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Kraft siegt in NRW
Eine Mehrheit für Rot-Grün
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Hinzugefügt am 14. Mai 2012 um 23:57
Das vorläufige amtliche Endergebnis
der Landtagswahl 2012 in NRW bei einer Wahlbeteiligung von 59,6%: SPD 39,1%, CDU 26,3%, Grüne 11,3%, FDP 8,6%,
Piraten 7,8%, Linke 2,5% und andere 4,4%. Das führt zu folgender
Sitzverteilung bei 23 Überhangs- und 33 Ausgleichsmandaten: SPD 99 Sitze, CDU 67, Grüne 29, FDP
22 und Piraten 20. SPD und Grüne
kommen zusammen auf eine sichere Mehrheit von 166 von neu total 237 Sitzen.
Artikel vom 13 Mai 2012 um 19:10
Die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen sind ohne
Überraschungen zu Ende gegangen. Hannelore Kraft siegt in NRW. Rot-Grün
kann nun mit einer sicheren Mehrheit regieren. Ob Kraft die
richtige Kraft ist, um das Land zu reformieren, wettbewerbsfähiger zu machen
und auf finanziell sicherere Füsse zu stehen, scheint zur Zeit zweifelhaft.
Frühere CDU-Regierungen haben auch gesündigt, doch das ist noch lange kein
Grund, am eigenen Grab weiter zu schaufeln.
Das Wahlresultat im mit rund 18 Millionen Einwohnern bevölkerungsstärksten
Bundesland sieht laut den Hochrechnungen des ZDF von 19 Uhr wie folgt aus: SPD
38,3 % und 74 Sitze, Grüne 12,1
% und 24 Sitze,
CDU 26,1 % und 51 Sitze (das erbärmlichste Resultat aller Zeiten in NRW), FDP
8,4 % und 16 Sitze (Dank dem Lindner-Effekt), Piraten 8,1 % und 16 Sitze, Linke
2,6 % und keine Sitze mehr. Weitere Parteien gewannen insgesamt 4,4 % der
Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 58 Prozent der Wähler. SPD und
Grüne werden selbst bei einer Verschiebung um einige Mandate eine Mehrheit
im NRW-Landtag mit insgesamt 181 Sitzen besetzen. Zur Zeit hätten sie 98
Mandate bei einer absoluten Mehrheit von 91 Sitzen.
Hannelore Kraft wirkt sympathisch und anpackend, obwohl die
Ministerpräsidentin mit ihrem
Kabinett nicht wirklich überzeugt hat. Rot-Grün fehlte eine
Stimme zur Mehrheit im alten Parlament. Jetzt ist diese Problem gelöst.
Ende 2010 verabschiedete die NRW-Regierung
aus SPD und Grünen, mit gütiger Unterstützung der Linken von den
Oppositionsbänken aus, ein Budget mit einer Neuverschuldung
von €8,4 Milliarden, das nicht wirklich in die Zeit passt, mit
Griechenland im Chaos, im
Umschuldungsdruck und
längst nicht mehr zu retten. Doch vielleicht passt der Sieg von
Kraft in NRW eben doch in die Zeit. Die Vogel-Strauss-Politik macht ja zur
Zeit gerade Schule in Frankreich mit
Hollande, der ein Ende der Austerität verspricht,
und in
Griechenland, das anstatt einer neuen
Regierung das Chaos anpeilt. In NRW hatten immerhin im
März 2012 die Oppositionsparteien ein einsehen und setzten überraschend
Neuwahlen durch, obwohl insbesondere FDP und Linke dadurch in
Bedrängnis zu geraten drohten. Für die FDP zahlte sich das Risiko aus,
Rückgrat zu zeigen. Die Linke hingegen wurde von den Piraten versenkt.
Die CDU konnte von den Neuwahlen nicht profitieren.
„Muttis Klügster“, Merkels Umweltminister Norbert Röttgen, verkaufte
sich im Wahlkampf miserabel, angefangen bei seiner Weigerung, bei einer
Wahlniederlage als Oppositionsführer in Düsseldorf bleiben zu wollen.
Immerhin, als Umweltminister war er massgeblich an der Energiewende
beteiligt, bei der die Kanzlerin unglaubwürdig wirkte. Norbert Röttgen hatte
sich hingegen bereits vor dem Tsunami und der nachfolgenden
Atomkraftwerkkatastrophe in Japan gegen die Laufzeitverlängerung für die
deutschen AKWs eingesetzt und auf die Energiewende gedrängt. Doch das hilft
in NRW nicht wirklich. Zudem kann Röttgen keine ernsthaften Erfolge bei der
Suche nach Endlagerstätten für den Atommüll vorweisen. Das Problem ist
geerbt, doch er sollte nun Dampf machen.
Die CDU textete „NRW“ um in
„Norbert Röttgen wählen“ um, was auch die Kanzlerin bei einem ihren
vielen Besuche im Land an der Seite des CDU-Spitzenkandidaten wiederholte.
Doch fast niemand in Nordrhein-Westfalen wollte Frau Merkels Aufforderung
folgen. Norbert Röttgen wurde regelrecht abgestraft. Er räumte dies um 18:10
am Wahlabend gleich unumwunden ein. Er kündigte zugleich an, dass er die
Führung des NRW-Landesverbandes abgeben werde. Vor vier Jahren fuhr die CDU
das schwächste Ergebnis der Partei in Nordrhein-Westfalen ein. Norbert
Röttgen hat das Unmögliche geschafft, mit der CDU nochmals rund 8% zu
verlieren!
Ein weiteres Bundesland ist oder bleibt in Oppositionshand. Die Union
folgt
„tapfer“ weiter der mittelmässigen Kanzlerin. Die CDU ist die Partei der Pofallas
und anderen Flaschen von und um Mutti. Am Ende des Weges dürfte eine neue
Grosse Koalition auf Bundesebene winken. Reformen Ade! Ihr „tumben teutschen
Toren“, wacht endlich auf!
Hannelore Krafts Vorgänger von der CDU, Jürgen Rüttgers, hat übrigens auch
nicht besser gewirtschaftet als Rot-Grün. In den guten Jahren vor der Krise
häufte er tapfer weiter Schulden an. Nordrhein-Westfalen steht inzwischen
mit rund €172 Milliarden in der Kreide, die natürlich von
denselben Steuerzahlern gestemmt werden müssen, die für die deutschen,
bundesweiten Gesamtschulden von 82% des BIP mithaften. Bremen, Berlin,
Hamburg und das Saarland stehen zwar in dieser Reihenfolge noch vor
Nordrhein-Westfalen, wenn es um die Verschuldung pro Kopf in den
Bundesländern geht, doch das ist nur ein schwacher Trost. Laut Bund der
Steuerzahlen steht in NRW jeder Bürger mit rund €10,000 an Landesschulden in
der Kreide. Da kann es einem schon mulmig werden.
Im Wahlkampf 2012 hat der
CDU-Spitzenkandidat in NRW, Norbert Röttgen, es nicht fertiggebracht, einen
konkreten, detaillierten Sparplan zu präsentieren. Das einzig positive an Röttgens Dilettantismus: Die Liberalen profitieren
davon. Die FDP setzte ganz - und nicht zu unrecht - auf ihr grösstes
Jungtalent, Christian Lindner, der die NRW-Partei bei 2%-Umfrageergebnissen
übernommen hat. Bei FDP-Parteichef, Wirtschaftsminister und
Vizekanzler Philip Rösler in Berlin ist ja leider zur Zeit der Lack ab, da er wohl in zu
jungen Jahren gleich drei äusserst schwierige Ämter - und sich dabei wohl
gleich selbst - übernommen hat. Es bleibt abzuwarten, ob er bis zur
Bundestagswahl noch Tritt fasst. Nicht nur dem Liberalismus in Deutschland
wäre es zu wünschen.
Als Generalsekretär hatte Christian Lindner auf Bundesebene übrigens auch
nicht gerade geglänzt. Im liegt eher die konzeptuelle Arbeit als der
Zweihänder des Generalsekretärs. Selbst Kritiker räumen dennoch nach wie vor
ein, dass Christian Lindner eines von Deutschlands wenigen
Polittalenten ist; ob aus ihm ein politischer Fixstern wird, muss sich
allerdings erst noch
weisen. Immerhin hat er in NRW die Liberalen aus dem
demoskopischen Jammertal geholt. Zuvor hatte bereits Wolfgang Kubicki in
Schleswig-Holstein mit der von Jürgen
Möllemann gelernten Mischung aus Substanz und Populismus die FDP ins
Landesparlament geführt. Christian Lindner schaute ihm über die Schulter und
zeigte sich gerne mit dem Mann, der die Liberalen erfolgreich aus der Ecke
der reinen Steuersenkungspartei herausgeholte hat.
Was CDU und SPD nach der Wende nicht fertig gebracht haben, schaffen nun
vielleicht die Piraten, in Zusammenarbeit mit den Nichtwählern: Der Linken das Licht auszublasen. Zumindest im
Westen der Republik gelingt dies zur Zeit vorzüglich. Wie weit die Piraten
einen neuen Zeitgeist mit verstärkter Partizipation der Wähler und
Mitglieder vertreten bzw. wie weit sie eine blosse Protestpartei sind, muss sich erst noch
weisen. Dass die Piraten in den Bundestag kommen werden, gilt hingegen als
fast schon sicher. Die
Finanzkrise wird bis dahin nicht überwunden sein, und die traditionellen
Parteien werden bis 2013 auch nicht plötzlich basisdemokratisch übers
Internet kommunizieren.
Wird mit der SPD in NRW nun alles besser? Finanzminister Norbert
Walter-Borjans fand ja vor nicht allzu langer Zeit plötzlich €1,3 Milliarden, die das
Landesdefizit unverhofft etwas verringerten. Solide Buchführung und
überzeugendes Haushalten sieht anders aus.
Vielleicht präsentiert er nächstes Mal ja ein unerwartetes Riesenloch.
Rot-Grün schmeckt mehr nach Griechenland, als es den Deutschen lieb sein kann.
Hannelore Kraft gab den SPD-Wählern den Geschmack der alten, traditionellen
SPD zurück. Doch solch ein Konzept ist in der globalisierten Welt mit einem
aufstrebenden China, einem dynamischen Brasilien und vielen weiteren neuen
Akteuren auf den Weltmärkten nicht zukunftsfähig.
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