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Morsi siegt in Ägypten
Aegypten: Die Armee in der
Schlüsselposition
Hinzugefügt am 25. Juni 2012 um 08:12
Mohamed Morsi hat noch am 24.
Juni 2012 gegenüber CNN bestätigt, dass er alle von Ägypten unterzeichneten
Verträge respektieren werde, also auch den Friedensvertrag mit Israel, wobei
allerdings Israel seinerseits ebenfalls die Verträge nicht mehr verletzen
dürfe. Zudem bekräftigte er, dass die Frauen in Israel mit den Männern
gleichberechtigt seien. Morsi versuchte so Befürchtungen zu zerstreuen, dass
die Muslimbrüder die Schaffung eines islamistischen Staates anstrebten. Der
Schreibende war im April und Mai zuletzt in Ägypten, das noch wie vor ein
moderates Land ist, vor und in dem man keine Angst zu haben braucht.
Artikel vom 24. Juni 2012 um 16:31, Zahlen ergänzt um 17:03
Die Entscheidungswahl zwischen
Ahmed Shafiq, der als Unabhängiger rannte, aber das alte Regime vertrat, und Mohamed Morsi, dem Kandidaten
der Muslimbrüder, ging zugunsten des religiösen Kandidaten aus, wie der
Präsident der ägyptischen Wahlkommission heute gerade verkündet hat. Rund 26 Millionen Wähler
gingen zur Urne. 12,35 Millionen bzw. 48,3% stimmten für Ahmed Shafiq, 13,23 Millionen
bzw. 51,7% für
Mohamed Morsi. Insgesamt gingen 51,85% der Wähler an die Urnen.
Die ägyptische Wahlkommission bzw. der de facto
herrschende ägyptische Militärrat hat die Verkündung des Resultats der
Präsidentenwahl hinausgezögert, um Betrugsvorwürfen nachzugehen. Laut dem
Vorsitzenden der Wahlkommission gab es 460 Klagen gegen die Wahlergebnisse.
Gleichzeitig sind sich die meisten Beobachter einig, dass hinter den
Kulissen der Militärrat und die Muslimbrüder um die Macht schacherten. Wie auch immer, die Ägypter hatten
bei der zweiten Runde nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, woran die Wähler und die
Repräsentanten der moderaten Mitte allerdings weitgehend selbst Schuld sind,
auch wenn insbesondere die Muslimbrüder Wahlgeschenke verteilten. Die Wahlen
waren sicher nicht absolut sauber, auch die Morsi-Anhänger tricksten, doch
das Resultat scheint weitgehend korrekt zustande gekommen zu sein. Sollte
die Demokratie dauerhaft etabliert werden, so können die Verlierer der Wahl,
die Revolutionäre der ersten Stunde, dies bei den nächsten
freien und fairen Wahlen mit ihrem Wahlzettel wieder korrigieren. Dafür muss
allerdings eine Verzettelung der Kräfte vermieden und ein glaubwürdiger
Führer gefunden werden.
Wer sich die französische und andere Revolutionen vor Augen führt, muss
zugeben, dass Zusammenstösse und Tote leider allzu oft den Weg zur
Demokratie pflasterten. Ägypten macht da keine Ausnahme. Zudem ist
Demokratie nicht einfach und muss zuerst erlernt werden.
Eine bestenfalls zwiespältige Rolle spielte und spielt die ägyptische Armee,
die bis zu 40% der Wirtschaft des Landes am Nil kontrolliert. Die Armee ist
mit dem alten Regime Mubarak eng verbunden. Mubarak selbst entstammte den
Rängen des Militärs. Der im Juni 2012 zur Wahl stehende Kandidat des alten
Regimes, Ahmed Shafiq, ist wie Mubarak, dem er als letzter Ministerpräsident
diente, ein Mann, der Karriere in der Luftwaffe machte, ehe er zum Politiker
wurde. Die Armee riss denn auch vor der Verkündung des Wahlresultats bereits
grosse Teile der Macht an sich, indem sie die Interimsverfassung zu ihren
Gunsten abänderte.
Der neue Präsident steht im Schatten des Militärs. Die einst von Mubarak
ernannten Richter entschieden, dass das frei gewählte Parlament der
Verfassung widerspricht, da viele Parteikandidaten, insbesondere der
Muslimbrüder, formell als Unabhängige rannten und so für Unabhängige
reservierte Parlamentssitze okkupierten. Die Armee löste daraufhin das
Parlament auf bzw. stellte sicher, dass es nicht mehr zusammen treten
konnte. Das ist nicht das Ende der Welt, solange freie und faire Neuwahlen
stattfinden können. Doch solange die Armee nicht reformiert
wird, geht es in Ägypten mit Korruption, Folter, Willkür- und
Vetternwirtschaft munter weiter.
Die wichtigste organisierte politische Kraft Ägyptens sind die Muslimbrüder.
Sie können sich auf weite Teile des mausarmen Teils der Bevölkerung stützen.
Rund 40% der Ägypter leben unter der Armutsgrenze. Diese 40% sind weitgehend
identisch mit den 40% der Ägypter, die weder lesen noch schreiben können.
Das enorme Reichtumsgefälle in Ägypten war ein Hauptgrund für die
Revolution. Der neue Präsident und das bald wieder zu wählende Parlament
müssen sicher stellen, dass alle Ägypter eine faire Chance erhalten. Dazu
gehört neben dem Kampf der Korruption, neben der Etablierung einer
unabhängigen Justiz und neben dem Zurückbinden der Macht der Armee natürlich
ein umfassendes Erziehungsprogramm, damit alle Ägypter lesen und schreiben
lernen können, denn nur so wird der Kampf gegen die Massenarmut erfolgreich
sein können. Das Land muss für das 21. Jahrhundert erst noch gerüstet
werden.
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