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Monti und seine Reformen
Artikel vom 9. Juli 2012 um 15:32
Heute beginnt die Beratung im
Senat über die Regierungsbeschlüsse zu den Rationalisierungen in der
öffentlichen Verwaltung vom 6. Juli 2012. Mario Monti
will bis 2014 €26 Milliarden
Einsparen. Der öffentliche Dienst muss um 10% schrumpfen, wobei es die
aufgeblähte Führungsebene sogar mit 20% trifft.
11,000 Stellen sollen in den Ministerien und 13,000 in der öffentlichen
Verwaltung gestrichen werden. Im Justizbereich sollen zum Beispiel 674
Friedensrichterämter geschlossen werden. Im Gesundheitsbereich müssen 2012
rund €900 Millionen, 2013 €1,8
Milliarden und 2013 €2Milliarden eingespart werden. Der gigantische Fuhrpark
mit vielen Chauffeuren, der den öffentlichen Bediensteten zur Verfügung
steht, soll um die Hälfte schrumpfen. Die Löhne der Beamten sollen nicht
weiter unantastbar, die Stellen der Staatsfunktionäre nicht weiter unkündbar
sein. Wessen Stelle wegfällt und wer nicht innert zwei Jahren einen neuen
Job in der Verwaltung findet, muss gehen. Bei der Armee soll das Personal
verringert, bei der Beschaffung von Material und Diensten durch die
Verwaltung gespart werden. Die Zahl der zur Zeit 110 Provinzen soll halbiert
werden, die Transferzahlungen an Gemeinden, Provinzen und Regionen um €5,5
Milliarden gekürzt werden.
Ein positiver Effekt der erneuten Sparübung soll in der Verschiebung der
bereits im Oktober 2011 beschlossen Erhöhung der Mehrwertsteuer von 21% auf
23% bis mindestens Mitte 2013 bestehen, um so den Konsum der Massen nicht
weiter zu bremsen und die Rezession nicht zu verstärken, denn bereits für
2012 wird ein Wirtschaftseinbruch von rund 2% bis 2,5% (noch unabhängigen
Schätzungen) erwartet. Weitere Länder könnten in den ESM-Rettungsschirm
drängen und so den italienischen Haushalt weiter belasten.
Regierungschef Mario Monti verwies in einem Interview darauf,
dass das Defizit Italiens kleiner sei als jenes der Niederlande, das dennoch
einen geringeren Spread aufweise. Doch die Gefahr in Italien besteht
darin, dass das Parlament die Massnahmen des Kabinetts wie bei den früher
verabschiedeten Arbeitsmarktreformen und Liberalisierungen wieder
zerpflückt. Im November 2011 stand der Fokus zudem vor allem auf
Steuererhöhungen und Rentenkürzungen. Die Märkte trauen der Sache nicht,
weshalb die Zinsen auf den zehnjährigen italienischen Regierungsanleihen
heute bei 6,18% standen, also über 480 Punkte über dem Zinssatz für deutsche
Staatsanleihen. Die Sparübung von
€26 Milliarden muss zudem in Relation
mit den gesamten Staatsausgaben gesehen werden, die allein 2012 auf rund
€810 Milliarden veranschlagt werden.
Mario Monti kann man schon trauen. Doch müsste er 10 Jahre an der Spitze der
Regierung stehen, um die notwendigen Einsparungen und Strukturreformen
durchzusetzen. Das Steuerniveau ist mit über 50% zu hoch und die
Steuerzahlungsmoral der Italiener zu schlecht. Die Schattenwirtschaft und
die organisierte Kriminalität florieren weiter. Schon bald stehen Neuwahlen
an. Die alten, unfähigen Parteien und ihre Vertreter drohen an die Macht
zurückzudrängen. Dem Land geht es noch viel zu gut. Viele Italiener haben
noch immer nicht begriffen, dass sie zusammen mit den Politikern ihr Land an
den Abgrund gewirtschaftet haben. Italien ist zu gross und kann sich daher
nur selbst retten. Doch die Zweifel an der italienischen Einsicht steigen
wieder. Die Eurozone ist bedroht. Mario Monti kündete daher bereits eine
dritte Reformwelle an, die unter anderem Subventionen und weiteren
öffentlichen Ausgaben auf den Zahn fühlen soll.
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