ein Opportunist. Um soziale Gerechtigkeit hat
er sich bisher noch nicht verdient gemacht. Vor allem aber ist sein Programm
ein populistischer Wunschzettel ohne Substanz. Nun will er sich an die
Spitze der Protestbewegung in Israel stellen, wo hohe Mieten, Häuser- und
Benzinpreise Bürger auf die Strasse treiben. Einige der Probleme sind klar
der verfehlten Politik der aktuellen wie früheren Regierungen anzulasten,
die den religiösen Parteien viele Wahlgeschenke gemacht haben, die sozial
nicht verträglich sind.
Nicht nur
Netanjahu ist ein Hindernis zu einem dauerhaften Frieden, nicht nur
unter
Netanjahu läuft nichts bezüglich der Siedlungen,
Schaul Mofas ist aus gleichem Holz geschnitzt. Allenfalls könnten der Likud
und Kadima nach den kommenden Parlamentswahlen eine Koalition ohne Avidgor
Liebermann und/oder ohne oder mit weniger religiösen Parteien durchsetzen.
Der Nahe Osten wird mit Schaul Mofas einem dauerhaften Frieden kaum näher
kommen. Der Siedlungsbau auf palästinensischem Gebiet wird munter weiter
gehen.
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